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Wie Märchen halt so sind

SCHWANDA, DER DUDELSACKPFEIFER
(Jaromír Weinberger)

Besuch am
24. März 2018
(Premiere)

 

Stadt­theater Gießen

Der Titel dieser Volksoper wirkt ein bisschen altbacken und nichts­sagend. Dabei war Schwanda, der Dudel­sack­pfeifer mit über 2000 Vorstel­lungen zwischen 1927 und 1931 ein Welterfolg. Ehe der Antise­mi­tismus dem Erstlingswerk des jüdischen Kompo­nisten Jaromír Weinberger aus der Tschechei ein jähes Ende setzte. Das Theater Augsburg setzte es 2007 wieder auf den Spielplan und fünf Jahre später kam es zu einer Insze­nierung an der Semperoper. Jetzt hat sich die Inten­dantin des Stadt­theaters Gießen, Cathérine Miville, des Stücks angenommen und eine eigene Insze­nierung vorgestellt.

Weinbergers Idee war so einfach wie genial. Gemeinsam mit Milos Kares und Max Brodt brachte er den aus der böhmi­schen Sagenwelt bekannten, munteren Volks­mu­si­kanten Schwanda und Babinsky, den histo­risch verbürgten Räuber mit Herz, in einem Stück zusammen. Schwanda ist glücklich mit Dorota verhei­ratet und lebt mit ihr auf einem Hof in einem tsche­chi­schen Dorf. Eines Tages taucht Babinsky auf dem Hof auf. Er überredet Schwanda, ihm in ein Reich zu folgen, in dem Königin Eisherz dringend auf musika­lische Aufhei­terung wartet. Die verläuft so gut, dass Eisherz Schwanda heiraten will. Während Dorota getreulich auf dem heimi­schen Hof auf den Liebsten wartet, wird der wegen ihr von der Königin dem Scharf­richter zugeführt. Babinsky rettet. Zurück auf dem Hof, nimmt ihm die Ehefrau die Treue nicht ab, bis Schwanda ruft, es solle ihn doch der Teufel holen. Der nimmt ihn beim Wort. Gelegenheit für Babinsky, Dorota seine Liebe zu gestehen. Die ihn schließlich verpflichtet, den Musiker wieder aus den Klauen des Satans zu befreien. Babinsky gelingt das, Schwanda kann endgültig zu Dorota zurück­kehren und der Räuber zieht sich in die Wälder zurück.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Miville begnügt sich nicht mit einer Wiedergabe eines böhmi­schen Märchens, wie es im öffentlich-recht­lichen Fernsehen um die Weihnachtszeit so gern zu sehen ist. Sie möchte ein Stück insze­nieren, das nicht nur für die ganze Familie geeignet ist, sondern auch den Bezug zwischen gestern und heute herstellt. Das misslingt – glück­li­cher­weise. Statt­dessen entsteht eine Famili­enoper, die sich ganz und gar in der Fantasie verliert. Schöner kann es nicht sein. Wie das halt in wirklich guten Märchen so ist. Sämtliche Zeit- und Wirklich­keits­ebenen werden aufge­hoben, um letzt­endlich in der Botschaft zu münden, dass man der Hölle nur durch die Kraft der Musik entkommt.

Damit das funktio­niert, hat Marc Jungreit­h­meier eine ungewöhn­liche Bühne entwi­ckelt. Die mittige Drehbühne besteht aus drei Podesten, die auch in der Höhe geändert werden können. Darüber sind verschiedene Aufzüge mit unter­ein­ander hängenden Kacheln angebracht. Die Kacheln eignen sich für das aufwändige Video­design, das auf die Kacheln einzeln als auch als Gesamtbild proji­ziert werden kann. So gelingen schnelle Orts‑, Stimmungs­wechsel und Texturen, die etwa die Hölle darstellen. Dazu passen die Kostüme von Monika Gora, die zwischen Charak­te­ri­sierung, etwa bei der bäuer­lichen Kleidung von Schwanda, Dorota und Babinsky, und überdrehter Fantasie wie beim Teufel schwanken. Da fällt das Licht von Chris­topher Moos, abgesehen von ein paar Verfolgern, kaum noch ins Gewicht. Nicht nur die ständig wechselnden Projek­tionen, sondern auch die Tanzein­lagen in der Choreo­grafie von Inga Schneidt und Anthony Taylor sorgen für ständige Betrieb­samkeit auf der Bühne, so dass die etwas mehr als zwei Stunden rasch verfliegen.

Foto © Rolf K. Wegst

Zum gelun­genen Gesamt­ein­druck trägt auch das Ensemble bei. Allen voran Martin Berner, der einen ausge­zeich­neten Schwanda auf die Bühne bringt. Stimmlich brilliert sein Bariton bis in die Tiefen. Dabei zeigt er darstel­le­risch die nötige Naivität, ohne zu blödeln. Gesanglich ebenfalls höchst eindrucksvoll präsen­tiert Tilmann Unger als Babinsky ein breites Spektrum zwischen Helden­tenor und Volks­lied­sänger. Aleksandra Rybakova ist als Dorota ebenfalls sehr gut besetzt. Ihr Debüt des stimmlich anspruchs­vollen Parts meistert sie ohne Mühen. Dilara Baȿtar beglückt in der Rolle der Königin sowohl stimmlich als auch darstel­le­risch. In seinem kurzen Auftritt beein­druckt Magier Seungwoon Ezio Lee mit seinem Bass. Und Christian Tsche­lebiew spielt den Teufel glück­li­cher­weise nicht zu überdreht, meistert aber die schwierig zu singenden Rezitative gekonnt. Chöre und Tänzer gefallen in jeder Beziehung, zumal sie über die Maßen beansprucht werden.

Dirigent Jan Hoffmann ist es, der den Wermuts­tropfen in den süffigen Wein schüttet. Er treibt das Philhar­mo­nische Orchester überflüs­si­ger­weise zu dynami­schen Höchst­leis­tungen an, ohne Rücksicht auf die Sänger zu nehmen. Da werden die Übertitel immer wieder wichtig, was natürlich den Genuss ein wenig trübt und die Ohren fast schon betäubt.

Cathérine Miville ist in der Tat eine Famili­enoper gelungen, die in ihrer lebhaften, bunten und vielge­stal­tigen Insze­nierung überzeugt. Findet auch das Publikum, das mit Bravo-Rufen und kräftigem Applaus nicht spart.

Michael S. Zerban

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