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Vom Werden und Vergehen

DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN
(Leoš Janáček)

Besuch am
24. März 2018
(Premiere)

 

Theater Hagen

Der neue Intendant des Theaters Hagen, Francis Hüsers, sowie der ebenfalls frisch gebackene General­mu­sik­di­rektor Joseph Trafton haben es nicht leicht, in die Fußstapfen ihrer verdienst­vollen Vorgänger Norbert Hilchenbach und Florian Ludwig zu treten. Die Arbeits­be­din­gungen, vor allem die finan­zi­ellen Verhält­nisse sind nicht besser geworden. Die jüngste Premiere von Leoš Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein lässt jedoch erkennen, dass das Theater auch unter der neuen Leitung Experi­men­tier­freude in der Reper­toire­po­litik hochhält und viel Ehrgeiz in die musika­lische Qualität inves­tiert. Somit kann sich das Hagener Publikum auf eine erfreulich geschlossene und in jeder Hinsicht hochwertige Produktion des schwie­rigen Werks freuen. Dass aller­dings bereits die Premiere große Lücken im Parkett aufweist, könnte darauf hinweisen, dass die Absichten des Teams noch nicht bei allen Theater­freunden angekommen sind. Auch wenn Janáček nicht unbedingt zum Kernre­per­toire des Hauses gehört, ist jede Furcht vor dem nicht gerade unbekannten, aber auch nicht jedem vertrauten Werk völlig unangebracht.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Was nicht heißen soll, dass das Werk nicht seine Tücken hat. Einer­seits schwelgt Janáček in den Waldszenen in Klängen von ungetrübter Schönheit und Wärme wie in keiner anderen seiner Opern, anderer­seits ist die Verknüpfung der Lebens­ge­schichte des Füchs­leins Schlaukopf mit den Erinne­rungen der alternden Dorfbe­wohner an das schöne Zigeu­ner­mädchen Terynka nur schwer überzeugend darzu­stellen. Ein Problem, das in der verwen­deten Bearbeitung und sehr freien Übersetzung von Max Brod noch stärker zum Tragen kommt als in der Origi­nal­fassung. Die Regis­seurin Mascha Pörzgen findet eine recht geschickte Lösung für diesen Zwiespalt, indem sie die Grenzen zwischen der Tier- und der Menschenwelt, zwischen Wald und Zivili­sation vom ersten Takt an verwischt. Alle Figuren tragen sowohl anima­lische als auch mensch­liche Züge. Dazu leisten die Kostüme von Christof Cremer einen ebenso wesent­lichen Beitrag wie die Mehrfach­be­set­zungen, wenn die Menschen gleich­zeitig eine Tierrolle übernehmen. So tritt der Schul­meister auch als Mücke auf, wobei angedeutete Flügel und Tierbilder auf seinem weißen Anzug reichen, um die Verbindung herzu­stellen. Auch die hölzerne Waldland­schaft richtet Cremer in ihrer geome­trisch durch­or­ga­ni­sierten Struktur an imagi­nären Stadt­land­schaften aus. Und da putzt die Libelle Fenster, die gar nicht da sind. Die Bauge­rüste enden in lampion­ar­tigen Riesen­knospen, die Assozia­tionen an einen stili­sierten Wald erlauben. Und in diesem geschickt arran­gierten Tableau versucht der Förster, in der Begegnung mit dem Füchslein Schlaukopf seine ungebro­chene und immer wieder auffla­ckernde Liebe zum Zigeu­ner­mädchen wieder­zu­be­leben. Der Gefahr, dass sich hier späte Alters­lüste des 1924 bereits 70-jährigen Kompo­nisten in den Vorder­grund rücken könnten, verhindert die Regis­seurin, indem sie die Figuren sehr präzise führt und in fast naiver Natür­lichkeit agieren lässt. Mit einem so spiel­freu­digen Ensemble wie dem des Hagener Theaters ist dabei eine rundum unter­haltsame, lebendige und trotzdem hinter­gründige Insze­nierung garantiert.

Foto © Klaus Lefebvre

Das Kernthema des Panthe­isten Janáček, der unend­liche Kreislauf von Leben und Tod, der sich in der ebenso lebens­frohen wie traurigen Geschichte des Füchs­leins Schlaukopf abzeichnet, wird berück­sichtigt, aller­dings von Pörzgen mit einer proble­ma­ti­schen Schluss­pointe in ein schiefes Licht gerückt. Wenn sich der alte Förster bei Janáček am Ende damit abfindet, dass sowohl seine Zigeu­nerin als auch das Füchslein endgültig verloren sind und sich über das Weiter­leben in Form der heran­wach­senden Kinder­schar der Fuchs­fa­milie freut, greift der Förster in der Hagener Insze­nierung zum Gewehr und droht sich umzubringen. Eine Wendung, die Janáčeks natur­re­li­giösem und letztlich positivem und hoffnungs­vollem Weltbild ebenso wider­spricht wie der Musik.

Die wunderbar schil­lernde und meist sanfte Musik ist bei Trafton und dem Philhar­mo­ni­schen Orchester Hagen bestens aufge­hoben. Das faszi­nie­rende Kolorit der Partitur erklingt in voller Leucht­kraft, wobei Trafton so dezent vorgeht, dass sich die Sänger stets mühelos behaupten können. Und diese Chance nutzen sie so gut wie allesamt. An erster Stelle die agile, stimmlich flexible Sopra­nistin Dorothea Brandt in der Titel­rolle mit ihrer jugend­lichen Ausstrahlung sowie ihrer gesanglich sauberen und diffe­ren­zierten Darstellung der Rolle. Dass in der deutschen Übersetzung manche musika­lische, vor allem rhyth­mische und klang­liche Feinheit verlo­rengeht, kann man weder der Sängerin noch dem Theater anlasten. Wenn sich schon ein großes Haus wie das Essener Aalto-Theater überfordert fühlt, Smetanas Verkaufte Braut zum Saison­auftakt in der Origi­nal­sprache aufzu­führen, kann man die Hagener Entscheidung beden­kenlos akzeptieren.

Vorzüglich präsen­tiert sich auch Jennifer Panara als Fuchs, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass ihr Sopran heller timbriert ist als der der Füchsin. Kenneth Mattice vermag die emotio­nalen Irrita­tionen des alternden, zwischen Frust und Hoffnung schwan­kenden Försters glaubhaft zu vermitteln. In der exzel­lenten Besetzung fast aller Rollen in diesem rollen­in­ten­siven Stück erweist sich erneut das Kapital einer guten Ensem­ble­arbeit. Und in dieser Hinsicht scheint zumindest aus der Perspektive dieser Premiere manche Ermüdungs­er­scheinung, die sich in der aller­letzten Phase der Intendanz von Norbert Hilchenbach abzeichnete, überwunden zu sein.

Insgesamt eine rundum überzeu­gende Ensem­ble­leistung eines nach wie vor mit großem Einsatz und auf beacht­lichem Niveau agierenden Theaters. Der Beifall des Premie­ren­pu­blikums fällt entspre­chend begeistert aus. Der schwache Besuch sollte die Ausnahme bleiben.

Pedro Obiera

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