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Frank Peter Zimmermann und Marek Janowski trennt zwar eine ganze Generation: Musikalisch verbindet den in Duisburg geborenen Geiger und den Dirigenten freilich weit mehr, als es der Altersunterschied von 26 Jahren erwarten lässt. Beide gehören seit Jahrzehnten zur Weltspitze ihres Fachs und beide legen gleich wenig Wert auf Medienrummel aller Art. Auch wenn sie dadurch in der breiten Öffentlichkeit nie die Bekanntheit einer Anne-Sophie Mutter oder eines Simon Rattle gewinnen konnten, werden sie in Kennerkreisen umso höher geschätzt. Dass der Name Zimmermanns im Zusammenhang mit den Querelen um die Westdeutsche Landesbank doch in die Schlagzeilen geriet, war ihm denkbar unangenehm. Nach zwölfeinhalb gemeinsamen Jahren musste Zimmermann seine ihm ans Herz gewachsene und als Leihgabe der Bank überlassene Stradivari „Lady Inchiquin“ an deren neuen Besitzer, den Finanzdienstleister Portigon AG, zurückgeben. Dieser hatte Zimmermanns Kaufangebot über 4,9 Millionen Euro zurückgewiesen. Letztlich ist das Land eingesprungen, so dass Zimmermann wieder auf seinem Lieblingsinstument spielen kann.
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Auch in der Essener Philharmonie, wo er mit dem WDR-Sinfonieorchester Köln und Marek Janowski einem Komponisten huldigte, der ihm besonders am Herzen liegt. Trotz oder weil Paul Hindemith nach den Schmähungen von Adorno & Co. längst nicht den Platz in unserem Konzertalltag einnimmt, den er verdiente. Dass Hindemiths Violinkonzert zu den interessantesten Werken des Genres aus dem 20. Jahrhundert gehört, hat Zimmermann schon früh bewiesen. Jetzt tritt er mit der Kammermusik Nr. 4 für Violine und Kammerorchester op. 36 Nr. 3 auf. Ein frisches, originelles, äußerst dankbares Werk aus den quirligen 1920-er Jahren, das dem Solisten nicht weniger abverlangt als das gut zehn Jahre später entstandene Violinkonzert, das er auch in Konzerten, so oft es die Veranstalter erlaubten, aufführte.
Die Kammermusik Nr. 4 ist trotz des auf 20 Musiker beschränkten Ensembles, das jedoch von der Piccoloflöte bis zur Tuba eine extrem breite Klangpalette entfaltet, durchaus als Violinkonzert zu verstehen. Allerdings als ein recht kurzes. Zimmermann bekannte selbst, dass er sich nicht so recht ausgelastet fühle, wenn er sich an einem Abend mit diesem Werk begnügen müsste. Der WDR kann sich diesen Luxus erlauben. In weiteren Konzerten wird er Hindemiths Opus mit einer anderen Rarität kombinieren, nämlich Robert Schumanns Fantasie für Violine und Orchester op. 131.

So knapp gebaut auch Hindemiths „Kammermusik“ sein mag. Von schroffen Attacken bis zu geisterhaft verschleierten Arabesken der feinsten Art und lyrischen Passagen von intensiver emotionaler Ausdruckskraft entfaltet sich auf engem Raum eine Art stilistischer Achterbahn, die höchste Anforderungen an die technische Sicherheit und gestalterische Flexibilität des Solisten stellt. Keine Frage, dass sich Zimmermann davon nicht in Bedrängnis bringen lässt, zumal ihn Janowski trotz des streckenweise dicht instrumentierten Begleitparts wie auf Händen trägt. Insgesamt ein Kabinettstück ebenso erfüllter wie perfekter Vortragskunst.
Mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 85, La Reine, zum Auftakt des Programms zeigt sich Janowski, der vor allem als versierter Dirigent großer spätromantischer Musik, speziell, wie auch derzeit bei den Bayreuther Festspielen, als Interpret der Musik Richard Wagners geschätzt wird, als Meister klassischer Transparenz und filigraner Delikatesse. Janowski verzichtet, anders als die „Jungen Wilden“ im Umfeld von Teodor Currentzis, auf extreme Kontraste, überdrehte Tempi und scharfe Klangbilder. Mit schlichter Selbstverständlichkeit lässt er ein bis ins kleinste Detail durchhörbares Klangbild entstehen, das von einer natürlich fließenden Phrasierung getragen wird. Das alles lässt sich weder als konservativ noch als sensationell einstufen, sondern überzeugt durch zeitlose Schönheit.
Nach der Pause wird es eng auf dem Podium der nahezu voll besetzten Philharmonie. Richard Strauss‘ Alpensinfonie erfährt eine ebenfalls klanglich meisterhaft ausgehörte und stilistisch ausgewogene Interpretation, in der Janowski die schillernden Klangfarben und das weite dynamische Spektrum eindrucksvoll ausspielt, dabei aber auch den kontemplativen Hintergrund des Werks, das Strauss durchaus nicht als illustrative „Postkarten-Musik“ verstanden wissen wollte, spürbar werden lässt. Große Gesten braucht Janowski nicht zu bemühen. Die Musiker folgen seinem vorbildlichen Handwerk und Instinkt ohne gymnastisches Vorturnen.
Das sichtlich beeindruckte Publikum reagiert auf alle Vorträge mit vehementer Begeisterung. Während sich Zimmermann mit einer Bach-Courante bedankt, verzichtet Janowski nach dem orchestralen Gipfelsturm der Alpen wohlweislich auf ein unangebrachtes Dessert.
Pedro Obiera