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Think big

PIECES OF MANIFESTO
(Karen Bößer, Beatrix Szörényis)

Besuch am
16. Februar 2018
(Premiere)

 

Forum Freies Theater, Düsseldorf, Kasernenstraße

Ein Stuhl ist mit Kupfergeld beklebt. Scheinbar achtlos setzt sich die Perfor­merin darauf, und schon prasseln etliche Münzen auf das hölzerne Podest, auf dem der Klapp­stuhl steht. Zufall. Gewollt, vielleicht. Ein schöner Effekt auf jeden Fall. Begonnen hat der Abend schon auf dem Flur vor der Blackbox im Forum Freies Theater in der Kaser­nen­straße. Da wird den Besuchern der Blick in ein Produk­ti­onsbüro und ein Archiv­zimmer gewährt. Im Produk­ti­onsbüro hängen zwei Papier­bälle von der Decke, die von zwei Künstlern in Bewegung gehalten werden. Zwischen­zeitlich halten sie inne, notieren etwas auf Blöcken. Kopfball oder Brain­storming, so genau ist das nicht zu erkennen. Der Archivraum ist verschlossen. Eine Stufe ermög­licht den Blick durch das Oberlicht. Ein Schein­werfer erhellt Materialien im menschen­leeren Raum. Materialien, die auf ihre Verwendung warten.

POINTS OF HONOR

Perfor­mance
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Karen Bößer und Beatrix Szörényis haben sich für die rund einstündige Aufführung Pieces of Manifesto zum Ziel gesetzt, dem Publikum den künst­le­ri­schen Entste­hungs­prozess ihrer Arbeit zu erklären. Ihr Manifest ist aller­dings keine festge­legte Textstruktur, wie man es eben von einem Manifest erwartet – das wider­spräche der prozes­sualen Denkweise. Sie wollen ohne Sprache auskommen, ganz auf die Möglich­keiten der künst­le­ri­schen Mittel zurück­ge­worfen. Ein zusätz­licher Spannungs­bogen kann sich dabei aus den verschie­denen Zugängen ergeben. Bößer arbeitet als Choreo­grafin, Szörényis als bildende Künst­lerin, die häufig die eigene Person in den Mittel­punkt ihres Schaffens stellt.

Foto © Susanne Diesner

Für ihre Bruch­stücke eines Manifests haben sie in der Blackbox eine Art Kreativ­labor zusam­men­ge­stellt. Oder wenn man will, ein Labyrinth verschie­denster Positionen, die die beiden Künst­le­rinnen abarbeiten. Und da gibt es durchaus Skurriles zu sehen. Während die eine sich einen Plastiksack über den Kopf stülpt, übt die andere sich in beweg­lichen Skulp­turen. Tableaus werden aufgebaut und verworfen. Bößer probiert sich zwischen symbo­li­schen Fahnen­stangen aus, indem sie Länder­be­zie­hungen verschiebt, sich vorüber­gehend – falsch – entscheidet, ehe sie aus dem Dickicht wieder hervor­bricht. Szörényis greift sich derweil einen Stein, auf dem sie vor der Kamera, die die Projektion auf eine Holzwand überträgt, ein Szenario von gipfel­stür­menden Menschen aufbaut. Als die Minia­tur­fi­guren alle ihren Platz gefunden haben, wischt sie sie nach und nach mit einem Pinsel wieder vom Stein.

Noch immer ist kein Wort gefallen. Die Abwesenheit von Musik trägt ebenfalls zur gestei­gerten Konzen­tration bei. Und mögli­cher­weise wäre eine Phase der Entspannung hilfreich, wie sie sich auch Künstler zwischen­zeitlich gönnen dürfen. Aber das Stück hält die Spannung. Auch als es Erotik entwi­ckelt. Da darf sich Bößer bis auf die Unter­wäsche entkleiden, eine Tisch­fläche einölen und sich darauf räkeln. Dass das jeder Laszi­vität entbehrt, ändert sich auch nicht, wenn Szörényis dazustößt. Künst­le­risch wertvoll. Also wird auch dieser Entwurf abgelehnt. Und dann, so ganz zum Schluss, gibt es immerhin die Erkenntnis, wie es weiter­gehen muss. XXL. So sprühen es die beiden Damen an die Wand. Schablonen nehmen sie zu Hilfe, aber egal, manchmal darf man auch mit Schablonen arbeiten. Ja. Denke groß. Und humorvoll – möchte man hinzu­fügen. So kann was werden aus dem Entste­hungs­prozess eines neuen Stückes.

Es sind schon viele Stücke über die Entstehung eines neuen Werkes geschrieben worden. Meist wortreich. Bößer und Szörényis ist es gelungen, eines der Besseren zu entwi­ckeln. Ganz ohne Worte, aber künst­le­risch höchst einfalls­reich. Das Publikum ist sich noch nicht ganz schlüssig, applau­diert verhalten und kurz – bis auf die Freunde. Aber das Stück wirkt nach. Und beginnt, seine Wirkung auf dem Nachhau­seweg zu entfalten. Was kann man mehr über eine Aufführung sagen?

Michael S. Zerban

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