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DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN
(Leoš Janáček)
Besuch am
30. Juni 2018
(Premiere)
Es ist schon beachtlich, welch gewagten Herausforderungen sich die Aachener Musikhochschule voller Selbstbewusstsein stellt, wenn es zum Abschluss der Theatersaison mit einer eigenen Opern-Produktion auf die große Bühne des Aachener Theaters geht. Nicht weniger beachtlich, dass die Ergebnisse in den letzten Jahren durchweg gut ausgefallen sind. Und das trifft auch auf die jüngste Premiere zu, die Orchester und Sänger mit ganz besonderen Schwierigkeiten konfrontiert. Denn Leoš Janáčeks Musik zu seiner Oper Das schlaue Füchslein erfordert mit ihrer zersplitterten motivischen Textur höchste Flexibilität im Umgang mit Stimmungs- und Tempowechseln, die durch spezifische rhythmische Finessen noch erschwert werden. Schließlich orientieren sich die Gesangsstimmen hautnah an den melodischen und rhythmischen Bedingungen der tschechischen Originalsprache. Die musikalischen Probleme werden nicht geringer, wenn man, wie jetzt in Aachen, auf eine deutsche Übersetzung zurückgreift. Die Kompatibilität des deutschsprachigen Idioms mit Janáčeks Musik ist nicht einfach zu erreichen, auch wenn den Sängern das Erlernen des tschechischen Textes erspart bleibt.
Gleichwohl hat man Lösungen gefunden, die eine rundum zufriedenstellende, punktuell sogar hervorragende Produktion des schwierigen Werks ermöglichen. Das Orchester der Hochschule unter Leitung von Raimund Laufen lässt viel vom einzigartigen Kolorit der spezifischen Tonsprache Janáčeks hören. Und das mit beachtlicher Präzision, wobei eine mit perfekter Präzision ausgeführte Umsetzung der filigranen Partitur natürlich nicht erwartet werden kann.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dass die Hauptrollen so gut wie ausschließlich dem Nachwuchs aus dem Fernen Osten anvertraut werden, reflektiert die derzeitige Situation an den deutschen Musikhochschulen. Und das nicht zum Nachteil der Aufführung. Daegyun Jeong in der Rolle des Försters überzeugt durch eine geradezu charismatische Bühnenpräsenz, eine kerngesunde, voluminöse und sicher ansprechende Baritonstimme, verbunden mit einer guten Aussprache und einem differenzierten Rollenverständnis. Vorzüge, die im Wesentlichen auch auf die Sopranistin Yoonsoo Veronica Kil in der Titelrolle der Füchsin Schlaukopf zutreffen, auch wenn an ihrer Textverständlichkeit noch ein wenig gearbeitet werden könnte. Mit großer Emphase und ebensolcher Stimme, die lediglich in den wenigen dramatischen Ausbrüchen an ihre Grenzen gerät, gelingt auch Minyoung Kim als Fuchs eine vorzügliche Rollenstudie. Die vielen kleineren Rollen bieten den Studenten dankbare Aufgaben, sich auf der Bühne zu bewähren. Und das oft in Doppelrollen. Chancen, die die durchweg gut vorbereiteten Sängerinnen und Sänger mit großem Erfolg nutzen. Stellvertretend genannt seien hier Lea Müller als vorzüglich artikulierender Dackel, Bo Shi als robuster Landstreicher Haraschta und Chanho Lee als Dachs und Pfarrer. Nicht zu vergessen der Chor des Collegium Musicum der RWTH Aachen und der Aachener Kinderchor, der die Bühne mit einer üppigen Schar munter singender Fuchskinder belebt.

Tamara Heimbrock, die als Regieassistentin und Spielleiterin am Theater Aachen erfolgreich wirkte und mit einigen eigenen Inszenierungen überzeugen konnte, wird sich in der nächsten Spielzeit stärker in Hildesheim produzieren. In Erinnerung haften bleibt unter anderem ihre musikalisch feinfühlige, handwerklich sauber gearbeitete und inhaltlich ebenso dezent wie punktgenau erfasste Inszenierung von Glucks Orphée et Euridice vor zwei Jahren. Fähigkeiten, von denen auch ihre Janáček-Inszenierung und damit auch der Sängernachwuchs profitieren können. Die Geschichte von der Füchsin Schlaukopf, die den Förster an eine Frau erinnert, die sich in seiner Vorstellung zu einem Ideal verklärt, wobei sich die beiden Figuren immer wieder vermischen, erzählt Tamara Heimbrock erfrischend schlicht. Die menschliche Geliebte tritt nicht eigens in Erscheinung. Stattdessen ist die Titelfigur bereits durch Kostüm und Maske mit menschlichen und animalischen Zügen ausgestattet. Eine einfache, aber überzeugende Lösung. Die vielen, von Janáček liebevoll gezeichneten Figuren charakterisiert die Regisseurin nicht minder detailgenau und fantasievoll. Sowohl die vielen Waldbewohner vom Frosch bis zur Mücke, vom gackernden Hühnerhaufen ganz zu schweigen, sind zu nennen, als auch das menschliche Personal, mit dem der reife Janáček aus den Mündern des Pfarrers, des Lehrers und vor allem des Försters einen wehmütigen Einblick in die Gefühlswelt eines alternden Mannes erlaubt, der dem Kreislauf des Lebens abgeklärt zusieht.
Bühnenbildnerin Julie Weideli siedelt das Ganze in eine romantisch pittoreske Waldlandschaft an, in die die Wohnstube des Försters und das Wirtshaus organisch integriert werden. All das präsentiert sich ebenso schnörkellos und frei von konzeptionellen Überfrachtungen wie die Regie Heimbrocks.
Insgesamt eine erfreulich runde Sache auf beachtlichem künstlerischem Niveau mit angemessenem Unterhaltungswert und adäquatem Tiefgang. Entsprechend begeistert fällt der Beifall des Premierenpublikums aus.
Pedro Obiera