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Blicke zurück und nach vorn

10 BY BEN
(Ben van Cauwen­bergh et al.)

Besuch am
15. Juni 2018
(Premiere)

 

Aalto-Theater Essen

10 by Ben: Der Titel der Gala-Produktion zu Ehren von Ben van Cauwen­bergh erinnert an eine Freund­schafts­be­zeugung. In der Tat hat sich der Geehrte in den zehn Jahren seiner Tätigkeit als Direktor und Intendant des Essener Aalto-Balletts eine treue und zahlreiche Anhän­ger­schar erobern können, die jetzt auch einen dreistün­digen Zusam­men­schnitt aus denkwür­digen Produk­tionen der zurück­lie­genden Dekade mit stürmi­scher Begeis­terung feiert.

Dass Cauwen­berghs Herz für das gute alte Handlungs­ballett schlägt, und das, wie im Falle von Schwa­nensee oder Ludwig Minkus Don Quichotte, in sehr tradi­tio­nellen Umset­zungen auf den Spuren Marius Petipas, trägt gewiss zu seiner Popula­rität bei. Freilich nur zum Teil. Denn geschickt lädt er immer wieder Choreo­grafen ein, die mit etwas innova­ti­verem Wagemut neue Wege des Tanztheaters beschreiten. Etwa Alexander Ekman mit seinem Programm 3 By Ekman oder David Dawson mit seiner inter­es­santen Neudeutung von Adolphe Adams Giselle. Und ganz besonders glücklich äußerte sich Cauwen­bergh in einem kurzen Gespräch über die Zusam­men­arbeit mit der Tanzle­gende Jiří Kylián, der mit einem dreitei­ligen Programm unter dem Titel Archipel ein beson­derer Höhepunkt gelungen ist.

In der Jubilä­ums­schau muss man sich freilich von diesen Lecker­bissen mit ein paar Video-Einblen­dungen begnügen. Natürlich stehen die Arbeiten van Cauwen­berghs im Mittel­punkt des langen, aber recht kurzwei­ligen Abends, der die Erdver­bun­denheit des Choreo­grafen hautnah belegt. Bereits vor der Eröffnung wärmt er sich mit seinem Ensemble auf offener Bühne auf, wobei seine Tänzer schon mit einigen kunst­vollen Sprüngen und Pirou­etten glänzen und der Ballettchef selbst zeigen kann, dass er körperlich noch recht fit ist.

Die ausge­wählten Produk­tionen, die ausschnitt­weise live aufge­führt werden, zeigen ein Bild, das zwar von den großen Klassikern à la Proko­fieffs Romeo und Julia, Tschai­kowskys Schwa­nensee und dem Nussknacker sowie Ludwig Minkus‘ Don Quichotte dominiert wird, aber auch das Interesse van Cauwen­berghs an exoti­schen Randbe­reichen des Tanzes nicht unter den Tisch fallen lässt.

So mit seiner Liebes­er­klärung an das franzö­sische Chanson, die unter dem Titel La vie en rose atmosphä­risch dichte und fanta­sie­volle tänze­rische Ausein­an­der­set­zungen mit Gesängen von Edith Piaf, Jacques Brel und Charles Aznavour zeigt. Oder strenges spani­sches Kolorit in tempe­ra­ment­vollen Adaptionen von Ravels Bolero und Bizets Carmen. Mit einer seiner ersten Produk­tionen, Queen – The show must go on, wollte er vor zehn ein junges Publikum heran­ziehen, was ihm auch teilweise gut gelungen ist. Mit der revue­ar­tigen Einlage zu dem berühmten Queen-Song endet die auf Hochglanz polierte Gala.

Dass das Ensemble derzeit tänze­risch ein sehr hohes Niveau demons­triert, ist Cauwen­berghs eigener, inten­siver Arbeit zu verdanken, aber auch der Ausein­an­der­setzung mit den tänze­ri­schen Konzepten anderer Choreo­grafen, von denen an dem Fest-Abend die skurrile Stuhl- und Sitzparade Deca Dance von Ohad Naharin die ungewöhn­lichen Akzente setzt.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dagegen wirken die Klassiker van Cauwen­berghs teilweise recht rückwärts­ge­wandt, vor allem in musika­lisch mittel­mä­ßigen Stücken wie Minkus‘ Don Quichotte. Aller­dings zeigen Yanelis Rodriguez und Aidos Zakan gerade in diesem Ausschnitt den schönsten Pas de deux des ganzen Abends.

Ben van Cauwen­bergh genießt sichtlich die Huldi­gungen, die ihm seine Tänzer und das Publikum entge­gen­bringen. Und er freut sich, dass für diese Produktion auch mittler­weile ausge­schiedene Ensem­ble­mit­glieder zurück­ge­kehrt sind, so Breno Bitten­court, der in Stijin Celis‘ Choreo­grafie von Proko­fieffs Cinde­rella mit Yulia Tsoi in der Titel­rolle an seine früheren Leistungen erinnern kann.

Foto © Bettina Stöß

Mit der publi­kums­freund­lichen Programm­po­litik dürfte dem Ballet­tin­ten­danten die Treue des Publikums auch für die weitere Zukunft sicher sein. Das Ensemble gibt an diesem Abend alles, um die vielen Rollen- und Stilwechsel der dreizehn Live-Beiträge so gut wie möglich zu bewäl­tigen. Angesichts der Buntsche­ckigkeit des Programms kann man auch verschmerzen, dass die Musik ausnahms­weise vom Band einge­spielt und auf ein Live-Orchester verzichtet wird. Weniger verständlich ist das lieblos und lückenhaft gestaltete Programm­blatt, das nicht einmal die Namen der Choreo­grafen und der Premieren-Jahre verrät. Dafür wird das Publikum mit einem „Geschenk“ entschädigt, einem Konvolut von elf Postkarten mit Szenenfotos.

Das Publikum feiert van Cauwen­bergh geradezu überschwänglich. Mit seiner Handschrift setzt er einen konser­va­tiven Kontra­punkt zur abstrakten Bewegungs­sprache Martin Schläpfers an der Deutschen Oper am Rhein. Unter­schied­licher als van Cauwen­bergh und Schläpfer lässt sich der Schwa­nensee kaum umsetzen. Einen sehr geschickten Mittelweg zwischen diesen Antipoden beschreitet Gelsen­kir­chens Ballett­chefin Bridgett Breiner, die das Haus demnächst verlassen wird.

Fortsetzen wird van Cauwen­bergh seine Arbeit in der nächsten Saison mit einem ungewöhn­lichen Stück: Unter dem Titel Rock Around Barock wird er zusammen mit der Rockband Mallet Musik von Bach bis zu den Beatles tänze­risch umsetzen. Die Premiere ist für Ende April kommenden Jahres vorgesehen.

Pedro Obiera

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