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IL MATRIMONIO SEGRETO
(Domenico Cimarosa)
Besuch am
24. Juni 2018
(Premiere)
Nach dem gewaltigen Kraftakt mit Bernd Alois Zimmermanns Oper der Superlative, Die Soldaten, lässt die Kölner Oper die Saison recht entspannt mit Domenico Cimarosas Oper Il Matrimonio Segreto – Die heimliche Ehe – aus dem Jahre 1792 ausklingen. Eine szenisch putzige, musikalisch straffe, vokal im Wesentlichen werkgerechte Produktion, die vor zwei Jahren bereits bei den Festwochen der Alten Musik in Innsbruck auf große Zustimmung gestoßen ist. Von den 100 Opern Cimarosas begegnet man nur noch der Heimlichen Ehe gelegentlich, obwohl das Werk zu den erfolgreichsten Opern seiner Zeit gehörte. Allerdings zieht sich die verwickelte Handlung um zwei Schwestern, die sich nicht bedingungslos den Heiratswünschen ihres Vaters unterwerfen wollen und damit mehr oder weniger komische Turbulenzen auslösen, über die Länge von mehr als drei Stunden recht zäh dahin, auch wenn musikalisch und thematisch vieles an Mozart und Rossini erinnert.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Allerdings mit einem großen Unterschied: Cimarosa gebärdet sich in seiner konventionell, gleichwohl gut komponierten Oper sehr brav und zurückhaltend, ohne auch nur annähernd die psychologische Tiefenwirkung Mozarts erreichen oder mit den originellen Überspitzungen und Effekten Rossinis jonglieren zu können, womit der Allerweltshandlung auch moderne Zuschauer noch Interesse abgewinnen könnten. So bleibt es bei einer netten Farce, zu der der Einfall des szenischen Teams um Regisseur Renaud Doucet und Ausstatter André Barbe gehört, die Gesellschaft um den reichen Kaufmann Geronimo und dessen Töchter auf einen pittoresken Hühnerhof zu verbannen und mit entsprechend fantasievollen und üppig ausladenden, befiederten Kostümen zu chiffrieren. Dabei geht der Regisseur erfreulich dezent vor, ohne die Damen allzu aufdringlich gackern zu lassen. Dass sich über Doucets zurückhaltende Regieführung nicht allzu viel sagen lässt, muss nicht von Nachteil sein. Doucet lässt die Musik sprechen und fällt in keinem Takt durch überzogenen Klamauk negativ auf.
Die liebevoll gestaltete Szenerie kann freilich nicht über die Längen des Stücks hinwegtäuschen. Und das, obwohl der kundige Dirigent Gianluca Capuano das Gürzenich-Orchester zu einem federnd vitalen Spiel anhält, dem sich das verlässliche Ensemble im Wesentlichen anschließt. Capuano empfiehlt sich damit nach dem bescheidenen Erfolg mit Florian Leopold Gassmanns Komischer Oper Gli Uccellatori aus dem Jahre 1759 in Köln erneut als Anwalt zweitklassiger Raritäten.

Die Baritone Donato di Stefano als Geronimo und Renato Girolami als adeliger Freier, beide der Innsbrucker Besetzung entstammend, überzeugen stärker durch Stilsicherheit und buffoneske Lockerheit als durch die Brillanz ihrer Stimmen, können aber wesentlich kräftiger punkten als der in seiner Rolle fehlbesetzte Tenor Norman Reinhardt als heimlicher Gatte Paolino. Die Krone gebührt den Damen, vor allem Anna Palimina als Tochter Carolina mit ihrem mühelos ansprechenden Sopran und als deren Schwester Elisetta die Sopranistin Emily Hindrichs, die vor kurzem noch in Zimmermanns Soldaten die weibliche Hauptrolle stemmen musste und auch bei Cimarosa Schwerarbeit zu leisten hat. Beide bewältigen ihre anspruchsvollen Rollen ohne Fehl und Tadel, teilweise mit Bravour. Und Jennifer Larmore als Fidalma, der ebenso vermittelnden wie intriganten Schwester Geronimos, rundet das vorzügliche Damen-Terzett würdig ab.
Insgesamt eine nett anzusehende und anzuhörende Abendunterhaltung, in deren Verlauf die Distanz zu den Geniestreichen Mozarts und Rossinis freilich immer deutlicher ins Bewusstsein rückt. Begeisterter Beifall des Premierenpublikums.
Pedro Obiera