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Wie unglaubwürdig ist doch oft, was man so auf der Bühne bei einer Aufführung von Mozarts Dramma giocoso Così fan tutte sehen muss! Wer versteht so recht, dass die angeblich verliebten und verlobten Damen Fiordiligi und Dorabella ihre Partner Guglielmo und Ferrando in höchst durchschaubarer Verkleidung nicht erkennen, dass sie angeblich nicht merken, dass hinter dem seltsamen Arzt und dem noch wunderlicheren Notar ihre Kammerzofe Despina steckt? Und dass nach dem Bäumchen-Wechsel-Spiel eine wirkliche Versöhnung stattfindet? Mozart spottet in seiner 1790 uraufgeführten Oper über angeblich beständige Gefühle und nimmt dabei auch die überkommene Opera seria aufs Korn. Damit wendet er sich gegen das höfische Welt- und Menschenbild, gegen die alten Ideale von Treue, Verzicht und Selbstbeherrschung und stellt sie zusammen mit seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte auch mit seinen ironischen musikalischen Einfällen in Frage, wobei auch die extrem schwierigen Partien der Interpreten ein Stück weit zu einem solchen Eindruck beitragen.
Beim Mozartfest Würzburg kann nun das bis zum Schluss prächtig unterhaltene Publikum im Kaisersaal der Residenz – ein herrlicher Kontrast zur respektlosen Handlung! – eine solche Dekonstruktion des Üblichen erleben, dank der genialen Darbietung durch Marc Minkowski und seinem auf Originalinstrumenten mit spürbarer Lust aufspielenden Ensemble Les Musiciens du Louvre. Es versprüht durchgängig gute Laune, mitreißenden Schwung mit viel Temperament; pointierte Pausen verleiten zum Durchschnaufen, heftige Betonungen wechseln mit wonnigen Färbungen ab, und trotz feiner Lyrismen entfaltet sich ein breites Spektrum von emotionaler Verwirrung, Aufregung und Beruhigung, so dass immer wieder neu eine weitere Verunsicherung entsteht. Neben dieser musikalischen Botschaft des Orchesters, die oft unerwartet mit unterschwelliger Ironie garniert ist, verstärken die Sängerinnen und Sänger diesen Eindruck, so wie sie vorne auf dem Podium oder im Saal herum wirbeln, wie sie sich finden oder trennen, wie mit einfachen Mitteln – etwa dem Dirigentenstab zur Magnet-Heilung der angeblich suizidgefährdeten Männer – die Szene deutlich wird, wie die Personen in Miene oder Gestik Gefühle signalisieren, die vielleicht gar nicht vorhanden sind.
| Dirigent | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Orchester | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Solisten | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Programm | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Und neben dieser lebendigen Verkörperung des Textes sind die Stimmen ein absolutes Ereignis. Eine herrlich freche Despina verkörpert Giulia Semenzato mit glockenhellem, agilem, glänzendem Sopran als attraktive, sehr bewegliche Zofe, falscher Arzt und quäkend daherfaselndem Notar. Zusammen mit dem ausdrucksstarken Bass von Jean-Sébastien Bou als Don Alfonso, dem lebensklugen wie listig alles Bestehende zersetzenden älteren Herrn – ob er ein Philosoph ist, wie oft gezeigt, ist zu bezweifeln – der irgendwie von anarchischen Bestrebungen geleitet ist, wenn er die Paare auseinander- oder auch wieder zusammenbringt, bildet diese Despina ein despektierliches Intriganten-Duo zur Freude des Publikums. Dagegen wirken die beiden Paare irgendwie naiv. Ansonsten zeigt die Handlung, übrigens auch die Anordnung der Stimmen, dass beide Konstellationen von Mann und Frau im Grund nicht zusammenpassen. Musikalisch aber harmonieren sie ganz wunderbar. Ana Maria Labin ist eine außerordentlich glanzvoll singende Fiordiligi; ihr strahlender, großer, sicher positionierter Sopran bewältigt mühelos die höchsten Höhen und auch die Registersprünge in ihrer unheimlich schwierigen Arie Come scaglio und begeistert auch sonst mit vielen Nuancierungen und feinen Legati. Etwas schwermütiger gezeichnet wird Dorabella anfangs sichtbar in ihrer Arie Smanie implacabili, nur erstaunlich, dass sie als erste „untreu“ wird. Zu ihrer Rolle passt der leicht metallisch unterlegte, kräftige Mezzosopran von Serena Malfi. Die Duette der beiden Schwestern sind ein Traum. Als Ferrando präsentiert sich Amicio Zorzi Giustiniani mit seinem hellen, jugendlich timbrierten Tenor mit feinem Schmelz, etwa in seiner Arie Un aura amorosa als hervorragender Gegenpol zu dem stark auftrumpfenden Guglielmo von Robert Gleadow, der mit seinem reich bemittelten, differenziert gestaltenden Bariton ein etwas cholerisches Gegengewicht zu seinem Genossen Ferrando bildet. Immer wenn er auftritt, funkt es. Ganz besonders schön klingen die Ensembles der Stimmen; sie sind reinster, prickelnder Genuss. Und wenn am Schluss das Orchester triumphal die Versöhnung der Paare beschwört als glänzende Vision, als Wunschdenken, dann sieht man das den Personen nicht an.
Aber das Publikum, das schon vorher immer wieder geschmunzelt und gelächelt hat, ist mehr als versöhnt mit dieser spannenden konzertanten Darbietung, die jede Bühnenhandlung vergessen lässt, und jubelt lange und auch im Stehen begeistert allen Beteiligten nach über drei Stunden zu. Gut, dass man nach Drottningholm und Versailles auch hierzulande eine solch wunderbare Aufführung erleben darf.
Renate Freyeisen