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Kriegerische Athletik

GUERRERO
(Eduardo Guerrero)

Besuch am
1. April 2018
(Deutsche Erstauf­führung am 31. März 2018)

 

Flamenco-Festival, Tanzhaus NRW, Düsseldorf/​a>

Der martia­lische Auftritt eines durch­trai­nierten Tänzers verfehlt noch immer seine Wirkung nicht, erst recht, wenn es um Flamenco geht. Zum letzten Abend des Bühnen­pro­gramms beim Flamenco-Festival im Düssel­dorfer Tanzhaus NRW hat Festival-Leiterin Dorothee Schackow den Flamenco-Tänzer Eduardo Guerrero erstmalig nach Deutschland eingeladen.

1983 im andalu­si­schen Cádiz geboren, kam Eduardo bereits mit sechs Jahren zum Tanz. Inzwi­schen hat er längst eine große Karriere außerhalb Deutsch­lands begonnen, die ihn in den Medien gar in die Nähe von Joaquin Cortés rückt. In Düsseldorf stellt er sich jetzt mit seinem Programm Guerrero vor. Gemeint ist aber nicht sein Eigenname, sondern das spanische Wort für Krieger. Der Subtext klingt – spätestens nach der Aufführung – ein wenig weit hergeholt, aber nach genau dieser Vorstellung ist das auch ziemlich egal. Guerrero bezieht sich auf das bis heute vor allem in Marketing-Kreisen und bei Militär­stra­tegen bekannte Werk Die Kunst des Krieges des chine­si­schen Generals Sun Tsu und wendet es auf die Mutter aller Kriege – das Leben – an.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Was er aus seiner Sicht­weise ableitet, ist aller­dings in höchstem Maße beein­dru­ckend. Ehe es aber dazu kommt, wartet auf die Besucher des so gut wie ausver­kauften Tanzhauses eine faust­dicke Überra­schung. Der Einlass beginnt zehn Minuten vor dem offizi­ellen Beginn der Veran­staltung. Bravo. So kommen die Besucher recht­zeitig in den Genuss des offenen Beginns. Der Hinter­grund der Bühne ist in eine schwarze und weiße, beleuchtete Hälfte geteilt. Vor der weißen Fläche sind Kleidungs­stücke an roten Seilen aufge­hängt. Davor stehen drei Stühle. Auf der eigent­lichen Tanzfläche sind in der hinteren linken Ecke lediglich die Arbeits­plätze der Gitar­risten einge­richtet. Gleich zu Beginn kommt das Publikum in den Genuss des starken Licht­de­signs von Antonio Valiente Montanez. Nachdem alle Akteure sich in ruhigen Schritten über die Fläche bewegt haben, kündigt Guerrero mit fünf Zapateados den Beginn an. Das diffuse Licht wechselt in acht Licht­kegel, in denen sich Gitar­risten, drei Sänge­rinnen und der Tänzer bewegen. Mit immer wieder überra­schenden Effekten, die aber die Akteure stets ins rechte Licht setzen, geht es weiter. Die Kostüme hat Taller Torres Cosano entwi­ckelt. Die Gitar­risten sind in dunkle Anzüge gekleidet, die Sänge­rinnen treten in raffi­nierten schwarzen Kleidern auf. Guerrero wechselt die Jacken von Episode zu Episode, darf zwischen­durch auch mal seinen durch­trai­nierten Oberkörper zeigen. Es ergibt sich ein stimmiges Bild, das sich zwar an die Tradition anlehnt, ohne aber altmo­disch zu wirken.

Foto © Klaus Handner

Die Sänge­rinnen Anabel Rivera, Sandra Zarzana und Samara Montenez unter­stützen den Tänzer formi­dabel. Ihr elektro­nisch verstärkter Gesang klingt eindringlich und flamen­cohaft. Mehr lässt sich dazu kaum sagen, weil es den Organi­sa­toren auch in diesem Jahr nicht gelungen ist, dem Publikum die Liedin­halte zu übersetzen, obwohl sie mindestens ein Drittel des Gesamt­werks ausmachen. Ziemlich laienhaft. Guerrero ist da profes­sio­neller. Er nutzt die Sänge­rinnen, die gleich­zeitig als Palmeras wirken, als Anspiel­sta­tionen, um tradi­tio­nelle Flamenco-Figuren in Perfektion und mit einer berau­schenden Dynamik zu präsen­tieren. Sein Krieger, der vermutlich verschiedene Lebens­si­tua­tionen absol­viert, agiert mit geradezu athle­ti­scher Kampfeslust. Jedes seiner Stilmittel ist bekannt, und doch wirkt jede Schritt­folge, Armbe­wegung oder Kunst­figur neu, frisch und spontan. Die körper­liche Spannung, beispiel­weise, wenn er hockend oder in wahnsin­niger Geschwin­digkeit unendlich viele, klein­schrittige Zapateados absol­viert, ist schlicht atemberaubend.

Und als sei es der Super­lative nicht genug, zeigen sich auch die Gitar­risten Javier Ibañez und Juan J. Alba von ihrer besten Seite. Wenn zu Beginn der Aufführung Glockentöne einge­spielt werden, mag das an die Penhas erinnern, also die Orte, an denen sich Flamenco-Liebhaber treffen, meist in der Nähe einer Kirche. Das aller­dings wirkt eher wie eine Unter­treibung angesichts einer Aufführung, die den Flamenco auf eine eher höhere Ebene entführt, die mit dem Tradi­tio­na­lismus kaum mehr gemein hat, ohne ihn zu verraten.

Selten erlebt man das Publikum im Tanzhaus so enthu­si­as­tisch wie an diesem Abend. Guerrero genießt den Applaus und die stehenden Ovationen sichtlich. Lange bleibt er auf einem Stuhl sitzen und sieht sich den Publi­kums­sturm an, ehe es zur eigent­lichen Applaus-Ordnung geht. Sehr sympa­thisch. Es ist sein erster Applaus in Deutschland. Und er zeigt, dass das doch ein beson­derer Moment ist. Damit setzt er dem Festival sicher die Krone auf.

Auch in diesem Jahr konnte das Festival nicht nur neue inter­na­tionale Entwick­lungen im Flamenco zeigen, sondern auch eine intime Atmosphäre bieten, die in einem so globalen Umfeld sicher selten anzutreffen ist.

Michael S. Zerban

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