O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
BESUCH DER ALTEN DAME
(Gottfried von Einem)
Besuch am
20. März 2018
(Premiere am 16. März 2018)
Für die Avantgardisten galt Gottfried von Einem als verstaubter, rückwärtsgewandter Komponist. Beim Publikum hingegen wurden seine Werke immer große Erfolge. Er verleugnete nie die Tonalität und trotzdem wusste er immer wieder klanglich zu überraschen. Denn seine Klangsprache ist soghaft, pochend, komplex, mit spannenden Akzenten durchsetzt. So auch bei seiner 1971 uraufgeführten Oper Der Besuch der alten Dame, die jetzt als Hommage an seinen heurigen 100. Geburtstag im Theater an der Wien zur Aufführung gelangt. Die Wiener Staatsoper folgt übrigens in Kürze mit Dantons Tod, einer Oper, mit der der 1996 verstorbene Komponist seinen Durchbruch feierte.
Dieses Zieldrama wirkt naturgemäß noch stärker, wenn seine Sogwirkung so zum Ausdruck kommt, wie beim ORF-Radiosymphonieorchester Wien unter Michael Boder, einem ausgesprochenen Spezialisten fürs „modernere“ Repertoire: Fein ausbalanciert, kultiviert, differenziert, nie vordergründig, auch dynamisch an die Dimension des doch eher kleineren Theaters an der Wien angepasst, was auch der Textverständlichkeit der Protagonisten zugutekommt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Und die sind für alle Partien ideal besetzt. Katarina Karnéus verbindet in der sehr fordernden Partie der Claire Zachanassian mit etwas herbem Timbre und allen Spitzentönen, Verbitterung mit Charme und Belustigung. Ihr zur Seite steht Russell Braun, ihr ehemaliger Geliebter Alfred Ill. Er singt die Partie akzentfrei, kraftvoll und markant. Er hat sie einst, als sie schwanger wurde, wegen einer reichen Kaufmannstochter verstoßen. Jetzt kehrt Claire als superreiche Frau zurück und will sich für die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit rächen. Sie bietet dem dahinsiechenden, heruntergekommenen, verarmten Heimatdorf Güllen, wo es kaum noch Arbeit gibt, eine Spende von einer Milliarde, wenn jemand Ill tötet. Zuerst wird das Angebot von den Einwohnern als unmoralisch abgelehnt. Das in Aussicht gestellte Geld korrumpiert die Einwohner jedoch zusehends, man kauft eifrig auf Pump ein, leistet sich immer mehr Luxus und alles führt zum erwarteten, fatalen Ende.

Und alle machen mit: So auch der zynische und besserwisserische Lehrer, der von Adrian Eröd mit seinem Prachtbariton gesungen wird. Und der aufgeblasene Bürgermeister, den Raymond Very sehr eindringlich mit allen Spitzentönen und viel Groteske gestaltet. Wie auch sogar Markus Butter als kettenrauchender und mit kräftigem Bariton singender Pfarrer. Und auch der Arzt, der von Martin Achrainer ideal verkörpert wird. Martin Köfler gibt den ebenfalls mitmachenden, gewaltbereiten Polizisten. Cornelia Horak ist die genusssüchtig aufgedonnerte Frau von Ill. Mark Milhofer singt den großartig gezeichneten, unheimlichen Butler Boby der Milliardärin, der auch ständig ihren schwarzen Panther an der Leine hält, mit scharfem Charaktertenor und dämonischer Ausstrahlung. Bewährt schauspielerisch und gesanglich wie immer top: der Arnold-Schoenberg-Chor.
Grau und eintönig gekleidet sind anfänglich nicht nur die Einwohner von Güllen, in dieser Farbe sieht man auch die Häuser des Kaffs und Züge, die als Kartonagen herunterhängen. Kein Schnellzug hält mehr regulär, bis die Milliardärin, die die Notbremse gezogen hat, hier am Bahnhof in grellem, gelbem Kostüm, wie eine artifizielle, schrille Hexe mit Arm- und Beinprothesen, aussteigt. Immer im Schlepptau hat sie ihren Butler wie auch den schwarzen Panther, diesen Spitznamen hat sie einst ihrem Geliebten gegeben.
Nach ihrem unmoralischen Angebot ändert sich nun die Farbsymbolik. Immer mehr Farbtupfer dominieren die Bühne, zum Ende ist sie schließlich im schrillen Grellbunt, je mehr sich auch die Meinung der Bevölkerung und ihr immer mehr steigender Konsumwahn ändert. Auch modernisiert sich das Ambiente in der Ausstattung von David Fielding immer mehr. Regisseur Keith Warners Bilder sind kurzweilig, seine Analogie ist schlüssig. Er erzählt die bitterböse, beklemmende Parabel über die Gier und die korrumpierende Macht des Geldes des großen Schweizer Dramatikers Friedrich Dürrenmatt, der auch das Libretto selbst verfasste, detailliert, ideenreich, packend und eindrucksvoll.
Fazit: Zeitgemäßes Musiktheater vom Feinsten, das unter die Haut geht und vom Publikum bejubelt wird.
Helmut Christian Mayer