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Foto © Michael Pöhn

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DANTONS TOD
(Gottfried von Einem)

Besuch am
6. April 2018
(Premiere am 25. März 2018)

 

Wiener Staatsoper

Ich setze mich auf deinen Schoß, du stiller Todes­engel“: Ganz alleine steht sie vor einem Berg von Leichen, liebevoll den abgeschla­genen, in ein Tuch einge­wi­ckelten Kopf ihres hinge­rich­teten, geliebten Mannes haltend, von Wahnsinn gezeichnet. Es ist ein auch musika­lisch ungemein berüh­render Moment, wenn Lucile innig Abschied nimmt. Dann schreit sie unver­mittelt die Worte „Es lebe der König!“ in die Stille. Keine Schergen führen sie ab, sondern der riesige, bühnen­do­mi­nante Kubus öffnet sich zu einem licht­durch­flu­teten, weiten Raum, zu einer Art Erlösung.

So endet Gottfried von Einems Oper Dantons Tod an der Wiener Staatsoper, wo das Werk anlässlich des 100. Geburtstags des öster­rei­chi­schen Kompo­nisten jetzt gezeigt wird. 1947 wurde diese Oper bei den Salzburger Festspielen urauf­ge­führt. Die Wiener Staatsoper folgte noch im selben Jahr im damals von ihr bespielten Theater an der Wien. Das machte den damals 29-jährigen Kompo­nisten schlag­artig berühmt. Noch während der Nazi-Diktatur 1944 hatte er den Auftrag von der Dresdner Oper erhalten. Gemeinsam mit seinem Lehrer Boris Blacher richtete er den Text Georg Büchners als Libretto ein. Für Einem war das Werk selbst eine Abrechnung mit „der jüngsten, schreck­lichen Vergan­genheit“. Er gestand, manchmal geträumt zu haben, selbst Danton zu sein.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Josef Ernst Köpplinger sieht die Oper zwar als zeitlos aktuelles, morali­sches Lehrstück, lässt sie jedoch in der Zeit der franzö­si­schen Revolution spielen, was aus den histo­ri­schen Kostümen ersichtlich ist, um zu vermeiden, dass eine Aktua­li­sierung die Beispiel­haf­tigkeit des Werkes schwächt. Der aus Holzbrettern zusam­men­ge­zim­merte Kubus ist gigan­tisch. Die großen Zwischen­räume zwischen den Brettern lassen auch immer tolle Licht­ef­fekte zu. Er ist offen­sichtlich als Metapher für Enge und Gefan­gen­schaft gedacht und beher­bergt in der gut 90 Minuten pausenlos gespielten Geschichte die Plätze, Straßen, Gefäng­nisse und das Revolu­ti­ons­tri­bunal von Paris – die Bühne stammt von Rainer Sinell, die Kostüme hat Alfred Mayer­hofer ersonnen. Hier liegt jede Menge Müll, wie auch eine umgefallene Kutsche oder ein Bett. Durch wenige Handgriffe werden immer die neuen, nicht immer klar erkenn­baren Schau­plätze darge­stellt. Auf der Bühne tobt eine bis in den Chor hinein filmisch detail­lierte und exakte Perso­nen­führung mit unzäh­ligen Ideen auch bei den vielen Seitenhandlungen.

Foto © Michael Pöhn

Ungemein packend ist die Präsenz von Wolfgang Koch als Titelheld: Mit vielen Fassetten von mächtig, polternd bis zweifelnd gibt er ein faszi­nie­rendes und zerris­senes Charak­t­er­porträt Dantons. Besonders intensiv ist die Szene, in der er vor dem Revolu­ti­ons­tri­bunal vergeblich um sein Leben kämpft. Als sein Gegen­spieler Robes­pierre verfügt Thomas Ebenstein als frömmelnder Rheto­riker über einen pointierten, schlanken Tenor. Untadelig besetzt sind auch Camille Desmoulins mit Herbert Lippert sowie Hérault de Séchelles mit Jörg Schneider und Clemens Unter­reiner als schnei­dender Ankläger. Die leidvollsten Gesangs­linien, aber auch innigsten Töne kommen von Olga Beszmertna, der Frau von Desmoulins, als letztlich dem Wahnsinn verfallene Lucile.  Darstel­le­risch sehr spiel­freudig und sänge­risch wuchtig sieht und hört man den Chor der Wiener Staatsoper.

Susanna Mälkki am Pult des Wiener Staats­opern­or­chesters reali­siert Einems tonale Musik mit ihren pointierten Rhythmen und feinen Lyrismen in meist kurzen Sequenzen unter perma­nenter, erregender Hochspannung.

Ein beklem­mender Abend, der vom Publikum bejubelt wird.

Helmut Christian Mayer

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