O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
ORPHEUS UND EURYDIKE
(Christoph Willibald Gluck)
Besuch am
20. Februar 2018
(Premiere am 17. Februar 2018)
Dem positiven Ausgang von Christoph Willibald Glucks Oper Orpheus und Eurydike misstraut Regisseur Jakob Peters-Messer in seiner Neuinszenierung für das Theater Krefeld Mönchengladbach ganz gewaltig. Eurydike darf zwar letztlich aus der Unterwelt ins irdische Leben zurückkehren, doch eine glückliche Vereinigung mit Orpheus bleibt aus. Das hehre Liebespaar hat sich entfremdet. Die Bühne verdüstert sich wie zu Beginn, wenn Orpheus seine verstorbene Geliebte in einem im wahrsten Sinne des Wortes schwarzen Szenario zu Grabe tragen lässt. In der schwarz-weißen Ausstattung von Markus Meyer scheint Peters-Messer die Erwartungshaltungen auf den Kopf zu stellen. Die irdische Welt gebärdet sich noch abweisender als die gar nicht so schrecklichen Furien in der Unterwelt. Und nachdem Orpheus die Höllenwesen besänftigt hat, dringt er in eine Unterwelt ein, die so viel Licht, kristalline Reinheit und Ruhe ausstrahlt, als wären wir im Elysium. Und Eurydike scheint keine große Lust zu verspüren, diesem Paradies entrissen zu werden. Dass sie bei ihrem ersten Rückzug in die irdische Welt das Schweigegelübde bricht und zunächst weiterhin in der Unterwelt ausharren muss, ist weniger als Ergebnis göttlicher Schikanen, sondern der Ungeduld und dem Misstrauen Eurydikes zu verdanken, die so wenig der Aufrichtigkeit von Orpheus vertraut, dass sie nicht bereit ist, wenigstens auf dem Weg in die Oberwelt auf einen bestätigenden Blick von Orpheus verzichten zu wollen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Der Rückfall in den Hades scheint sie weit weniger zu irritieren als der Gnadenakt Amors, der das Liebespaar am Ende doch noch zusammenführt. Auch wenn die Partie der Eurydike relativ klein angelegt ist, wird die Rolle durch die genaue Charakterisierung Peters-Messers wesentlich aufgewertet. Letztlich erscheint sie in einem wesentlich aktiveren Licht als in gängigen Inszenierungen. Und auch der Amor, dargestellt als Zwitter eines Liebesgotts und einer Todes-Allegorie, ist in Krefeld allgegenwärtig und scheint die Vorgänge in jedem Moment zu kontrollieren und zu steuern.

Orpheus bleibt die Rolle des trauernden Hinterbliebenen überlassen. Seine Aktivitäten beschränken sich auf die Ausdruckskraft der Klage und die besänftigende Wirkung seines Gesangs. Auf die entscheidenden Vorgänge und vor allem auf den Ausgang der Geschichte hat er so gut wie keinen Einfluss.
Jakob Peters-Messer entwirft für dieses Seelengemälde einfache, aber nachhaltige Bilder, die er durch seine Personenführung geschickt und ohne jede überdrehte Verzerrung vor oratorienhafter Statik bewahrt. Unterstützt von Tänzerinnen und Tänzern des Ballettensembles, die in der Unterwelt in dezenten, aber agilen Choreografien von Robert North für Bewegung sorgen.
Gezeigt wird in Krefeld die leicht abgewandelte Wiener Urfassung aus dem Jahre 1762 in italienischer Sprache. Am Pult der beherzt, wenn auch nicht immer präzis aufspielenden Niederrheinischen Sinfoniker steht niemand Geringerer als Werner Ehrhardt, der als Gründer und Leiter des renommierten „Concerto Köln“ auf reichliche Erfahrung mit dem Genre zurückblicken kann und auch hier die dramatischen Impulse der Musik ebenso pointiert zum Ausdruck bringt wie die ausdrucksvollen Klagegesänge des Orpheus. In der zentralen Titelrolle hat in der Premiere bereits Eva Maria Günschmann für Begeisterung gesorgt. Umso überraschender fällt die Talentprobe von Agnes Thorsteins in der ersten Reprise aus. Ein Mitglied des Opernstudios, das über einen samtenen Mezzo verfügt und den hohen, diffizilen Anforderungen der Rolle technisch und gestalterisch in jeder Hinsicht gewachsen ist. Ein großes Talent kündigt sich hier an, das sorgfältige Betreuung verdient. Die Rolle des Orpheus füllt sie ideal aus, ohne ihre Stimme auch nur in einem Takt zu überfordern.
So stark der Regisseur die Rolle der Eurydike aufwertet, so engagiert setzt Sophie Witte mit ihrem hellen, mühelos geführten Sopran und nicht zuletzt ihrer anrührenden Bühnenpräsenz die Anforderungen um. Gabriela Kuhns Amor fehlt dagegen ein wenig die nötige vokale Geschmeidigkeit. Der Chor der Vereinigten Bühne rundet das hohe musikalische Niveau der rundum überzeugenden Neuproduktion adäquat ab.
Ebenso begeisterter wie berechtigter Beifall für eine eindrucksvolle Vorstellung, die bereits im vergangenen Juni in Mönchengladbach gezeigt wurde.
Pedro Obiera