O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Im Abwärtstrend

EINE NACHT IN VENEDIG
(Johann Strauss jun.)

Besuch am
3. Juni 2018
(Premiere)

 

Aalto-Musik­theater Essen

Die zurück­lie­gende Saison hat die seit dem Ausscheiden von GMD Stefan Soltesz anhal­tende Talfahrt der einst glanz­vollen Essener Oper nicht aufhalten können. Mit einer knochen­tro­ckenen Insze­nierung der Verkauften Braut startete die Spielzeit, mit einer leidlich unter­halt­samen Produktion eines wesentlich schwä­cheren Stücks endet sie, wie sie begonnen hat: in grauem Mittelmaß.

Dass man sich angesichts der reduzierten Zahl der Neuin­sze­nie­rungen mit der Nacht in Venedig ausge­rechnet einer der drama­tur­gisch schlech­testen Operetten von Johann Strauss junior widmet, über die auch charmante Ohrwürmer wie der Lagunen­walzer oder das Gondellied nur bedingt hinweg­helfen können, erstaunt, zeugt aber zugleich von einem gewissen Wagemut, von dem in der putzigen, biederen Insze­nierung von Bruno Klimek leider nicht viel zu spüren ist. Strauss‘ an sich bewährte Libret­tisten Friedrich Zell und Richard Genée treiben die Klischees tradierter Verwechs­lungs­ko­mödien so radikal auf die Spitze, dass die Handlung kaum noch nachzu­voll­ziehen ist. Seit der Berliner Urauf­führung 1883 versuchten sich denn auch etliche Bearbeiter von Carl Hagemann über Erich Korngold bis zu Walter Felsen­stein, Ordnung in das verwir­rende Geschehen zu bringen. Ohne nennens­werten Erfolg, der auch Bruno Klimeks Essener Fassung mit ihren überar­bei­teten Dialogen nicht beschieden ist.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Klimek, unter anderem als Professor für szenische Ausbildung an der Folkwang-Univer­sität Essen mit dem Metier vertraut, versucht Tempo in die teilweise schwer­gängige Handlung zu bringen. An dem völlig verfla­chenden und regel­recht zusam­men­ge­schus­terten Schlussakt beißt freilich auch er sich die Zähne aus. Dass sich Klimek in konven­tio­nellen Bahnen bewegt, die für das proble­ma­tische Stück nicht ausreichen, vermag er, zum Vergnügen des Publikums, mit ein paar Tricks lediglich zu übertünchen, aber nicht vergessen zu lassen. „Wo ist meine Frau?“ Ein Satz, der sich als Running Gag selbst­ständig und nicht einmal vor der Musik halt macht. Und wenn die Sänger und Sänge­rinnen des Chores in weiblichen Rokoko-Kostümen Karneval feiern, legt sich ein bizarrer Hauch über die Szenerie, dessen Bühnen­wirk­samkeit freilich schnell nachlässt.

Foto © Jörg Landsberg

Ohne die opulenten Bühnen­bauten von Jens Kilian hätte die Produktion szenisch nicht einmal trost­loses Mittelmaß erreicht. Kilian sorgt mit einem riesigen Traum­schiff für Szenen­ap­plaus und verwöhnt mit einer idylli­schen Schnee­land­schaft. Dass sich das Publikum nach der Pause auch für eine leere, lediglich mächtig einge­ne­belte Bühne mit heftigem Beifall erfreut, zeugt nicht gerade von außer­ge­wöhn­lichen Ansprüchen an ein Opernhaus der Oberklasse.

Auch wenn die Musik­nummern recht zusam­men­ge­stoppelt wirken, verfehlen die Klänge von Johann Strauss nicht ihre Wirkung. Aller­dings nur, wenn man in der Lage ist, ihren Charme auch freisetzen zu können. Und da lässt Johannes Witt am Pult der recht grob aufspie­lenden Essener Philhar­mo­niker doch mehr als einen Wunsch übrig.

Und auch mit dem vokalen Niveau ist es nicht gut bestellt. Elbenita Kajtazi als Annina und Christina Clark als Ciboletta werden den Ansprüchen ihrer Rollen gerecht. Der kleine Tenor von Albrecht Kluds­zuweit in der recht anspruchs­vollen Rolle des herzog­lichen Leibbar­biers Caramello reicht bei weitem nicht aus. Und das vielköpfige Ensemble empfiehlt sich diesmal, sowohl in größeren als auch in kleineren Rollen, auf einem allen­falls durch­schnitt­lichen Niveau. Dass man von den Dialogen kaum etwas versteht, das wiederum versteht sich angesichts der inter­na­tio­nalen Besetzung und des offen­sichtlich unzurei­chenden Sprach­trai­nings wiederum fast von selbst.

Das Premieren-Publikum genießt die merkwürdige Produktion mit hörbar großem Vergnügen, was es auch nicht hindert, mit dem Applaus gar nicht erst das Ende der Nummern oder Akte abzuwarten. Dann stört natürlich auch das grobe musika­lische Schnitzwerk der Produktion nicht weiter. Was Sorge bereitet, ist aller­dings der eindeutig nach unten gerichtete Trend des Hauses, der in der kommenden Saison unbedingt aufge­fangen werden muss.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: