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ELIAS
(Felix Mendelssohn-Bartholdy)
Besuch am
24. Juni 2018
(Einmalige Aufführung)
Während man bei ausreichendem Medienkonsum allmählich zur festen Überzeugung gelangt, dass die gesellschaftliche Solidarität in Hass und Häme untergeht, immer mehr Menschen zu glauben scheinen, sie seien alleine auf der Welt und bräuchten auf nichts und niemanden mehr Rücksicht zu nehmen, gibt es sie doch immer noch: die andere Seite. Menschen, die nach ihren Möglichkeiten anderen Menschen helfen. Ein paar davon findet man im Projekt-Chor von Stephan Hahn. Die singen halt gern und bekommen dafür Geld, das sie augenblicklich wieder ausgeben – um Hilfsprojekte zu unterstützen.
Und manchmal brauchen sie selbst Hilfe, etwa, um größere Projekte zu stemmen. Will man Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium Elias aufführen, braucht es mehr als einen kleinen Chor, und sei er noch so guten Willens. Also sind der Dortmunder Oratorienchor, eine Abordnung der Dortmunder Philharmoniker und ein paar Sänger beigesprungen. Und da ist es außerordentlich hilfreich, dass alle Beteiligten auf sehr hohem Niveau musizieren, weil viel Zeit zum Proben nicht bleibt. Drei Proben inklusive eines Probenwochenendes und die Generalprobe müssen reichen, um fast 150 Musiker „auf Linie“ zu bringen.
Die Andreaskirche liegt in der Düsseldorfer Altstadt, verfügt über eine sehr gute Lauflage und gehört zum Pflichtprogramm eines touristischen Düsseldorf-Besuchs. Außerdem gibt es neben einem regelmäßigen kirchenmusikalischen Angebot auch zahlreiche Sonderkonzerte. Eines davon findet an diesem Sonntagnachmittag statt. Die Kirche ist bis auf den nahezu letzten Platz besetzt. Etwa 95 Choristen haben sich in der Apsis versammelt. Die vier Solisten sitzen seitlich und treten von Fall zu Fall vor. Davor haben 48 Dortmunder Philharmoniker Platz genommen, denen Stephan Hahn auf seinem Pult vorsteht.
Elias zählt heute zu Felix Mendelssohn-Bartholdys bekanntesten Werken und erzählt die Geschichte des biblischen Propheten, der die Israeliten vom Baalskult befreit und zu Gott zurückführt. Eine schöne Geschichte auch für nichtreligiöse Menschen. Das Oratorium glänzt vor allem mit dem Umstand, dass Mendelssohn ohne Erzähler auskommt.

Hahn gelingt es, diese Geschichte aufregend zu erzählen und so Menschen fast zweieinhalb Stunden an ihre Plätze zu fesseln, die mehr oder minder zufällig in diese Kirche gegangen sind. In der herausragenden Akustik der Andreaskirche findet der Chorleiter die nötige Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten, setzt deutliche Akzente, ohne der Versuchung nachzugeben, die Lautstärke zum Anschlag zu treiben.
So bleibt auch den Solisten Raum. Bariton Vasilios Manis glänzt als Elias, Aisha Tümmlers Sopran betört, Stefanie Lesch gefällt als Altistin und Tenor Jussy Myllis beeindruckt sowohl als Obdallah wie auch als König Ahab. Aus den Reihen der Chöre treten weitere Solisten hinzu. Sopranistin Elisa Rabanus fällt als Knabe besonders angenehm auf. Erika Pagel und Karin Wöbking erklingen als Engel. Dass hier zwei unterschiedliche Chöre zusammengefunden haben, mag man kaum glauben. Heiko Waldhans hat bei der Einstudierung des Dortmunder Oratorienchors ebenso gute Arbeit geleistet wie Hahn in Düsseldorf.
Das Orchester zeichnet sich durch einen transparenten Klang aus, der auch in forcierten Passagen die Chorstimmen nicht überdeckt. Damit entsteht der letzte Feinschliff an einem überaus komplexen Werk, das in der Andreaskirche seine prachtvolle Blüte entfalten kann.
Das Publikum bedankt sich mit langanhaltendem Applaus – und hoffentlich einer hohen Spendenbereitschaft. Denn eine großartige Erinnerung an diesen außerordentlich eindrucksvollen Nachmittag gibt es obendrein. Das Programmheft braucht sich vor denen professioneller Veranstalter nicht zu verstecken.
Im November ist der Projekt-Chor Düsseldorf erneut zu erleben. Dann steht unter anderem eine Uraufführung auf dem Programm.
Michael S. Zerban