O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Lorraine Wauters

Vokaler Glanz im szenischen Museum

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
12. Juni 2018
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Es sind die glanz­vollen Stimmen, mit denen sich die Lütticher Oper im italie­ni­schen Fach einen vorzüg­lichen Namen erwerben konnte. Der Bariton Leo Nucci gehört mit zahlreichen Auftritten als Nabucco, Rigoletto und Macbeth nicht nur zum engen Freun­des­kreis von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera, sondern schon quasi zum Ensemble des Hauses. Mit 76 Jahren steht er jetzt erneut als Macbeth auf der Bühne. So ein hohes Alter ist dem Tyrannen bei Shake­speare zwar nicht vergönnt gewesen und auch bei Nucci sind stimm­liche Verschleiß­erschei­nungen nicht zu überhören. Die Stimme droht in bestimmten Bereichen unkon­trol­liert zu tremo­lieren, richtig runde Legato-Bögen gelingen nicht immer. Freilich hat Nucci Recht, wenn er darauf hinweist, dass er den Macbeth eher als Drama denn als Oper versteht. Die Darstel­lungs­kraft, auch auf Kosten lupen­reiner Schönheit, habe schließlich auch Verdi besonders betont. Insofern imponiert Nucci in der Rolle immer noch mit einer großen, kondi­ti­ons­starken Stimme und einer beacht­lichen Bühnen­präsenz, die freilich durch die unglück­liche Maske und das noch proble­ma­ti­schere Kostüm ein wenig getrübt wird. Auf der Bühne sieht er gut 20 Jahre älter aus als in Natura, seine Krone erinnert eher an einen india­ni­schen Häupt­lings­schmuck und sein schweres Kostüm wirkt wie die Leihgabe aus einem histo­ri­schen Museum.

Es sind freilich nicht nur aktuelle und ehemalige Stars der Opern­bühne, mit denen der Lütticher Intendant volle Häuser in Serie garan­tiert. So ist ihm auch ein Glücksfall mit der jungen Sopra­nistin Tatiana Serjan gelungen, die für die heikle Partie der Lady Macbeth ideale Voraus­set­zungen mitbringt. Gerade von dieser Rolle erwartete Verdi besondere Wahrhaf­tigkeit und alles andere als puren Wohlklang. Die Russin verfügt über ein Stimmorgan von einer enormen dynami­schen Schlag­kraft, mit der sie auch das größte Chor- und Orches­ter­ge­tümmel mühelos und ohne jede unange­nehme Verzerrung überstrahlen kann und auch als Persön­lichkeit ein faszi­nie­rendes Charisma ausstrahlt. Die Sensi­bi­lität, mit der sie die Wahnsinns-Arie gestaltet, unter­streicht ihre Wandlungs­fä­higkeit, so dass Serjan als positive Überra­schung des Abends gewertet werden darf.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zieht man noch Giacomo Prestia als Banquo mit seinem volumi­nösen, selbst in tiefsten Lagen sattelfest anspre­chenden Bass und den verläss­lichen Chor in Betracht, kann der neue Macbeth die hohen vokalen Quali­täts­stan­dards des wallo­ni­schen Opern­hauses vollauf halten.

Foto © Lorraine Wauters

Und mit Paolo Arriv­abeni steht ein erfah­rener Maestro am Pult des Orchesters der Opéra Royal de Wallonie-Liège, der ebenso für markante drama­tische Akzente sorgt wie für hinter­gründig-zwielichtige Klänge in den Hexen­szenen und psycho­lo­gisch fein ausge­hörte Töne in den Krisen des Tyran­nen­paars. Zudem versteht er es, Rücksicht auf die Sänger zu nehmen.

Auch wenn die museal-konser­vative Insze­nierung von Hausherr Stefano Mazzonis di Pralafera sicher nicht das Ideal einer zeitge­mäßen Ausein­an­der­setzung mit dem Stoff bietet: Das Publikum liebt den Inten­danten für seinen etwas altmo­di­schen Stil und dankt es ihm mit durchweg vollen Häusern. Zu sehen gibt es bei ihm ohnehin immer eine Menge. Ob Hexenspuk, üppige Festtafeln oder wahre Kostüm­feste, mit denen Solisten und Chor auffahren. Die Bühnen­bilder von Jean-Guy Lecat sowie die Kostüme von Fernand Ruiz entführen den Besucher in frühere Zeiten des Ausstat­tungs­theaters, was natürlich auf Kosten einer filigran durch­dachten psycho­lo­gi­schen Deutung des Stücks geht.

Zurück­ge­griffen wird übrigens auf Verdis spätere Bearbeitung des Stücks für die Pariser Oper, die mit dem schlichten Tod Macbeths und damit ohne hoffnungs­volle Chor-Apotheose endet, dafür jedoch eine den um 1865 gewohnten Pariser Gepflo­gen­heiten entge­gen­kom­mende, ausge­dehnte Ballett-Einlage enthält, die das Lütticher Publikum, ebenso wie die gesamte Produktion, mit großem Beifall bedenkt.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: