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Oper im Schneckentempo

DER VERSCHWUNDENE HOCHZEITER
(Klaus Lang)

Besuch am
24. Juli 2018
(Urauf­führung)

 

Bayreuther Festspiele, Bayreuther Reichshof

Diskurs nennt sich das Rahmen­pro­gramm, mit dem die Bayreuther Festspiele seit dem letzten Jahr den auf zehn Werke Richard Wagners beschränkten Spielplan des Festivals erweitern und ergänzen wollen. 2017 beschränkte man sich auf einige Konzerte und ein Symposium zum Thema Wagner und der Natio­nal­so­zia­lismus, diesmal setzte man am Vorabend der offizi­ellen Eröffnung mit der Urauf­führung eines statt­lichen Bühnen­werks einen besonders ehrgei­zigen Kontra­punkt zum Glanz der bevor­ste­henden Lohengrin-Premiere. Das Motto des diesjäh­rigen Diskurses, Verbot, bezieht sich vorder­gründig auf das Frage­verbot im Lohengrin und auf ein Tanzverbot in der neuen Oper Der verschwundene Hochzeiter von Klaus Lang, zielt letztlich jedoch auf die Frage der Kunst­freiheit ab, die im August in einem dreitä­gigen Symposium mit Teilnehmern wie Thea Dorn und Gerhart Baum erörtert wird.

Klaus Langs neue Oper berührt dieses Problem nur marginal. Statt­dessen gibt es stärkere Annähe­rungs­punkte zum Lohengrin unter dem Aspekt des Umgangs mit dem Fremden. Lang entschied sich für eine alte öster­rei­chische Sage um einen Bräutigam, der von einem Fremden zu dessen Hochzeit geladen wird. Auf seinem Weg zu dem Fest durch­streift er rätsel­hafte Landschaften, bis er zur Hochzeits­feier gelangt, auf der er nur tanzen darf, solange die Musik erklingt. Er wider­setzt sich dem Gebot, verliert sein Zeitgefühl und als er in sein Dorf zurück­kehrt, sind 300 Jahre verstrichen. Ein Stoff, in dem der Bräutigam aus zwei Perspek­tiven selbst zum Fremden wird. Einer­seits als Gast auf dem Fest, dessen Regeln er ignoriert, und als Rückkehrer, der vor verschlos­senen Türen steht.

Ein Stoff, der nicht gerade vor Bühnen­wirk­samkeit sprüht. Aber an einer handlungs­ori­en­tierten Oper mit gewohnten drama­tur­gi­schen Struk­turen sind Klaus Lang und Regisseur Paul Esterházy auch nicht inter­es­siert. Der Bayreuther Reichshof, ein ehema­liges Stumm­filmkino aus dem Jahr 1925, muss zwar als Ausweich­quartier herhalten, weil das vorge­sehene Markgräf­liche Opernhaus nicht zur Verfügung steht. Letztlich weist das Werk ohnehin eine stärkere Nähe zum Film als zu einer konven­tio­nellen Oper auf.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Man kommt mit zwei Figuren aus, den Bräutigam und den Fremden, die freilich durch ein Tanzpaar gedoubelt werden, so dass vier oft kaum identi­fi­zierbare Figuren für bewusste Verwirrung sorgen. Lang und Esterházy lassen die wie durch einen Schleier gefil­terten Umrisse der Handlung lediglich erahnen. Und alles in radikal entschleu­nigten Zeitab­läufen. Die Figuren bewegen sich in einer schat­ten­haften Aura in zeitlu­pen­hafter Langsamkeit, puppen­hafter Starre oder frieren gar zum reglosen Still­leben ein. Eine Schlüs­sel­rolle kommt dabei dem Einsatz des Video­künstlers Friedrich Zorn zu, der die vier Akteure auf verblüf­fende Weise unter­schiedlich scharf belichtet, so dass sie, wie im Film, zu schemen­haften Gespenstern mutieren und den realen Boden nicht nur zeitlich, sondern auch optisch verlassen.

Foto © Enrico Nawrath

Schade, dass die Bühne des Reichshofs relativ klein ist und die Feinheiten in den hinteren Reihen nur erahnt werden können. Klaus Lang verzichtet auf einen Dirigenten und flankiert das fabel­hafte Choren­semble Cantando Admont und das konge­niale Ictus Ensemble an den Seiten des Kinosaals. Zu hören ist ein andert­halb­stün­diges, meist zart säuselndes Klang­kon­tinuum, das sich ohne jede Hektik minima­lis­tisch verändert und in seiner Monotonie dazu beiträgt, dass auch dem Zuschauer das Zeitgefühl verlo­rengeht. Es spricht für Lang, dass sich trotz vieler Wieder­ho­lungen bloßer Leerlauf in Grenzen hält. Dass die insgesamt ein wenig esote­risch-anämisch anmutende Produktion einen ganz dicken Kontra­punkt zur vitalen Drama­turgie Richard Wagners setzt, ist durchaus gewollt und trifft die Absicht der Diskurs-Programme. Auch für das nächste Jahr ist ein Auftragswerk geplant.

Der Bassist Alexander Kiechle und der Counter­tenor Terry Wey lösen ihre überschau­baren gesang­lichen Aufgaben vorzüglich, die Tanz-Zwillinge Jiři und Otto Bubeníček bewegen sich als Doubles mit panto­mi­men­hafter Präzision.

Eine Oper im Schne­cken­tempo. Großer Beifall für ein inter­es­santes Experiment im Umfeld der Bayreuther Festspiele.

Ein schöner Erfolg auch für Klaus Lang und Paul Esterházy, die bereits 2003 in Aachen mit ihrer Oper Die Perser überzeugen konnten. Von 2000 bis 2005 leitete Esterházy als Intendant die Geschicke des Aachener Theaters.

Pedro Obiera

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