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LA PÉRICHOLE
(Jacques Offenbach)
Besuch am
19. Mai 2018
(Einmalige Aufführung)
Das Publikum ist mehr als erstaunt: Denn als sich der Vorhang öffnet, wird gleich von Beginn an im Bühnenbild von Rossinis L‘italiana in Algeri, der am Vortag gezeigten Oper, heftig gespielt. Und das obwohl die zweite Musiktheaterproduktion dieser Salzburger Pfingstfestspiele La Périchole von Jacques Offenbach nur als konzertante Aufführung angekündigt war. Angeblich hatte sich das Team erst drei Tage vor der Premiere entschlossen, die kaum gezeigte Opéra bouffe nicht nur zu singen, sondern auch zu spielen.
Die Geschichte dieses Werks ist schon etwas kraus und konnte schon zur Zeit der Uraufführung 1868 nicht mehr wirklich überzeugen: Der Plot handelt von einem Straßensängerpaar in Lima, das wegen seiner Armut nicht heiraten kann. Das Mädchen gerät in die Fänge eines lüsternen, peruanischen Vizekönigs. Der ist von dem Mädchen optisch so verzückt, dass er sie zu seiner Mätresse machen will. Doch sie darf nur dann an seinen Hof, wenn sie auch verheiratet ist. Also wird eiligst nach einem Ehemann gesucht, die Wahl fällt durch Zufall auf ihren Partner, der durch Alkohol gefügig gemacht und sie, ohne sie zu erkennen, heiratet. Letztlich schenkt der Vizekönig nach einigen buffonesken Turbulenzen und Verwicklungen beiden doch die Freiheit.
Der Dramaturg und Regieassistent Romain Gilbert, der mit dem Stück demnächst in Bordeaux sein Regiedebüt geben wird, hat in etwas improvisierten, heutigen Kostümen und natürlich ohne Ballett den Plot im Haus für Mozart mit viel Witz, manchmal allerdings auch zu überzogen aufbereitet und die Personen sehr lebendig und genau geführt. Und das, obwohl das Stück, das die Opera seria karikiert, eigentlich nur eingeschränkt komisch ist.
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Aude Extrémo spielt und singt die „Straßensängerin“, so auch der deutsche Titel der Operette, mit komödiantischem Tiefgang, sattem Mezzo, etwas belegter Stimme in der Tiefe, aber leuchtenden Höhen. Benjamin Bernheim singt ihren Geliebten Piquillo mit schön geführtem, flexiblem Tenor und ungefährdeten Höhen. Alexandre Duhamel ist ein nur solid singender, aber umso spielfreudigerer Vizekönig. Aus den vielen kleineren Partien ragen besonders Éric Huchet als Graf Panatellas und Marc Maullion als Gouverneur hervor. Sehr homogen singt der Chor der Oper aus Bordeaux.
Marc Minkowski als musikalische Seele des Abends und seine Musiciens du Louvre samt einigen eingefügten Gästen des Mozarteum-Orchesters Salzburg musizieren Offenbachs Musik, die zwischen unwiderstehlicher Can-Can-Rasanz und französischer Liedkunst changiert, mit nur ganz kleinen Irritationen beim Zusammenspiel, mit schwungvollem Schmiss, weichem Klang und duftiger Leichtigkeit, aber auch liebevoll mit feinen Lyrismen.
Großer begeisterter Jubel für ein manchmal etwas triviales, aber durchaus hörenswertes Stück.
Helmut C. Mayer