O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Bei einer Audienz beim Papst Benedikt XVI. trafen sie sich 2009 zum ersten Mal: Robert Wilson, der amerikanische Theatermagier, und Arvo Pärt, der estnische Komponist der meditativen Klänge. Diese Begegnung endete mit dem Wunsch zur Zusammenarbeit, der sich mit der musiktheatralischen Performance Adam’s Passion erfüllte. Sie wurde 2015 in Estlands Hauptstadt Tallin in einer ausrangierten U‑Boot-Halle uraufgeführt – mit so großem Erfolg, dass mittlerweile auch eine DVD vorliegt.
Nun gastierte Adam’s Passion für drei Tage im Konzerthaus Berlin, als Nachtrag des Baltikum-Festivals, das im Februar anlässlich der Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit Estlands, Litauens und Lettlands veranstaltet wurde.
Robert Wilson gibt in Adam’s Passion dem Sündenfall und seinen Folgen einen szenischen Rahmen. Mit seinem bekannten Kosmos an Figuren und Aktionen entwickelt er im großen Saal des Konzerthauses ein Mysterienspiel von faszinierender Raum-Klangwirkung.
Die Musik setzt sich aus Pärts beiden Chorwerken Adam’s Lament und Miserere, dem Doppelkonzert Tabula Rasa für zwei Violinen und der eigens hinzukomponierten Sequentia zusammen. Ihr meditativ-spiritueller Klang breitet sich prachtvoll vom Rang des Konzerthauses aus, wo die von Tönu Kaljuste souverän dirigierten Gesangs- und Instrumentalsolisten, der estnische Philharmonische Kammerchor und das Konzerthausorchester Berlin postiert sind.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Das gegenüberliegende Orchesterpodium benutzt Wilson als Bühne. Sie wird hinten von einem Gazevorhang begrenzt, der in einem betörenden Wechsel von weiß-blauen Farben ausgeleuchtet ist. Nebel wabert auf, Wolken bedecken den Boden. Ein Laufsteg in Form eines Kreuzes ragt tief in das Parkett hinein. Zu Beginn steht Adam als nackter Mann, verkörpert von Michalis Theophanous, mit dem Rücken zum Publikum. Erst bewegt er seine Glieder fast unmerklich, dann dreht er sich allmählich um und schreitet in Zeitlupentempo bis zum Ende des Stegs, wo er einen Zweig mit Blättern auf dem Kopf befestigt. Sein Weg veranschaulicht treffend die Vertreibung aus dem Paradies und den Eintritt in die menschliche Welt.
Nachfolgend schreitet eine würdevolle Hohe Priesterin, dargestellt von der Tanzikone Lucinda Childs, durch den Raum. Als weitere Figuren treten auf: ein Junge, der zunächst aus weißen Klötzen ein Gebäude errichtet und sich später mit einem Mädchen in die Silhouette eines Hauses begibt; zwei weitere Kinder mit Schwertern; zwei unförmige Riesengestalten; zwei Frauen und ein alter Mann; am Ende eine schwarzgekleidete Komparsengruppe mit Zweigen in den Händen. Dazu spielen mehrere Requisiten eine Rolle: Von der Oberbühne wird eine kleine Hausattrappe herabgelassen, später sind es ein Baum mit Riesenwurzeln und eine Himmelsleiter.
Vieles in diesem 90-minütigen, minimalistischen Weihespiel ist rätselhaft, unkonkret und offen für eigene Assoziationen. Wenn man sich aber auf die Entschleunigung, die symbolträchtigen Gebärden und Aktionen einlässt, kann man sich der Intensität und Suggestionskraft von Adam’s Passion nicht entziehen.
In Berlin war das Interesse an den drei Vorstellungen so stark, dass auch die Generalprobe freigegeben wurde. Das Publikum dankt nach der letzten Aufführung mit anhaltendem Beifall.
Karin Coper