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Foto © Marlies Kross

Tod in Hollywood

SUNSET BOULEVARD
(Andrew Lloyd Webber)

Besuch am
28. April 2018
(Gastspiel)

 

Hans-Otto-Theater Potsdam

In schöner Regel­mä­ßigkeit gastiert das Staats­theater Cottbus im Hans-Otto-Theater Potsdam und füllt damit die Lücke, die durch die Abschaffung der hiesigen Opern­sparte entstanden ist. Diese Spielzeit hat bereits Offen­bachs Ritter Blaubart vorbei­ge­schaut und dabei die direkte Konkurrenz zur Neupro­duktion an der Komischen Oper Berlin gewonnen. Nun, knapp zwei Monate später, folgt das Musical Sunset Boulevard von Andrew Lloyd Webber, mit dessen Insze­nierung sich Cottbus in die Glück­wünsche zum 70. Geburtstag des Kompo­nisten im März dieses Jahres einreiht.

Sunset Boulevard beruht auf dem gleich­na­migen Filmklas­siker von Billy Wilder. Er handelt von der ehema­ligen Stumm­filmdiva Nora Desmond, die sich in einer bizarren Scheinwelt einge­richtet hat. Als der erfolglose Drehbuch­autor Joe Gillis durch Zufall in ihr Leben tritt, macht sie ihn zu ihrem Geliebten. Mit seiner Hilfe versucht sie ein Comeback, ohne dabei zu erkennen, dass sie nicht mehr gefragt ist. Am Ende erschießt sie Gillis aus Verzweiflung und Eifer­sucht. Ihre Verhaftung durch die Polizei reali­siert sie nicht mehr. Im Wahn glaubt sie, zu einem Filmdreh gefahren zu werden und zelebriert ihren letzten großen Auftritt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Sunset Boulevard zeigt ein gnaden­loses Bild von Hollywood und bietet zudem eine Parade­rolle für reifere Film- und Bühnen­größen. Wie Glenn Close, die die Rolle am Broadway spielte, wie Schla­ger­sän­gerin Gitte Haenning, die sie in der Lübecker Insze­nierung übernahm oder Angelika Milster jüngst in Altenburg.

Foto © Marlies Kross

Solch promi­nenten Namen und auch das entspre­chende Alter besitzt Isabel Dörfler noch nicht. Doch in punkto stimm­licher Vielschich­tigkeit und darstel­le­ri­scher Präsenz kann sie mit ihren bekann­teren Kolle­ginnen ohne weiteres mithalten. Ihre Norma agiert in manie­rierten Posen, ist erstarrt in einem Korsett der Erinne­rungen und Illusionen. Doch dahinter lässt sie brodelnde Gefühle und Ängste spüren, die, wenn sie ausbrechen, wie etwa nach ihrem Selbst­mord­versuch, besonders ergreifend wirken. Gillis spielt Hardy Brachmann als entschei­dungs­schwachen Mann, der zwischen Anziehung und Abstoßung für Norma und Hollywood hin- und herge­rissen ist, gipfelnd in dem aggressiv-impulsiv vorge­tra­genen Titelsong Sunset Boulevard. Mit jugend­licher Frische und Natür­lichkeit verleiht Claudia Müller der in Gillis verliebten jungen Produk­ti­ons­as­sis­tentin Betty Glaub­wür­digkeit. Und auch Heiko Walter überzeugt in seiner beherrscht-zurück­ge­nom­menen Art als aufop­fe­rungs­voller Butler. Auf höchstem Niveau präsen­tiert sich das übrige Ensemble, in dem selbst verdiente Solisten, die sonst in Haupt­rollen auf der Bühne stehen, mitein­be­zogen sind. Ob Gesine Forberger, eine Elektra von Format, Carola Fischer, die Boulotte im Ritter Blaubart, oder der vielseitige Tenor Jens Klaus Wilde: ihre prägnanten Kurzauf­tritte demons­trieren fachüber­grei­fendes Können.

Die indivi­duelle Perso­nen­zeichnung ist auch dem Regisseur Klaus Seiffert zu verdanken, der auf der funktional, dennoch stimmig ausge­stat­teten Drehbühne von Barbara Krott ein packendes Drama inszeniert.

Die großen Emotionen setzen sich im Orches­ter­graben fort. Der Dirigent Alexander Merzyn entfaltet mit dem Philhar­mo­ni­schen Orchester des Staats­theaters einen präch­tigen, nur bisweilen zu lauten und deshalb die Sänger überde­ckenden Sound.

Standing ovations nach der ausver­kauften Vorstellung. Dass es hinter den Kulissen des Cottbusser Theaters gärt, merkt man nicht. Denn gerade wurde bekannt, dass der langjährige General­intendant Martin Schüler wegen Querelen mit dem Musik­di­rektor Evan Christ zurück­ge­treten ist und damit eine Ära zu Ende geht.

Karin Coper

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