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LADY MACBETH VON MZENSK
(Dmitri Schostakowitsch)
Besuch am
1. März 2018
(Premiere)
Selbstmord, Ehebruch, Auspeitschung, Massenvergewaltigung und mehrere Morde, einer davon besonders grausam mit Rattengift: Das sind die ohnedies schon grausigen Zutaten von Dmitri Schostakowitsch zweiter Oper Lady Macbeth von Mzensk. Und die Sogwirkung des Musikdramas, dessen Uraufführung 1934 stattfand – das nach einem Besuch von Stalin zwei Jahre später verboten wurde, da darin auch die Obrigkeit in Form der Polizei lächerlich gemacht wurde – vermag Immo Karaman in seiner Inszenierung am Stadttheater Klagenfurt noch intensiver und praller zu verstärken.
Wie schon bei Prokofjews Liebe zu den drei Orangen 2014 und Brittens Midsummer Night‘s Dream 2015 lässt sich der Regisseur, einmal mehr sein eigener Bühnenbildner, auch diesmal von Bildern eines Malers inspirieren: So erinnern manche Szenen frappant an George Grosz, einen Zeitgenossen Schostakowitschs, dessen Sujets drastische und provokative Darstellungen von Mord und Gewalt wie auch Verspottungen der herrschenden Klasse beinhalten. Also wie geschaffen für diese Geschichte. Zudem tauchen in den teils tristen, kargen, schnell wechselnden Kulissen immer wieder auch allegorische Figuren, deren Kostüme und Choreografie Fabian Posca besorgte, wie ein Tanzbär, ein Pope, wie ein buddhistischer Mönch ausstaffiert, ein Christus mit Gasmaske, ein Schäbiger wie ein Conférencier in Netzstrümpfen, Polizisten, wie Clowns maskiert und sich ebenso lächerlich benehmend, auf. Und all das ist mit größter Musikalität punktgenau auf die Partitur und großem Detail- und Ideenreichtum inszeniert. Als Theater im Theater changiert seine Konzeption zwischen krassem Realismus, Subtilität, ironisierender Satire und Surrealem und geht insgesamt wie ein gespenstischer Thriller unter die Haut.
| Musik | ![]() |
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| Regie | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Zum Finale findet sich die Titelfigur wie am Beginn im kleinbürgerlichen Wohnzimmer schweigsam beim Essen mit Mann und Schwiegervater. Und bevor die Geschichte wieder von vorne beginnen kann, schneidet sie sich die Kehle durch, was die beiden anderen völlig teilnahmslos gar nicht bemerken. Ihre Rivalin wird von ihr, nicht wie in der Vorlage, getötet, sondern läuft schreiend hinaus.

Einen großen Anteil am Gelingen hat auch Kristiina Poska. Die Dirigentin ist ein regelrechter Glücksfall für das Kärntner Sinfonieorchester im noch tiefer gelegten Graben: Denn was sie ihren Musikern bei aller Komplexität und Diffizilität der Partitur entlockt, ist schlichtweg ein Ereignis: Grelle, schneidende Orchesterfarben mit ausgelagerten Blechbläsern in den Proszeniumslogen, akustisch bis an die Schmerzgrenze, krasse Realistik, subtiles, kammermusikalisches Pathos wechselt mit grotesk-parodistischer Überspitzung und illustrativer Vulgarität. Auch die irreguläre Rhythmik und die brutalen Steigerungen werden expressiv und spannungsgeladen herausgearbeitet.
Uneingeschränkt glücklich wird man diesmal auch mit dem Sängerensemble: Svetlana Sozdateleva verausgabt sich darstellerisch und stimmlich bis an ihre Grenzen. Sie ist eine ungemein fassettenreiche Katerina Ismailowa, von unbefriedigt über lasziv bis exzessiv. Der Arbeiter Sergej wird vom virilen Alexej Kosarev kraftvoll und höhensicher gesungen. Gleb Nikolsky singt den despotischen und erotomanischen Vater Boris mit starker, bösartiger Präsenz und Stimmgewalt. Joshua Owen Mills ist sein schwächlicher Sohn Sinowij mit hellem Tenor. Iris van Wijnen ist in gleich zwei Partien als gequälte Axinja und laszive Sonjetka zu erleben. Auch das übrige Ensemble, bei dem der Polizeichef, gesungen von Karl Huml, der Pope von Jisang Ryu und der Schäbige von Marlin Miller hervorstechen sowie der Chor des Hauses, dessen Einstudierung Günter Wallner besorgte, lassen keine Wünsche offen. Und was diesmal besonders auffällt: Alle sind zudem großartige Darsteller.
Großer Jubel des begeisterten Publikums im Haus.
Helmut Christian Mayer