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Foto © O-Ton

Zwischen Schwangerschaft und Marionetten

DIE MARQUISE VON O…/
ÜBER DAS MARIONETTENTHEATER

(Michael Gerihsen, Henrik Albrecht)

Besuch am
9. Mai 2018
(Urauf­führung am 10. Mai 2018)

 

Literatur-Oper Köln, Urania-Theater

Vor exakt einem Jahr beein­druckte die Literatur-Oper Köln mit einem Mammut-Werk in einem kleinen, schnu­cke­ligen Theater in Köln-Ehrenfeld. Damals hieß es Bühne der Kulturen. Inzwi­schen haben die Betreiber gewechselt und die Räume in Urania-Theater umbenannt. Damit kommen die Räumlich­keiten zu dem Namen zurück, unter denen sie 1985 einge­weiht wurden. Die Spiel­stätte soll wieder als „echtes“ Stadt­teil­theater etabliert werden. Mit Sprech­theater, zeitge­nös­si­schem Tanz und Musik wollen Bettina Montazem und Richard Bargel bei gesell­schafts­po­li­ti­schen Themen zur Diskussion beitragen. Kinder- und Jugend-Theater sowie Konzerte runden das Programm ab. Die gemüt­liche Atmosphäre, die im Vorjahr so angenehm auffiel, ist erhalten geblieben. Und damit auch der Impro­vi­sa­ti­ons­cha­rakter. Hierhin hat es die Literatur-Oper Köln nun erneut verschlagen.

Dass sich die Produktion Die vierzig Tage des Musa Dagh kaum steigern ließ, war klar. Andreas Durban, Künst­le­ri­scher Leiter der Literatur-Oper Köln, versucht es gar nicht erst, sondern präsen­tiert ein flottes, kleines Stück, das tempo­reich und originell daher­kommt. Im Rahmen des Sommerblut-Festivals ist das Werk Die Marquise von O…/Über das Mario­net­ten­theater entstanden, das eine Novelle und ein Essay von Heinrich von Kleist mitein­ander verquickt. Bei der Marquise von O… geht es um eine Schwan­ger­schaft und ihre gesell­schaft­lichen Folgen im Bürgertum des angehenden 19. Jahrhun­derts, in dem Aufsatz Über das Mario­net­ten­theater lässt Kleist einen Opern­tänzer darüber sinnieren, dass die Mario­nette der eigentlich größere Künstler sei.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Durban hat die beiden Stücke in einem Libretto verquickt und auch gleich die Regie dazu entwi­ckelt. Die Musik haben Henrick Albrecht und Michael Gerihsen kompo­niert. Es gehört zum Konzept der Literatur-Oper Köln, dass die Musik nicht im Vorder­grund steht und mit Extra­va­ganzen glänzt, sondern in erster Linie dazu dient, den Gesang zu unter­stützen. Bei der neuen Produktion hätte man sich aber durchaus etwas mehr Einsatz der zahlreichen schönen Einfälle, die einen Hang zum Jazz nicht verleugnen können, gewünscht, auch was die gesang­lichen Ansprüche angeht. Unter­for­derung ist auch keine Lösung. Selbst dann, wenn Durban die Studenten schau­spie­le­risch ordentlich rannimmt.

Die Bühne ist schlicht großartig. Am linken Bühnenrand haben die Musiker mit ihrer opulenten Ausstattung wenig Platz. Im Zentrum ist ein kleines Podest aufgebaut, auf das Mario­net­ten­fäden herun­ter­hängen. Dahinter steht eine trans­por­table Ballett­stange. Den Hinter­grund bildet eine weiße Wand, die Platz für die kreis­runden, eher assozia­tiven Video­pro­jek­tionen von Julia Suermont bietet. Thomas Vervoorts holt alles aus den begrenzten Mitteln der Beleuchtung heraus, setzt auf kapitel­weise Licht­wechsel und schafft damit ausrei­chend Dramatik, um die Bühnen­handlung zu unter­streichen. Angela C. Schuett und Anne Ernzerhof haben fanta­sie­volle Kostüme entwi­ckelt, die den Zeitgeist Kleists aufgreifen, ohne zu sehr zu histo­ri­sieren. In diesem Rahmen kann Durban seine Perso­nen­führung voll entfalten. Und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Da müssen die Jungdar­steller Mario­netten mimen, seriöse Rollen spielen, wie üblich eine Wahnsinns­menge Text sprechen und manchmal auch singen.

Andrea Graff und Chris­topher Auer – Foto © O‑Ton

Auch in diesem Jahr setzt der Regisseur auf seine Spitzen­kraft. Andrea Graff darf sich als Marquise von O… körperlich veraus­gaben, was ihr glaubhaft und faszi­nierend gelingt, zumal es Durban dieses Mal nicht ganz so bieder angehen lässt. Stimmlich ist Graff komplett unter­fordert. Das geht auch Thomas Huy so, der als Obrist und Erzähler auftritt. Er glänzt in einer Rolle, die starke Wechsel erfordert, meistert die souverän und bietet haufen­weise starke Bilder. Eindrucksvoll präsen­tiert sich Niklaus Loosli als Tänzer und Forst­meister. Den jungen Mann muss man im Auge behalten. Als Offizier tritt Chris­topher Auer noch etwas unbeholfen auf. Die Fähig­keiten sind da, am Selbst­be­wusstsein scheint es noch ein wenig zu mangeln, was aber nicht angebracht ist. Juliane Bogner gefällt auf ganzer Linie als Obristin. Auch Sarah-Léna Winterberg in der Rolle der Hebamme und Sofia Held als Arzt zeigen eine Menge Potenzial. Insgesamt ein spiel­freu­diges, textsi­cheres Ensemble, das keine Längen aufkommen lässt. Spritzig, effekt- und fanta­sievoll geht es zu in den gut anderthalb Stunden. Bei der Premiere wird sich die Spannung noch einmal steigern, und darauf dürfen die jungen Leute, darauf darf auch das Publikum sich freuen.

In der General­probe ist auch der musika­lische Leiter Georg Leisse noch ziemlich viel damit beschäftigt, seine Noten­pa­piere zu ordnen. Vom Klavier aus dirigiert er unauf­fällig, aber markant seine drei Musiker und gibt den Sängern wichtige Hinweise. Dem Aberglauben zufolge darf man sich freuen, dass es hier und da noch nicht so ganz rund läuft. Aber die Musik macht auch so schon richtig viel Spaß, vor allem, weil sie sehr stimmig ist.

Es ist einer dieser – wenigen – Abende, an denen man beschwingt das Theater verlässt. In diesem Fall ganz besonders, weil man einen beglü­ckenden Blick auf die Zukunft des Musik­theaters werfen durfte. Das Publikum hat vom 10. bis zum 13. Mai die Gelegenheit, sich davon im Urania-Theater in Köln-Ehrenfeld zu überzeugen.

Michael S. Zerban

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