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Vor drei Jahren gab Plácido Domingo im stolzen Alter von vierundsiebzig Jahren sein Rollendebüt als Giuseppe Verdis Macbeth an der Berliner Staatsoper im Schillertheater. Dafür wurde die 15-jährige Inszenierung von Peter Mussbach aus dem Fundus hervorgeholt und aufgefrischt. Drei Jahre später bekommt Domingo eine Neuproduktion der Oper spendiert, diesmal in dem in neualtem Glanz erstrahlenden Stammhaus Unter den Linden. Regie führt Altmeister Harry Kupfer, der Dirigent ist wie damals Daniel Barenboim. Und als Lady ist die um eine Generation jüngere Anna Netrebko aufgeboten, derentwegen das opernbegeisterte Berlin mehrheitlich Schlange steht.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Um es vorwegzunehmen: Domingo ist in blendender Form, mehr noch als 2015. Zu bestaunen ist das unverwechselbare, bronzene Timbre und die stimmliche Verve mit erstaunlich vielen Zwischentönen. Er agiert eher statuarisch, aber durch seine Bühnenpräsenz und die Intensität des Singens gelingt ihm ein eindringliches Rollenporträt des in Zweifeln und Ängsten verstrickten Macbeth, der der Dominanz der Lady nichts entgegenzusetzen zu hat und ihr immer noch verfallen ist. Was nur allzu verständlich ist, wird sie doch von Anna Netrebko verkörpert. Für die Sopranistin ist diese Partie wie maßgeschneidert, wie auch die eleganten Kostüme von Yan Tax. Sie füllt Verdis Wunschvorstellung, die Lady möge rau, erstickt und dunkel klingen, perfekt aus – bietet aber noch viel mehr. Welches Spektrum an Farben sie ihrer Stimme abgewinnt, wie sie hässliche Töne zulässt, aber genauso unvergleichlich schöne Passagen mit vollen Höhen produziert, ist grandios. Und eine in dieser Rolle aufgehende Darstellerin ist sie ohnehin. Was mit an Harry Kupfers psychologisch ausgefeilter, logischer Personenführung liegt, die eine der Stärken des Regisseurs ist.

Seine Sichtweise bietet zwar keine neuen Aspekte, doch ist sie im besten Sinne werkdienlich. Zu sehen ist ein bitterböses Drama um Machtspiele und seine Folgen, das in einer zeit- und ortsungebundenen Diktatur spielt – mit viel Militär, zackigen Aufmärschen und einleuchtend arrangierten Massenaufzügen, in denen der Staatsopernchor seine prächtige Klangkultur entfalten kann. Düsternis beherrscht die von Hans Schavernoch ausgestattete Bühne, deren Hauptmerkmal ein metallenes Gatter ist, das als durchlässige Wand oder Tür dient. Für visuelle Effekte sorgen die Videoprojektionen von Thomas Reimer, die mal Burgruinen, mal Schlachtfelder inklusive Bombeneinschlägen und brennende Verwüstungen zeigen. Warum allerdings die Ermordung von Banquo, dem Kwangchul Youn seinen profunden Bass leiht, vor einem Flugzeugfeld stattfindet, ist eine Merkwürdigkeit des Abends.
Daniel Barenboim entfacht mit der Staatskapelle dramatisch-wuchtige Leidenschaften, rasante Rhythmen und eine bisweilen gewaltige Dynamik, die das Haus erzittern lässt. Dass er auch ein einfühlsamer Begleiter sein kann, wird besonders in der Todesszene des Macbeth deutlich.
Nach der ausverkauften Vorstellung gibt es standing ovations. In der nächsten Saison wird Domingo wiederkehren, dann mit Ekaterina Semenchuk an seiner Seite.
Karin Coper