O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Späthippie trifft auf Neureiche

FALSTAFF
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
25. März 2018
(Premiere)

 

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Die Staatsoper Unter den Linden hat ihre diesjäh­rigen Festtage mit einer Neupro­duktion von Giuseppe Verdis Falstaff eröffnet – die ersten Festtage im frisch renovierten Haus. Weitab vom idylli­schen engli­schen Windsor findet diese Insze­nierung von Mario Martone statt. Er hat die Geschichte des alternden Dandys in eine urbane Umgebung verlegt. Man könnte sogar meinen, mitten in Berlin, mit vielen Graffi­ti­wand­be­ma­lungen, befinde sich die Spelunke, wo Falstaff verlottert herum­lungert, seinen Wein genießt und Pläne ausheckt, wie er seine Finanzen aufbessern kann und auf die Idee kommt, die schöne, reiche Alice und auch gleich ihre Freundin Meg zu verführen. Die wiederum lebt in einer Luxus­villa, wo Bühnen­bild­nerin Margherita Palli sogar ein funkti­ons­fä­higes Schwimmbad einge­lassen hat, und wo die Damen der gehobenen Gesell­schaft in ihren Bikinis und Pareos ihren vom Hausdiener servierten Champagner genüsslich süffeln. Als dann Falstaff zum Rendez-vous in der Villa erscheint und von der unerwar­teten Rückkehr des Hausherren überrascht wird, wird der Besucher hastig in einen großen Wäschekorb direkt an der Bühnen­rampe gepackt, eine Szene, die wirklich sehr komisch ist, zumal dann die Diener den vollen Korb die Treppe hinauf­tragen und die kostbare Fracht in die Themse auf der anderen Seite der Mauer mit großem Wasser­getöse plumpsen lassen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Für den letzten Akt steht nicht – wie im Libretto besungen – ein Wald mit einer mächtigen Eiche auf der Bühne. Hier ist es ein herun­ter­ge­kom­menes Indus­trie­ge­lände, dass jetzt als Rotlicht­milieu dient, mit allerlei zwielich­tigen Gestalten, die schnellen Sex verkaufen.  Hier findet der von Alice und Meg einge­for­derte Geisterspuk und Verwand­lungs­scherz statt, mit einem Happy-End für das verliebte, junge Paar Fenton und Nanetta, der Entblößung von Falstaff, der seine berühmte Schlussfuge Alles in der Welt ist Schur­kerei … aber wer zuletzt lacht, lacht am besten schmettert.

Funktio­niert Shake­speares ursprüng­liche Vorlage? Lässt sich die Geschichte von Verführung und Versteck, Tugend und Täuschung, Entblößung und Ernied­rigung über das Libretto von Arrigo Boito ins 21. Jahrhundert trans­por­tieren? Doch, ja, weil man es im Grunde mit mensch­lichen Emotionen und Gefühlen zu tun hat, und diese weiß Martone seinen Sängern zu entlocken.

Foto © Matthias Baus

Allen voran strotzt Michael Volle in seinem Rollen­debüt mit melan­cho­li­scher Lebenslust. Kraftvoll und musika­lisch ist sein Bariton, protzen kann er mit seinem auf die Brust tätowierten Famili­en­wappen, aber auch überzeugend selbst­zwei­felnd bei seinem inneren Monolog über den Vecchio John und vor allem, verständlich singen kann er! Barbara Frittoli durch­blickt mit weiblichem Instinkt und melodisch geführtem Sopran das Spiel und manövriert souverän die Geschicke der Intrige. Mezzo Katharina Kammer­loher ist da eher zurück­haltend, ist eben die mitspie­lende beste Freundin.  Daniela Barcellona spielt eine quirlige Mrs. Quickly, die ironisch ihre tiefstim­migen Referenzen singt, um dann mit Helm und Motorrad davon­zu­brausen. Nadine Sierra gibt eine Nanetta mit lieblicher Stimme und jungem Elan, die perfekt zum lyrischen Fenton von Franceso Demuro passt – Turtel­tauben, wie sie im Buche stehen.  Kraftvoll und präsent zeigt sich Alfredo Dazas Ford als der eifer­süchtige Ehemann von Alice. Sein Auftritt als spießig verklei­deter Herr Fontana mit einem ganzen Akten­koffer voller Geld für Falstaff und die daraus resul­tie­rende Trans­aktion ist eine köstliche Miniatur-Szene.  Der von Martin Wright präzise einstu­dierte Chor im dritten Akt muss sich die Bühne mit mehr als 20 Statisten teilen in einer von Raffaella Giordano choreo­gra­fierten Orgie in Sado-Maso-Kostümen von Ursula Patzak.

Nicht nur der Titelheld debütiert, sondern auch Daniel Barenboim dirigiert hier seinen ersten Falstaff. Kühl und klar führt er die exzellent gestimmte Staats­ka­pelle, setzt heitere oder drama­tische Akzente getreu dem Geist von Verdi.

Das Premie­ren­pu­blikum feiert die Sänger – allen voran Michael Volle – den Dirigenten und das künst­le­rische Team mit stürmi­schem Applaus.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: