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Foto © Bernd

Pariser Leben

MANON
(Jules Massenet)

Besuch am
4. März 2018
(Premiere)

 

Oper Köln, Staatenhaus

Dass Jules Massenet mit seiner Oper Manon der Roman­vorlage des Abbé Prevost näher steht als Puccini mit seiner Version der Manon Lescaut, hat nichts daran ändern können, dass Massenets 1884 urauf­ge­führte Oper im 20. Jahrhundert lange Zeit von Puccinis neun Jahre später entstan­dener, straffer gefassten Vertonung verdrängt worden ist. Das hat sich mittler­weile geändert. Das spezi­fisch franzö­sische Kolorit der Massenet-Oper hat Regisseur Johannes Erath an der Kölner animiert, der Handlung eine Prise „Moulin-Rouge“-Aroma zu verleihen. Das Tanzbein wird zwar nicht zum Can-Can geschwungen, doch die Genre-Szenen sind stark von Montmartre-Klischees geprägt einschließlich revueh­after Kostüme und einiger Einlagen zu Pariser Akkordeon-Klängen. Am Ende traktiert der ganze Chor stumm eine ganze Flotte der Quetsch­kom­moden. Und die schöne Manon verdreht auf einem überdi­men­sio­nalen Parfüm-Flacon den Männern die Köpfe.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

An präziser Perso­nen­führung mangelt es der Insze­nierung nicht. Aller­dings verlieren sich viele Details in der originell, aber nicht unpro­ble­ma­tisch zugeschnit­tenen Spiel­fläche im Deutzer Staatenhaus. Erath und sein Bühnen­bildner Herbert Barz-Murauer nutzen die gesamte riesige Breite der Halle und beschneiden die Perspektive horizontal durch eine tief gezogene Decke und eine hoch angesie­delte Spiel­fläche, so dass die Bühne wie ein schmaler Filmstreifen im Cinema­scope-Format anmutet. Immer wieder frieren die Figuren, vor allem der Chor, ein und werden auf einem Laufband wie lebende Bilder über die Bühne gezogen. Das hat seinen Reiz, geht aller­dings auf Kosten der vielen intimen und klein besetzten Szenen, die sich in der Breite der Bühne verlieren. Immerhin bleibt noch erkennbar, wie berechnend und kokett Manon ihren Hunger auf ein luxuriöses Leben ausspielt. In einem wunder­schönen roten Kleid aus der Schnei­derei von Gesine Völlm, das mit dem roten Teller-Tütü einer Ballerina korre­spon­diert, die schwe­relos über die Bühne schwebt. Weniger deutlich wird in Köln freilich, ob und welche echten Gefühle Manon gegenüber ihrem Liebhaber, dem Chevalier des Grieux, empfindet. Dadurch wirkt auch die Sterbe­szene der Manon recht kühl und distanziert.

Foto © Bernd Uhlig

Dem franzö­si­schen Kolorit der Insze­nierung entspricht die musika­lische Leitung durch den genre-erfah­renen Gastdi­ri­genten Claude Schnitzler, der das großbe­setzte Gürzenich-Orchester stilsicher durch den langen Abend führt. Lang wird der Abend, auch wenn die Ballett­szenen stark beschnitten werden und sich auf kurze Auftritte der erwähnten Ballerina im roten Teller-Tütü beschränken, die wie die Figur einer Spieldose die Künst­lichkeit der Gefühlswelt in der glamou­rösen Welt unterstreicht.

Grandios gestaltet und singt Zuzana Marková die Titel­rolle. Sie besticht gleicher­maßen durch starke dynamische Höhepunkte und eine Piano-Kultur vom Feinsten. Die Kokotte wie auch die nach Liebe zehrende Frau stellt sie glaubhaft dar. Atalla Ayan als des Grieux steht ihr an Attrak­ti­vität in nichts nach, und der metal­lische Glanz seines Tenors ist beachtlich. Aller­dings spricht die Stimme nur in höheren dynami­schen Regionen an, so dass seine vokale Leistung recht forciert anmutet.

Einen verlässlich singenden, wider­sprüchlich charak­te­ri­sierten Cousin Lescaut steuert Wolfgang Stefan Schwaiger bei. Auch ansonsten erreicht die Produktion ein erfreulich hohes Gesamt­niveau, was man von der Kölner Oper in letzter Zeit nicht durchweg sagen kann.

Freund­licher bis begeis­terter Beifall des Premie­ren­pu­blikums, der von keinem Buh-Ruf getrübt wird, auch wenn der Spagat zwischen großer Oper und Kammer­spiel im Staatenhaus nur bedingt gelingen will.

Pedro Obiera

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