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GLI UCCELLATORI
(Florian Leopold Gassmann)
Besuch am
22. März 2018
(Premiere am 18. März 2018)
Ab und zu begegnen einem verschollene Schätzchen des Opernrepertoires, die eine Begegnung lohnen. Florian Leopold Gassmanns komische Oper Gli Uccellatori – die Vogelfänger – gehört gewiss dazu, auch wenn sie wenig Chancen auf Repertoire-Ehren haben dürfte. Dazu ist das 1759 in Venedig aufgeführte Werk doch zu harmlos. Immerhin gehörte Gassmann in Wien und später Venedig zu den angesagten Opernkomponisten im zeitlichen Fenster zwischen Gluck und Mozart, ohne deren Rang auch nur annähernd erreichen zu können. Letztlich handelt es sich um hübsche, gut komponierte und im dritten Akt sogar streckenweise originell angehauchte Konfektionsware der damaligen Zeit.
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Und auch die nach einer Vorlage von Carlo Goldoni gestrickte Handlung bietet nicht mehr als nette Unterhaltung. Der Dreiakter entpuppt sich als muntere Intrigen- und Verwechslungskomödie im Stil der galanten Zeit. Dramaturgisch virtuos gebaut, indem gleich vier Männer, davon drei Vogelfänger und ein Herr von Stand, um drei Frauen buhlen, was nach etlichen Verwicklungen zu einer Tripel-Hochzeit führt. Nur einer, der besonders listige Intrigant Pierotto, geht leer aus.
Das Theater an der Wien hat das Werk in einer amüsanten Inszenierung von Jean Renshaw vor drei Jahren der Vergessenheit entrissen. Auch im Kölner Staatenhaus verfehlt die Komödie in der Wiener Verpackung ihre Wirkung nicht. Allerdings gilt hier das Interesse eher der ausschließlich aus Mitgliedern des Kölner Opernstudios bestehenden Besetzung.

Die Inszenierung besticht durch die sorgfältige Profilierung jeder Figur, wobei der Tänzer Martin Dvořák als Vogel, permanent über die Bühne hüpfend, öfter präsent ist als nötig. Zudem er mit Bart, Vogelgefieder und langer weißer Unterhose nur wenig poetisches Charisma ausstrahlt. Da ist Bühnen- und Kostümbildner Christof Cremer für den Rest der Besetzung Besseres und Fantasievolleres eingefallen.
Es lässt sich nicht verleugnen, dass sich das Werk trotz einiger hörenswerter Ensemblesätze vor allem im zweiten Akt als etwas stereotypes Arien-Konzert entpuppt. Zum Glück läuft der dritte Akt erheblich lebendiger ab. An Vitalität lässt es Gianluca Capuano am Pult des Gürzenich-Orchesters nicht missen. Einschließlich der pointiert ausgeschmückten Cembalo-Begleitung der Rezitative durch Luca Quintavalle.
Die detaillierte Formung der Figuren durch die Regisseurin bietet den jungen Sängern beste Voraussetzungen, um sowohl ihre jugendliche Spielfreude ausleben zu können und sich gleichzeitig von der Hand einer erfahrenen Regisseurin leiten zu lassen. Und zu hören sind dabei einige Stimmen, denen man durchaus eine hoffnungsvolle Zukunft versprechen kann. Dazu gehört Maria Kublashvili als Contessa Armelinda, die bereits über eine ebenso große und geschmeidige Stimme verfügt wie über ein beachtliches Charisma. Und die Talentschmiede aus dem Fernen Osten zahlt sich auch hier aus mit dem Bariton Hoeup Choi und dem mit strahlendem Glanz überzeugenden Tenor Young Woo Kim. Aber auch die Sopranistin María Isabel Segarra, die Mezzosopranistin Sara Jo Benoot und der Tenor Dino Lüthy lassen aufhorchen, während Yunus Schahinger als der intrigante Vogelfänger Pierotto stimmlich noch nicht gefestigt wirkt.
Insgesamt eine nette Unterhaltung mit jungen, frischen Stimmen, die jedes Opernhaus gut gebrauchen könnte. Das nicht sonderlich zahlreiche Publikum dankt mit freundlichem Beifall.
Pedro Obiera