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„Mobile“ Compagnie Jörg Müller - Foto © Ian Winters

Faszination Zirkus

DIE ORIGINALE
(Berliner Festspiele)

Besuch am
7. April 2018

Haus der Berliner Festspiele

Zirkus: Wer denkt da nicht an Akrobatik und Zauberei, an Clowns und dressierte Tiere? An Zeiten also, als Tradi­ti­ons­un­ter­nehmen wie Sarrasani und Busch durchs Land zogen und mit solchen Nummern leuch­tende Kinder­augen hervor­riefen. Nun gibt es seit den 1970-er Jahren neue Impulse, ausgehend vom franzö­si­schen Cirque Nouveau, der thema­tische Schwer­punkte setzt und dabei andere künst­le­rische Gattungen integriert. Hier setzen die Berliner Festspiele seit letzter Saison an. Sie wollen dem Circus, ganz hip mit dem Anfangs­buch­staben C geschrieben, ein neues Gesicht geben. Nach drei Gastspielen aus Schweden, England und Frank­reich im vergan­genen Jahr, haben sich die Kuratoren Johannes Hilliger und Josa Kölbel, die auch das große Sommer­zir­kus­spek­takel auf dem Tempel­hofer Feld verant­worten, etwas Beson­deres ausge­dacht und ein inter­dis­zi­pli­näres Festival initiiert, das sie Originale nennen.

„Die Originale ist eine Kreati­ons­plattform, die mehr den Prozess als das Ergebnis betont, mehr die Begegnung als die Aufführung“, schreibt Festspiel­in­tendant Thomas Oberender in seinem Grußwort. Anders ausge­drückt: Es geht um Recherche, Experi­mente, nicht um perfekte Resultate. Überge­ordnet aber um das Etablieren einer eigen­stän­digen Kunstform.

Im Zentrum stehen acht Workshops zum Thema Kreis, weil er, so die Kuratoren, als Manegen-Rund ein wesent­liches Element im Zirkus darstellt, aber auch ein Ort der Begegnung ist. Geleitet werden sie von zehn Künstlern, so genannten – man ist inter­na­tional – Resear­chers, unter­schied­lichster ästhe­ti­scher Prägung und Herkunft. Es sind Zirkus­leute darunter, wie Rostislav Novák, der Gründer vom tsche­chi­schen Cirk La Putyka und Maksim Komaro, der Leiter des finni­schen Circo Aereo, aber auch Theater­ma­che­rinnen, wie Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot, oder die Berliner Songwri­terin und Schau­spie­lerin Meret Becker. Bunt gemischt, abgesehen vom ihrem meist jugend­lichen Alter, sind auch die aus 500 Bewerbern ausge­wählten vierzig Teilneh­menden. Sie stammen aus fünfzehn Ländern, kommen von der Artistik, vom zeitge­nös­si­schen Tanz oder vom Film.

Die Proben­phase, die in über ganz Berlin verteilten Räumen statt­findet, ist knapp. Nur eine Woche ist vorge­sehen für die Entwicklung der Perfor­mance, wobei es auch darum geht, erst einmal ein Gruppen­gefühl herzu­stellen. Denn – das ist eine Bedingung –  die Mitwir­kenden kennen sich unter­ein­ander nicht. Wie dadurch kreatives Potenzial entstehen kann, davon erzählt eine betei­ligte Schau­spie­lerin, die die sieben prall gefüllten Tage als inspi­rierend erlebt hat und auf sie beglückt zurückblickt.

Die acht, etwa 20-minütigen Projekt­er­geb­nisse werden am ersten April­wo­chenende auf der großen Bühne im Haus der Festspiele präsen­tiert, begleitet von einem Rahmen­pro­gramm aus kleinen Konzerten, Künst­ler­ge­sprächen und einer Fotoaus­stellung. Insgesamt acht Stunden dauert das in zwei Blöcke einge­teilte Spektakel, das jeweils von einem profes­sio­nellen Show-Act eröffnet wird: das Männerduo Somnium zeigt einen athle­ti­schen, erotisch aufge­la­denen Pas de Deux mit einem Metall­reifen als artis­ti­schem Requisit; Jörg Müller sein Solo mobile, bei dem er mit fünf Alumi­ni­um­röhren eine raffi­nierte Mixtur aus Bewegung, Jonglage und medita­tiven Klängen kreiert.

Workshop mit Meret Becker – Foto © Hugo Estrela

Der neue Zirkus hat bei Originale viele Gesichter. Die unter­schied­lichen Handschriften der Workshops sind schon an den Titeln erkennbar. Von so hochtra­benden Überschriften, wie Eine Unter­su­chung des Problems der Räumlichkeit oder Künst­le­rische Kolla­bo­ration als Form (politischen/​sozialen) Wider­stands bis zum knappen Der Kreis reicht das Spektrum, das sich in den Darbie­tungen fortsetzt.

Da gibt es das strenge Experiment, wie bei Elena Kreusch und Darragh McLouglin, die sich unter dem Namen Squarehead Produc­tions der künst­le­ri­schen Forschung verschrieben haben. In ihrer Perfor­mance beschränken sie sich auf ein Minimum an Gesten und Aktionen, um den Trick, den Höhepunkt einer Zirkus­nummer, zu demontieren.

Da gibt es als Kontrast die sinnliche Show des franzö­si­schen Zirkus­mannes Jean-Michel Guy, der szeni­schen Aufwand – der Ausstat­tungsetat in Höhe von 500 Euro, der jedem Workshop zur Verfügung steht, wird hier sichtbar – und Emotionen nicht scheut, als ob er beweisen wolle, dass optische und akustische Effekte zum Zirkus gehören.

Oder die Perfor­mance von Maksim Komaro, die sich durch Leich­tigkeit, Humor und Virtuo­sität auszeichnet. Er hat mit drei Akrobaten einen fanta­sie­reichen Slapstick mit kunst­vollen Einlagen einstu­diert, in denen demons­triert wird, was man mit Silber­be­steck so alles künst­le­risch anfangen kann.

Dem inter­dis­zi­pli­nären Zirkus­ge­danken kommt Meret Becker am nächsten. Mit ihrer Gruppe, bestehend aus einer Panto­mimin, einer Tänzerin, zwei Artisten und einem Cellisten, zaubert sie eine surreale Zirkuswelt, die reich ist an poeti­schen und fantas­ti­schen Figuren und Bildern.

Noch ist das Interesse am neuen Zirkus ausbau­fähig. Denn so richtig voll ist es zumindest am ersten Tag nicht. Das Publikum setzt sich aus allen Alters­gruppen zusammen, wobei die Kinder deutlich in der Minderzahl sind. Aufge­schlos­senheit dem Genre gegenüber liegt in der Luft. Doch den meisten Applaus bekommen die Workshops, die auch tradi­tio­nelles Zirkus­gefühl aufkommen lassen und Spannung, Illusion und Buntheit vermitteln.

Der zeitge­nös­sische Zirkus soll bei den Berliner Festspielen weiter eine Rolle spielen. Aber auch andere Insti­tu­tionen setzen ähnliche program­ma­tische Akzente. Im Varieté Chamäleon steht bereits das nächste Projekt in den Start­lö­chern. Dabei geht es um Mutter­schaft und weibliche Rollen­muster in unserer Gesell­schaft. Ob diese Themen als Zirkus­per­for­mance taugen, wird sich erweisen.

Karin Coper

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