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Als nach dreieinhalb Stunden der Vorhang fällt und das gesamte Ensemble vom Publikum bejubelt wird, sieht man in viele glückliche Gesichter. Denn für die nach 180 Jahren erstmals im deutschen Original aufgeführte Agnes von Hohenstaufen von Gaspare Spontini hat das Theater Erfurt enormen Aufwand betrieben und alle Kräfte mobilisiert. Und dabei mehr Mut bewiesen als die beiden großen Berliner Opernhäuser, deren Überlegungen hinsichtlich einer Aufführung nicht über eine lose Planung hinauskamen. Erfurts Unerschrockenheit – die bereits 2006 bei Spontinis Ferdinand Cortez zu bewundern war – jedenfalls wird belohnt und beschert dem Haus eine Sternstunde. Sie ist im Wesentlichen dem Engagement des Chefdramaturgen Arne Langer zu danken, der sich jahrelang für die Oper einsetzte, dazu die wiederentdeckte Ouvertüre rekonstruierte, das fundierte Programmheft erstellte und nebenbei noch ein mit hochkarätigen Wissenschaftlern besetztes Symposium zu dem Thema Gaspare Spontini und die Oper in Berlin – zwischen Integration und Isolation in Kooperation mit der Gutenberg-Universität Mainz initiierte.
Der 1774 in Italien geborene Spontini war seinerzeit als Komponist europaweit hochangesehen und feierte mit monumentalen Opernspektakeln Triumphe. 1820 wurde er zum Generalmusikdirektor an die Berliner Hofoper berufen, wo er über 20 Jahre unter der Protektion von König Friedrich Wilhelm III. wirkte. Nach dessen Tod entließ man Spontini wegen Kompetenzstreitigkeiten, bei denen er wenig diplomatisch agierte. 1851 starb er in seinem Geburtsort Maiolati. Im 20. Jahrhundert wurden seine Opern nur noch sporadisch gespielt, dann aber in prominenter Besetzung, etwa mit Maria Callas in La Vestale oder Riccardo Muti, der Agnes von Hohenstaufen in der italienischen Fassung dirigierte.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Das Werk gilt als Prunk- und Repräsentationsoper. Elefanten, wie in Spontinis Olympie, ziehen zwar nicht über die Bühne, dafür aber Scharen an Rittervolk, Fürsten und Nonnen. Behandelt werden die Machtkämpfe zwischen Staufern und Welfen im mittelalterlichen Mainz, von denen auch die Liebe zwischen der Staufertochter Agnes und dem Welfensohn Heinrich betroffen ist. Das Erscheinen des Kaisers führt die verfeindeten Parteien zusammen, die nun zum gemeinsamen Expansionskrieg aufrufen. In Marc Adams Inszenierung gibt es kein glorifizierendes Finale. Während der Chor zum martialischen Appell „Zu den Waffen“ im Gleichschritt marschiert, sieht man Agnes am Grabe des gefallenen Gatten.
Adam lässt die Oper in verschiedenen Epochen spielen, was freilich nicht zur Verständlichkeit des an sich schon verwirrenden Geschehens beiträgt. In dem von Monica Gora entworfenen, streng symmetrischen Bühnenraum, der gerade wegen seiner Schlichtheit von hohem ästhetischem Reiz ist, sieht man meist statuarische Tableaus aus dem Ersten Weltkrieg, der Entstehungszeit um 1820 und dem Mittelalter. Dass es um Preußens Geschichte geht, symbolisiert der anfangs höchst lebendig herabfliegende, im Verlauf dann als Video zerrupft eingeblendete Wappenadler.

Agnes von Hohenstaufen vereint Elemente aus der Tragédie lyrique und der Grand Opéra und erfordert eine Riesenbesetzung, inklusive Bühnenmusik und Fernchören. Wie die Dirigentin Zoi Tsokanou mit dem blendend disponierten, verstärkten Philharmonischen Orchester Erfurt die fast ungekürzte Partitur bei nie nachlassender Spannung strukturiert und die Klanggewalten dynamisch differenziert und transparent auffächert, ist eines der musikalischen Wunder des Abends. Das zweite ist der von Andreas Ketelhut akribisch einstudierte Erfurter Opernchor, der durch homogene Opulenz überwältigt.
Hoch respektabel sind auch die Leistungen des Solistenensembles. Allen voran Margrethe Fredheim, die eine fulminante Irmengard mit durchschlagskräftigem, höhenstarkem Sopran singt. Claudia Sorokina als Agnes besitzt diese vokale Kraft nicht, doch harmoniert sie mit ihrer Bühnenmutter im schönsten Zwiegesang. Stilistisch sehr unterschiedlich präsentieren sich die beiden Tenöre: hier der lyrisch empfindsame Bernhard Berchtold, dort der heldisch auftrumpfende Todd Wilander. Fabelhaft die tiefen Männerstimmen: Máté Sólyom-Nagy singt den Kaiser mit großer Autorität, Kakhaber Shavidze den Erzbischof mit balsamischer Würde und Siyabulela Ntlale den französischen König Philipp August mit mächtiger Attacke.
Agnes von Hohenstaufen wird nur in dieser Saison gespielt. Wer sich also einen ganz besonderen Opernabend nicht entgehen lassen möchte, dem sei dringend die baldige Fahrt nach Erfurt empfohlen.
Karin Coper