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Foto © O-Ton

Ausflüge mit dem Tod

TODESSZENEN DER OPER
(Julia Coulmas)

Besuch am
22. April 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Düsseldorf Lyric Opera, Jazz-Schmiede, Düsseldorf

Eine der höchsten Letali­täts­raten hat eindeutig die Opern­bühne zu verzeichnen. Da ist es nur konse­quent, dass man mal ein paar dieser Todes­fälle an einem Abend kulmi­niert. Die Düsseldorf Lyric Opera ist auf diese Idee gekommen und setzt sie jetzt in der Jazz-Schmiede, einem kneipen­ähn­lichen Veran­stal­tungsort im Salzmann-Bau im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk um. Todes­szenen der Oper – Berühmte Sterbe­szenen der Oper ist der Abend überschrieben.

Das ist doch genau das Richtige für einen entspannten Sonntag­abend. Schon am Nachmittag hat ein heftiges Gewitter den Himmel ordentlich verdunkelt, quasi, um die richtigen Vorzeichen zu setzen. Bis zum Beginn der Veran­staltung ist aller­dings alles wieder gut, und die Luft hat sich angenehm abgekühlt. Die Jazz-Schmiede befindet sich nur wenige Meter vom Bürgerhaus Bilk entfernt, in dem die Spotlight-Konzerte des Vereins statt­finden (O‑Ton hat darüber berichtet). Ein isoliertes Gebäude, das im Wesent­lichen aus einem Saal und den Versor­gungs­räumen besteht. Im Saal ist recht­erhand eine Bühne mit Technik über die ganze Wand instal­liert, linkerhand ist in einer Ecke eine Bar einge­richtet. In der anderen Ecke ist Platz für die Technik. Davor sind ein paar Stuhl­reihen angeordnet. Zwischen den Stühlen und der Bühne sind einige Tisch­gruppen aufge­stellt. Ein gemüt­liches Ambiente.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Auf der Bühne sind links zwei Flügel vor einem durch­gängig schwarzen Vorhang aufgebaut. Mittig ist ein weiterer schwarzer Vorhang gehängt, hinter dem sich allerlei Requi­siten befinden. Ansonsten ist viel Platz für die Sänger, die seitlich abtreten und in den Garderobe-Räumen verschwinden können. Dass der schwarze Vorhang nicht die geschick­teste Wahl ist, wird später deutlich, wenn Julia Coulmas ihre Regie-Idee umsetzt. Denn zwischen den einzelnen Auftritten der Sänger moderiert der Tod höchst­selbst in einer schwarzen Kutte, mit schwarzer Maske und einer Sense. Schwarz vor schwarz – da kommt selbst eine Licht-Designerin wie Anna Sarah Weiner an ihre Grenzen, die ansonsten die licht­tech­ni­schen Möglich­keiten der Bühne so weit als möglich ausreizt. Ihre Mühen werden aller­dings nur teilweise gewürdigt. Immer wieder weichen die Sänger den gesetzten Spots aus und verschwinden im Halbdunkel. Da ist es lobenswert, dass Weiner eine Grund­be­leuchtung untermalt, die die übelsten Fehler der Akteure auffängt. Coulmas hat nicht nur das Programm zusam­men­ge­stellt, sondern sieht sich auch für die Bühnen­de­ko­ration verant­wortlich. Es gibt eingangs Grabsteine, später einen Tisch mit zwei Stühlen, liebevoll ausge­wählte Acces­soires und viele Blumen. Das ist stimmungsvoll, auch wenn das eine oder andere untergeht, weil es zu niedrig angelegt und von den hinteren Plätzen kaum zu erkennen ist. Das spielt aber kaum eine Rolle. Schließlich stehen die Sänger beiderlei Geschlechts im Vordergrund.

Jessica Flowers eröffnet den Abend sehr lyrisch mit Wishing You Were Somehow Here Again. Schade, dass sich die Sängerin mit diesem Auftritt bereits wieder gesanglich verab­schiedet. Thomasz Hakuba mimt den Tod höchst eindrucksvoll, mindert aber immer wieder seine Wirkung, wenn er mit techni­schen Schwie­rig­keiten seines Mikrofons oder Textschwächen zu kämpfen hat. Wenn es aber mit den Texten klappt, schlägt Coulmas‘ Idee voll durch und ruft fast so etwas wie eine gruselige Stimmung hervor, die immer wieder auch von doppel­bö­digem Humor durch­zogen ist. Martina Zimmermann präsen­tiert noch einmal Purcells When I Am Laid To Earth, und Stephanie Woodling findet bei Gounods O ma lyre immor­telle den rechten Klang. Karen Bandelow überzeugt mit Tu che di gel sei cinta aus Puccinis Turandot, ehe Thomas Huy Schuberts Tod und das Mädchen vorträgt. Nach Frank Schnitzlers Air de Turridu leuchtet vor der Pause Maria Popas Mezzo­sopran in Puccinis Senza mamma und dem Finale der Suor Angelica auf.

Maria Popa und Klara Hakuba – Foto © O‑Ton

Dass die Pause statt der angege­benen 20 glatte 45 Minuten dauert, gibt Gelegenheit, sich mit Gästen zu unter­halten, die zum ersten Mal bei der Düsseldorf Lyric Opera anwesend sind. Die lassen ihrer Begeis­terung freien Lauf, nicht ohne gleich­zeitig darauf zu verweisen, wie schwierig es sei, von solch großar­tigen Angeboten zu erfahren.

Nach der Pause tritt einmal mehr das Kind Klara Hakuba, ja, richtig, die Tochter von Thomasz, auf. Sie hat sich die Sterbe­szene von Puccinis Madama Butterfly gewünscht und fügt sich begeistert in den Auftritt von Coulmas. Nach Bo Shis Inter­pre­tation von Rodrigues Todes­szene in Verdis Don Carlo und einer wirklich überzeu­genden Wahnsinn­sarie der Ophelia gibt es gleich noch eine szenische Aufführung aus dem Pagliacci von Leonca­vallo mit dem nachdrück­lichen Debüt von Stephen Ibbotson, der sich hier für weitere Auffüh­rungen empfiehlt.

Am Flügel sitzt einmal mehr Meghan Behiel, die den Sängern nicht nur kongenial Unter­stützung gewährt, sondern auch mit Linus Weber am Cello ausge­sprochen farbige Versionen von Gabriel Faurès Après un rêve und Ernest Blochs Prayer zum Besten gibt, um kleinere Umbau­pausen zu überbrücken. Souverän hat sie auch das Klavier-Duett mit Michael Carleton im Griff.

Applaus, Bravo-Rufe und viele Umarmungen sind der Lohn eines Abends, der nicht nur mit einem stimmigen Konzept überzeugt, sondern vor allem die Begeis­terung der Sänger und eine überra­gende Korre­pe­tition trans­por­tiert. Allmählich geht die Wirkung der Düsseldorf Lyric Opera über den Stadtteil hinaus. Eine Schiff­fahrt mit klassi­schem Gesang von Düsseldorf nach Bonn und zurück im Juni ist bereits komplett ausver­kauft. Wer die einge­schworene Truppe einmal selbst erleben will, hat dazu in weiteren Spotlight-Konzerten am 30. Mai und am 27. Juni Gelegenheit. Wenn man schnell genug Karten erwirbt. Ein Geheimtipp ist die Düsseldorf Lyric Opera nicht mehr.

Michael S. Zerban

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