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Foto © La Monnaie de Munt

Wenn die Eifersucht überkocht

CAVALLERIA RUSTICANA/​I PAGLIACCI
(Pietro Mascagni, Ruggiero Leoncavallo)

Besuch am
16. März 2018
(Premiere am 6. März 2018)

 

La Monnaie de Munt, Brüssel

Fühlte man sich vor wenigen Wochen noch mit Andrea Breths grandioser Insze­nierung von Dalla­pic­colas Il Prigio­niero und Wolfgang Rihms Gehege in die seligen Zeiten der Intendanz von Gerard Mortier zurück­ver­setzt, geht es derzeit im Brüsseler Opernhaus äußerst robust zu, wenn die Eifer­suchts-Orgien des populären Opern-Zwillings von Pietro Mascagnis Caval­leria Rusticana und Ruggiero Leonca­vallos I Pagliacci in einem für Brüssel ungewöhnlich realis­ti­schen Ambiente über die Bühne gehen. Aber nicht nur die konven­tio­nelle, von pathe­ti­schen Verzweif­lungs­gesten durch­setzte Insze­nierung von Damiano Michie­letto verströmt drastische Theaterluft, sondern auch das unter Hochdruck stehende Dirigat von Evelino Pidò, der wenig Sympa­thien für Piano-Feinheiten aufbringt und es so mächtig knallen lässt wie der Regisseur mit seiner auf emotionale Explo­si­vität getrimmten Personenführung.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

An sich ist die Bühnen­wirk­samkeit der Stücke so groß, dass man tatsächlich auf besonders origi­nelle Einfälle oder Aktua­li­sie­rungen verzichten und sich guten Gewissens auf das Libretto und die Musik verlassen kann. Denn das Thema Eifer­sucht, das in beiden Werken zum tragi­schen Ausgang führt, bedarf keiner verkrampften Aufpo­lierung. Dass neben der Kirche und der Wohnstube von Mutter Lucia in Caval­leria Rusticana auch ein Pizza­bäcker fleißig den Teig rollt und es schon im Vorfeld zu heißblü­tigen Raufe­reien unter den sizilia­ni­schen Burschen kommt, selbst diese behutsame Annäherung an neuere Zeiten ist entbehrlich, stört aber auch nicht. Mit den schlichten, pseudo-realis­ti­schen Bühnen­bildern von Paolo Fantin, der die Drehbühne nutzt, um die Spielorte reibungslos wechseln zu können, stellt sich ein südita­lie­ni­sches Ambiente ein. Raffi­niert ist die Verknüpfung beider Stücke, wenn in der Caval­leria bereits die Aufführung der Pagliacci plaka­tiert wird und Santuzza und Nedda im gleichen Kostüm auftreten. Aufge­wertet wird die Rolle der Mutter Lucia, die ebenso viel Empathie für ihren geliebten Sohn und für die betrogene Santuzza aufbringt und von den Konflikten geradezu zerrissen wird, was gestisch fast aufdringlich überzeichnet wird. Hervor­zu­heben ist auch die schil­lernde Darstellung des intri­ganten Tonio in den Pagliacci, der, körperlich benach­teiligt, wie eine Mischung aus Richard III. und Jago seine bösen Ränke schmiedet. Ansonsten vertraut der Regisseur dem Einsatz der Protago­nisten, die aus der plasti­schen Kraft der Musik heraus intuitiv das Drama erstehen lassen.

Foto © La Monnaie de Munt

Auch wenn auf der Bühne viel szeni­scher Dampf abgelassen wird: Sänger­freundlich ist es nicht, wenn der auf Tempo und dynamische Rekord­marken drängende Dirigent den Protago­nisten kaum Gelegenheit gibt, ausge­glichen zu atmen und auch sanftere Töne anschlagen zu können. So artet die musika­lische Gestaltung in eine Art Dauer­ge­brüll aus, was den Sängern ein Maximum an stimm­licher Kondition abver­langt. Das bekommt der bedenklich tremo­lie­renden Santuzza von Alex Penda, die in der Rolle mit Eva-Maria Westbroek alter­niert, ebenso wenig wie dem Turiddu von Teodor Ilincai. Und auch Carlo Ventre als Canio sowie Ainhoa Arteta als Nedda und Scott Hendricks als Tonio, allesamt mit recht großen Stimmern ausge­stattet, müssen sich durch­kämpfen. Elena Zilio gewinnt als empathische Mutter Lucia die Herzen der Zuschauer, José Maria lo Monaco lässt es als Lola nicht an stimm­lichem Sexappeal missen und Gabriele Nani verleiht dem Silvio schlankes vokales Profil. Der Chor ergänzt mit volumi­nösem Nachdruck den dynamisch krachenden Gesamt­ein­druck des Abends.

Viel Beifall für einen Abend, der keine Lange­weile aufkommen lässt, aber auch kein Futter für Klang­äs­theten bietet. Das könnte sich mit Olivier Pys neuem Lohengrin ab dem 19. April ändern.

Pedro Obiera

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