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Foto © O-Ton

Late night Händel ist cool

IL TRIONFO DEL TEMPO E DEL DISINGANNO
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
27. Juni 2018
(Premiere)

 

Kiez-Oper, Alte Münze, Berlin

Dit is Berlin – sogar eine Barockoper wird kurzerhand zur Party umgemünzt. Und doch kommt die Kunstform nicht zu kurz.  Allein der Name der Veran­stalter – Kiez-Oper –  lässt ahnen, dass es sich hier nicht um eine bedächtige Insti­tution handelt.  Es sind zwei junge Unter­nehmer, Rowan Hellier und Alex J. Eccleston, die Oper lieben und verstehen, dass man einem jungen Publikum etwas anderes als Staats­opern­dra­ma­turgie- und Ausstattung zeigen muss, um etwaige Hemmschwellen abzubauen. Im Klartext – die hohe Kunstform der Oper hautnah erleben in unkon­ven­tio­neller Umgebung zum Preis einer Kinokarte, später Anfang um halb elf am Abend.  Dabei kann man schon ab halb zehn in der impro­vi­sierten Hof-Bar auf bequemen, übergroßen Kissen oder Bänken seinen Drink nehmen.

Und das alles mit einem Anspruch an Qualität, der sich sehen lassen kann. Da es eine Privat­in­itiative ist, also so gut wie kein Budget vorhanden ist, wird eine verkürzte Version auf 70 Minuten des ursprünglich dreistün­digen Werkes angeboten. Soweit, so gut.  Bei der Produk­ti­ons­um­setzung zeigen sich die Veran­stalter kreativ: In den histo­ri­schen, nicht renovierten Räumlich­keiten der Alten Münze im Nikolai­viertel in Berlin wird der große Raum angemietet, wo vor kurzem noch eine multi­me­diale Kunst­au­stellung gezeigt wurde. Mit den aller­ein­fachsten Mitteln – einige Stege, Tische, Beleuch­tungs­körper und Projek­toren, die die in Berlin gefilmten Straßen­szenen auf alle Wände proji­zieren – kann es losgehen.

Alle Teilnehmer sind auch an anderen Berliner oder inter­na­tio­nalen Bühnen tätig. Bei diesem Projekt sind sie aus Überzeugung dabei und weil sie dem jungen Publikum ihre Liebe zur Oper vermitteln wollen. Dieses Engagement und diesen Enthu­si­asmus spürt man deutlich den ganzen Abend lang.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Händel schrieb das Oratorium 1707, und es wurde im gleichen Jahr in Rom urauf­ge­führt. Jedoch widmet er sich diesem Werk wiederholt, arbeitet es um und erweitert es. Die letzte Fassung wird 1757 im Londoner Covent Garden Theatre urauf­ge­führt. Es geht um die zeitlosen Themen der Ausein­an­der­setzung mit dem wahren Selbst angesichts der Unver­meid­barkeit von Verän­de­rungen und der Verwüstung der Zeit. Jugend und Schönheit sind vergänglich, dann kommt das Alter und dann der Tod.  Es ist sinnlos, sich dieser Abfolge zu wider­setzen. Also ein Thema, was heute genauso relevant wie damals ist. Der Librettist Thomas Morell hat diese philo­so­phi­schen Weisheiten in die Rollen der Schönheit, Wahrheit, Zeit und Enttäu­schung gedichtet: Die Schönheit begibt sich in ein Abenteuer der Entde­ckung surrealer Welten, in denen sie neugie­rigen Charak­teren begegnet, die sich als allego­rische Konzepte manifes­tieren. Freude und Zeit versuchen die Schönheit auf ihrer Reise zu bezaubern und zu verführen, bis Enttäu­schung und Tod die Folge sind …

Regis­seurin Julia Burbach nimmt ein stati­sches, barockes Oratorium und verwandelt es in leben­diges Theater. Zusammen mit dem Choreo­grafen Jo Meredith erarbeitet sie Szenen, die die offenen Flächen voll ausnutzen und den Darstellern viel körper­liche Wendigkeit abver­langen. Dass es zu visuellen Andeu­tungen zu den Bildern des surrealen Malers René Magritte kommt, ist bestimmt kein Zufall. Mit von der Partie ist Cécile Trémo­lières als Designerin, die mit ihren aus dem Vintage-Fundus gelie­henen Kostümen ABBA-würdige, bunte Kreationen zaubert.

Foto © Tina Dubrovsky

Die vier jungen Haupt­dar­steller überzeugen alle dank ihres totalen Engage­ments. Sopran Martha Eason ist die Schönheit, die sich selbst­ver­liebt ständig im Handspiegel bewundert.  Mit klarem und melodiösen Timbre begibt sie sich auf die Lebens­reise. Da trifft sie auch schon auf Mezzo Julia Dawson als Vergnügen, die sie mit rauchigen Tönen verführt. Adrian Strooper als Zeit, ganz in schwarz mit verschlei­ertem Hut,  mahnt mit seinem feintim­brierten, schlanken Tenor, dass die Zeit nicht aufzu­halten ist. Rowan Hellier ist die Enttäu­schung, die sich in das Leben einschleicht – hier als elegantes schwarz­weißes Pendant zur Zeit mit passenden, reumü­tigen Tönen.   Dazu kommen noch eine ganze Schar von stummen Rollen, die mit ausdrucks­starker Mimik und Tanz die Handlung begleiten.

Das acht Mitglieder starke musika­lische Ensemble unter der Leitung von Benjamin Bayl leidet unter den nicht vorhan­denen akusti­schen Gegeben­heiten des Raumes und kämpft tapfer dagegen an. Sicherlich käme die Schönheit der Händel­schen Kompo­sition in anderen Räumlich­keiten besser zur Geltung.

Es ist der Kiez-Oper sehr zu wünschen, dass sie weiter­macht und bald mehr Mittel findet, um mindestens einen Programm­zettel drucken zu können, damit die Zuschauer mitbe­kommen können, worum es geht. So oder so ist das Konzept aber erfolg­reich angekommen: randvoll ist der Saal in der Alten Münze mit vielleicht 200 Zuschauern, die gefühlt alle unter 35 sind und den Darstellern und Musikern am Ende enthu­si­as­tisch Beifall spendieren.

Zenaida des Aubris

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