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Dass Jules Massenet mit seiner Oper Manon der Romanvorlage des Abbé Prevost näher steht als Puccini mit seiner Version der Manon Lescaut, hat nichts daran ändern können, dass Massenets 1884 uraufgeführte Oper im 20. Jahrhundert lange Zeit von Puccinis neun Jahre später entstandener, straffer gefassten Vertonung verdrängt worden ist. Das hat sich mittlerweile geändert. Das spezifisch französische Kolorit der Massenet-Oper hat Regisseur Johannes Erath an der Kölner animiert, der Handlung eine Prise „Moulin-Rouge“-Aroma zu verleihen. Das Tanzbein wird zwar nicht zum Can-Can geschwungen, doch die Genre-Szenen sind stark von Montmartre-Klischees geprägt einschließlich revuehafter Kostüme und einiger Einlagen zu Pariser Akkordeon-Klängen. Am Ende traktiert der ganze Chor stumm eine ganze Flotte der Quetschkommoden. Und die schöne Manon verdreht auf einem überdimensionalen Parfüm-Flacon den Männern die Köpfe.
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An präziser Personenführung mangelt es der Inszenierung nicht. Allerdings verlieren sich viele Details in der originell, aber nicht unproblematisch zugeschnittenen Spielfläche im Deutzer Staatenhaus. Erath und sein Bühnenbildner Herbert Barz-Murauer nutzen die gesamte riesige Breite der Halle und beschneiden die Perspektive horizontal durch eine tief gezogene Decke und eine hoch angesiedelte Spielfläche, so dass die Bühne wie ein schmaler Filmstreifen im Cinemascope-Format anmutet. Immer wieder frieren die Figuren, vor allem der Chor, ein und werden auf einem Laufband wie lebende Bilder über die Bühne gezogen. Das hat seinen Reiz, geht allerdings auf Kosten der vielen intimen und klein besetzten Szenen, die sich in der Breite der Bühne verlieren. Immerhin bleibt noch erkennbar, wie berechnend und kokett Manon ihren Hunger auf ein luxuriöses Leben ausspielt. In einem wunderschönen roten Kleid aus der Schneiderei von Gesine Völlm, das mit dem roten Teller-Tütü einer Ballerina korrespondiert, die schwerelos über die Bühne schwebt. Weniger deutlich wird in Köln freilich, ob und welche echten Gefühle Manon gegenüber ihrem Liebhaber, dem Chevalier des Grieux, empfindet. Dadurch wirkt auch die Sterbeszene der Manon recht kühl und distanziert.

Dem französischen Kolorit der Inszenierung entspricht die musikalische Leitung durch den genre-erfahrenen Gastdirigenten Claude Schnitzler, der das großbesetzte Gürzenich-Orchester stilsicher durch den langen Abend führt. Lang wird der Abend, auch wenn die Ballettszenen stark beschnitten werden und sich auf kurze Auftritte der erwähnten Ballerina im roten Teller-Tütü beschränken, die wie die Figur einer Spieldose die Künstlichkeit der Gefühlswelt in der glamourösen Welt unterstreicht.
Grandios gestaltet und singt Zuzana Marková die Titelrolle. Sie besticht gleichermaßen durch starke dynamische Höhepunkte und eine Piano-Kultur vom Feinsten. Die Kokotte wie auch die nach Liebe zehrende Frau stellt sie glaubhaft dar. Atalla Ayan als des Grieux steht ihr an Attraktivität in nichts nach, und der metallische Glanz seines Tenors ist beachtlich. Allerdings spricht die Stimme nur in höheren dynamischen Regionen an, so dass seine vokale Leistung recht forciert anmutet.
Einen verlässlich singenden, widersprüchlich charakterisierten Cousin Lescaut steuert Wolfgang Stefan Schwaiger bei. Auch ansonsten erreicht die Produktion ein erfreulich hohes Gesamtniveau, was man von der Kölner Oper in letzter Zeit nicht durchweg sagen kann.
Freundlicher bis begeisterter Beifall des Premierenpublikums, der von keinem Buh-Ruf getrübt wird, auch wenn der Spagat zwischen großer Oper und Kammerspiel im Staatenhaus nur bedingt gelingen will.
Pedro Obiera