O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Der neue Intendant des Theaters Hagen, Francis Hüsers, sowie der ebenfalls frisch gebackene Generalmusikdirektor Joseph Trafton haben es nicht leicht, in die Fußstapfen ihrer verdienstvollen Vorgänger Norbert Hilchenbach und Florian Ludwig zu treten. Die Arbeitsbedingungen, vor allem die finanziellen Verhältnisse sind nicht besser geworden. Die jüngste Premiere von Leoš Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein lässt jedoch erkennen, dass das Theater auch unter der neuen Leitung Experimentierfreude in der Repertoirepolitik hochhält und viel Ehrgeiz in die musikalische Qualität investiert. Somit kann sich das Hagener Publikum auf eine erfreulich geschlossene und in jeder Hinsicht hochwertige Produktion des schwierigen Werks freuen. Dass allerdings bereits die Premiere große Lücken im Parkett aufweist, könnte darauf hinweisen, dass die Absichten des Teams noch nicht bei allen Theaterfreunden angekommen sind. Auch wenn Janáček nicht unbedingt zum Kernrepertoire des Hauses gehört, ist jede Furcht vor dem nicht gerade unbekannten, aber auch nicht jedem vertrauten Werk völlig unangebracht.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Was nicht heißen soll, dass das Werk nicht seine Tücken hat. Einerseits schwelgt Janáček in den Waldszenen in Klängen von ungetrübter Schönheit und Wärme wie in keiner anderen seiner Opern, andererseits ist die Verknüpfung der Lebensgeschichte des Füchsleins Schlaukopf mit den Erinnerungen der alternden Dorfbewohner an das schöne Zigeunermädchen Terynka nur schwer überzeugend darzustellen. Ein Problem, das in der verwendeten Bearbeitung und sehr freien Übersetzung von Max Brod noch stärker zum Tragen kommt als in der Originalfassung. Die Regisseurin Mascha Pörzgen findet eine recht geschickte Lösung für diesen Zwiespalt, indem sie die Grenzen zwischen der Tier- und der Menschenwelt, zwischen Wald und Zivilisation vom ersten Takt an verwischt. Alle Figuren tragen sowohl animalische als auch menschliche Züge. Dazu leisten die Kostüme von Christof Cremer einen ebenso wesentlichen Beitrag wie die Mehrfachbesetzungen, wenn die Menschen gleichzeitig eine Tierrolle übernehmen. So tritt der Schulmeister auch als Mücke auf, wobei angedeutete Flügel und Tierbilder auf seinem weißen Anzug reichen, um die Verbindung herzustellen. Auch die hölzerne Waldlandschaft richtet Cremer in ihrer geometrisch durchorganisierten Struktur an imaginären Stadtlandschaften aus. Und da putzt die Libelle Fenster, die gar nicht da sind. Die Baugerüste enden in lampionartigen Riesenknospen, die Assoziationen an einen stilisierten Wald erlauben. Und in diesem geschickt arrangierten Tableau versucht der Förster, in der Begegnung mit dem Füchslein Schlaukopf seine ungebrochene und immer wieder aufflackernde Liebe zum Zigeunermädchen wiederzubeleben. Der Gefahr, dass sich hier späte Alterslüste des 1924 bereits 70-jährigen Komponisten in den Vordergrund rücken könnten, verhindert die Regisseurin, indem sie die Figuren sehr präzise führt und in fast naiver Natürlichkeit agieren lässt. Mit einem so spielfreudigen Ensemble wie dem des Hagener Theaters ist dabei eine rundum unterhaltsame, lebendige und trotzdem hintergründige Inszenierung garantiert.

Das Kernthema des Pantheisten Janáček, der unendliche Kreislauf von Leben und Tod, der sich in der ebenso lebensfrohen wie traurigen Geschichte des Füchsleins Schlaukopf abzeichnet, wird berücksichtigt, allerdings von Pörzgen mit einer problematischen Schlusspointe in ein schiefes Licht gerückt. Wenn sich der alte Förster bei Janáček am Ende damit abfindet, dass sowohl seine Zigeunerin als auch das Füchslein endgültig verloren sind und sich über das Weiterleben in Form der heranwachsenden Kinderschar der Fuchsfamilie freut, greift der Förster in der Hagener Inszenierung zum Gewehr und droht sich umzubringen. Eine Wendung, die Janáčeks naturreligiösem und letztlich positivem und hoffnungsvollem Weltbild ebenso widerspricht wie der Musik.
Die wunderbar schillernde und meist sanfte Musik ist bei Trafton und dem Philharmonischen Orchester Hagen bestens aufgehoben. Das faszinierende Kolorit der Partitur erklingt in voller Leuchtkraft, wobei Trafton so dezent vorgeht, dass sich die Sänger stets mühelos behaupten können. Und diese Chance nutzen sie so gut wie allesamt. An erster Stelle die agile, stimmlich flexible Sopranistin Dorothea Brandt in der Titelrolle mit ihrer jugendlichen Ausstrahlung sowie ihrer gesanglich sauberen und differenzierten Darstellung der Rolle. Dass in der deutschen Übersetzung manche musikalische, vor allem rhythmische und klangliche Feinheit verlorengeht, kann man weder der Sängerin noch dem Theater anlasten. Wenn sich schon ein großes Haus wie das Essener Aalto-Theater überfordert fühlt, Smetanas Verkaufte Braut zum Saisonauftakt in der Originalsprache aufzuführen, kann man die Hagener Entscheidung bedenkenlos akzeptieren.
Vorzüglich präsentiert sich auch Jennifer Panara als Fuchs, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass ihr Sopran heller timbriert ist als der der Füchsin. Kenneth Mattice vermag die emotionalen Irritationen des alternden, zwischen Frust und Hoffnung schwankenden Försters glaubhaft zu vermitteln. In der exzellenten Besetzung fast aller Rollen in diesem rollenintensiven Stück erweist sich erneut das Kapital einer guten Ensemblearbeit. Und in dieser Hinsicht scheint zumindest aus der Perspektive dieser Premiere manche Ermüdungserscheinung, die sich in der allerletzten Phase der Intendanz von Norbert Hilchenbach abzeichnete, überwunden zu sein.
Insgesamt eine rundum überzeugende Ensembleleistung eines nach wie vor mit großem Einsatz und auf beachtlichem Niveau agierenden Theaters. Der Beifall des Premierenpublikums fällt entsprechend begeistert aus. Der schwache Besuch sollte die Ausnahme bleiben.
Pedro Obiera