O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken

DER ROSENKAVALIER
(Richard Strauss)
Besuch am
19. Mai 2018
(Premiere am 13. Dezember 1981)
Wiener Altmeister Otto Schenk hat bereits 1968 in Wien und 1972 in München wohl die gefeierteste Rosenkavalier-Inszenierung zeitgetreu im Rokoko von Maria Theresia auf die jeweiligen Staatsopern-Bretter gebracht. „Ein rauschendes Theaterfest“ konstatierte damals der Bayerische Rundfunk zur Münchner Premiere. Das galt seinerzeit auch für Uraufführungsregisseur Max Reinhardt am 26. Januar 1911 an der Dresdner Semperoper, zu deren Folgevorstellungen für die Berliner Rosenkavalier-Fans sogar Sonderzügen nach Dresden eingesetzt wurden.
Alles gehe um die Liebe, begründet Schenk in einem Interview von 2013 zur Wiederaufnahme seiner Inszenierung an der Wiener Staatsoper seine Vorliebe für den Rosenkavalier. Jeder sei verliebt, alles gehe durcheinander und es gehe auch um Sentimentalität und Unmoral.
Das lässt die Herzen der Opernkulinariker in Düsseldorf heute noch höher schlagen. Ausgenommen vielleicht die schon immer wegen ihrer naiven Geisterbahn-Effekte bereits 1972 umstrittene Beisel-Szene im dritten Akt, mag man seufzen „Das ist ja so schöööön“, wie Sofie in Erwartung der silbernen Rose vom schmucken Octavian im Prunksaal. Die Rheinopern-Ausstatter, Bühnenbildner Bert Kistner und Kostümbildnerin Gabriele Frey, haben möglichst originalgetreu nachgebildet, wo der Zahn der Zeit genagt hat.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Der nagt am Libretto vom Fin-de-Siècle-Dichter Hugo von Hofmannsthal höchstens bezüglich der konservativen Perspektive des Sakraments Ehe. Dass für einen süßen Teenager wie Sophie der ungeschlachte Haudegen Ochs auf Lerchenau nicht erste Wahl sein kann, ist gerade in der „Me-Too“-Ära trendy. Aber da gibt es ja glücklicherweise den jungen Herrn aus großem Haus, Octavian, genannt Quinquin von der Feldmarschallin Marie Theres, Octavians Schatz Bichette. Alles nicht ganz comme il faut, denn die Schöne ist natürlich verheiratet, um die 20 Jahre älter als ihr „Bürscherl“ und am Beginn der Midlife-Crisis.
Das gilt für Jacqueline Wagner bei ihrem Debüt als Marschallin ganz und gar nicht. Für ihre edle Gestalt und ihre leuchtenden Töne – nicht nur im berühmten Sinnieren über das „sonderbar‘ Ding“ Zeit und über den ungehobelten Vetter, dem „aufgeblas’nen, schlechten Kerl“ – gibt es schon nach dem ersten Akt frenetischen Jubel.

Für die erkrankte Jurgita Adamonyté fällt das Octavian-Debüt in dieser Aufführung aus. Kurzfristig springt Alexandra Kadurina ein. Ihr metallischer Mezzo flackert manchmal in hohen Lagen, was auch der zeitlich knappen Einarbeitung in die Inszenierung geschuldet sein mag. Umso respektabler, wie sie den Weg des 17-jährigen Octavian vom Bub zum Mann anschaulich macht. Brillant debütiert Elena Sancho Pereg als wunderschöne Sophie, sicher auch eine Ideal-Partie für ihren leicht ansprechenden, natürlichen Sopran. Sie zeigt stimmlich und darstellerisch ein temperamentvolles Mädchen von neckisch-naiv, ängstlich bis trotzig und wütend. Bjarni Thor Kristinsson erfüllt die Buffo-Erwartungen an einen Ochs auf Lerchenau als groben Klotz vom Lande in Gestalt, Stimme und österreichischem Schmäh, dessen Kenntnis er möglicherwiese seiner Zeit an der Wiener Volksoper zu verdanken hat.
GMD Axel Kober gibt mit den Düsseldorfer Symphonikern einen satten, spätromantischen Klangteppich, der gerade zu Beginn des ersten Aktes Octavian und Marschallin manches Mal zudeckt. Das mildert sich später. So bekommen die Rosenkavalier-Fans nicht nur bei Sahneschnittchen wie Rosenüberreichung und dem Terzett Hab‘ mir’s gelobt mit anschließendem Happy-End-Duett Ist ein Traum von Sophie und Octavian im dritten Akt ihren Ohren- und Augenschmaus. Und auch die feinen, filigranen Strauss-Passagen mit mehr oder minder ironischen Wienerlied-Anklängen, aber auch der berühmte, wuchtige Rosenkavalier-Walzer lassen sich am Rhein gut hören.
Bravi für Solisten, Dirigent und Orchester, viel Applaus für das Ensemble inklusive des gut geführten Chors unter Leitung von Gerhard Michalski und des Kinderchors, geleitet von Justine Wanat.
Die viereinhalb Stunden mit Kalauer-Komik, nachdenklichem Herz-Schmerz und Liebesseligkeit hat Strauss jedoch nicht nur in reiner Harmonie komponiert. Das schlägt wohl einige in die Flucht. Zumindest gibt es in der gut verkauften Vorstellung nach dem zweiten Akt deutlich mehr freie Plätze als zu Beginn.
Gisela Rudolph