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Foto © Gert Weigelt

Grüße an die Heimat

b.34
(Martin Schläpfer, Marco Goecke, Kurt Jooss)

Besuch am
1. März 2018
(Premiere am 2. Februar 2018)

 

Ballett der Deutschen Oper am Rhein, Theater Duisburg

Martin Schläpfer als Ballettchef hat seit einem Amtsan­tritt vor neun Jahren der Deutschen Oper am Rhein zu beacht­lichem überre­gio­nalem Ansehen verholfen. Dass Schläpfer im vergan­genen Jahr sein Missbe­hagen an den Arbeits­ver­hält­nissen öffentlich äußerte, obwohl er sich über ein neues teures Proben­zentrum und eine der größten Compa­gnies Deutsch­lands freuen kann, hat zu etlichen Verstim­mungen geführt. Dabei hat er auch noch sein Amt des Ballett­di­rektors seinem Kollegen Remus Şucheanǎ übertragen dürfen, wodurch ihm eine Menge an Verwal­tungs­arbeit erspart bleibt. Schläpfer selbst wirkt derzeit als Chefcho­reograf und, was immer das heißen mag, als „Künst­le­ri­scher Direktor Ballett“. Tolle Titel, die Schläpfers Amtsmü­digkeit am Rhein nur mühsam verschleiern können.

Ebenso wie das recht lustlos zusam­men­ge­stü­ckelte, neueste Programm b.34. Nichts spricht dagegen, wenn man auf drei bekannte Klassiker des Tanz-Reper­toires zurück­greift. Einiges jedoch, wenn man ein, zugegeben geniales Stück wie Curt Jooss‘ Antikriegs-Parabel Der grüne Tisch auf das Programm setzt, das erst vor zwei Jahren in Schläpfers Programm b.27 zu sehen war. Und was soll man davon halten, wenn Schläpfer seine eigenen Appen­zel­ler­tänze aus dem Jahre 2000 nicht selbst betreut, sondern die Einstu­dierung seinem Co-Chef Şucheanǎ überlässt? Hat sich da jemand schon innerlich vom Rhein verabschiedet?

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Vermutung wird verstärkt durch Schläpfers Wahl der Appen­zel­ler­tänze, die ein Stück Sehnsucht nach seiner Schweizer Heimat spüren lassen. Zu Origi­nal­klängen aus dem Appenzell mit Zupf‑, Streich- und Jodler­klängen entfaltet Schläpfer eine teils ironische, teils distan­zierte, aber durchweg sehr persönlich gefärbte Bilder­folge aus dem Leben im Alpenland. Ironisch, wenn die Tänzer mit riesigen Kuhglocken den Almauf­trieb feiern, nachdenklich, wenn Aleksandra Liashenko in der Einsamkeit einer Bauern­stube dem Traum nach einem erfüllten Liebes­glück nachhängt.

Foto © Gert Weigelt

Marco Goecke setzt sich in Le Spectre de la Rose mit der gleich­na­migen, legen­dären Choreo­grafie von Mikhail Fokine ausein­an­der­setzen, die 1911 für das Pariser Ballet Russe entstanden ist. Eine einfache Geschichte von einer jungen Frau, die nach der Rückkehr von einem Ball mit einer Rose in der Hand einschläft und vom Geist dieser Rose träumt. Die Bezüge zu Fokines Choreo­grafie sollte man nicht überbe­werten. Goecke wertet die Rolle des Mädchens zwar auf, die Dominanz des Geistes bleibt jedoch nach wie vor erhalten. Die dankbaren Solopas­sagen meistern auf hohem Niveau Mariana Dias und Bruno Narnhammer, während das Ensemble auf dem mit roten Rosen­blättern ausge­streuten Boden wie flatternde Insekten mit klein­glied­rigen Bewegungen einen reizvollen Kontra­punkt zu den großen Soloauf­tritten setzt.

Und zu Kurt Jooss Grünem Tisch mit seiner grandiosen Bildhaf­tigkeit und seiner grotesken Bewegungs­sprache ist nicht viel mehr zu sagen als vor zwei Jahren. Vorzüglich getanzt vom Ensemble mit Chidozie Nzerem als Tod und Sonny Locsin als Schieber an der Spitze. Den einzigen musika­li­schen Live-Beitrag des Abends lieferten dazu Christian Grifa und Wolfgang Wiechert am Klavier.

Ein Abend mit drei sehens­werten Stücken, die aber auch von der Amtsmü­digkeit des Ballett-Prinzipals künden. Wenn Schläpfer, der kein Freund abend­fül­lender Handlungs­bal­lette ist und sich auf dem Parkett abstrakter Tanzkunst erheblich wohler fühlt, im Juni nach neun Jahren endlich dem Wunsch des Publikums nachkommt und den Schwa­nensee in Angriff nimmt, mutet das fast wie ein großes Lebewohl an.

Das Publikum reagiert mit langan­hal­tendem Beifall. Erfreulich, dass auch das 2009 noch sehr reser­vierte Duisburger Publikum Schläpfers Ästhetik soweit akzep­tiert, dass das Theater nahezu ausver­kauft ist.

Pedro Obiera

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