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Das Mysterium in der Dunkelkammer

TRISTAN UND ISOLDE
(Richard Wagner)

Besuch am
27. Juli 2018
(Premiere am 25. Juli 2015)

 

Bayreuther Festspiele, Festspielhaus

Es ist schon erstaunlich, wenn eine so harm- bis belanglose Lohengrin-Insze­nierung wie die von Yuval Sharon ohne einen einzigen Buh-Ruf bejubelt wird und Katharina Wagners gedie­gener Tristan-Produktion auch im vierten Jahr noch deutliche Proteste entge­gen­wehen. Demut vor der jüdischen Herkunft des Lohengrin-Regis­seurs und persön­liche Antipa­thien gegen die Festspiel­chefin scheinen hier künst­le­rische Argumente zu überlagern.

Das heißt nicht, dass man Katha­rinas Insze­nierung bedin­gungslos bejubeln muss. Offen­sichtlich gibt es beim Bayreuther Publikum zwischen strikter Ablehnung und undif­fe­ren­zierter Zustimmung kaum noch feinere Abstim­mungs-Fassetten. Die Handlungs­armut des Stücks wird durch die Festspiel-Leiterin geradezu kulti­viert und Jahr zu Jahr scheint die Regie den Licht­schalter auf der Bühne weiter zu drosseln. Wenn von einem Mysterium der Liebe geredet werden kann, dann in einer sehr finsteren Dunkelkammer.

Ansonsten ist szenisch nicht viel Neues zu vermelden: Menschlich soll es in Katharina Wagners Darstellung zugehen, nicht mysteriös und erst recht nicht verklärend. Für dieses Konzept musste zunächst König Marke seinen huldvollen Liebes­ver­zicht aufgeben. Er, eine an sich milde Vater­figur, tritt in Bayreuth in gleißendem Licht als herrsch­süch­tiger Diktator auf, der Isolde nach dem „Liebestod“ grob von der Leiche Tristans in sein Gemach zieht. Aller­dings entspricht der balsa­misch warm singende und auch agierende René Pape diesem Rollenbild weit weniger als Georg Zeppe­nfeld, der sich die Rolle in diesem Jahr mit Pape teilt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dem Einfluss Markes können sich die Getreuen des Paars, Brangäne und Kurwenal, nicht entziehen und werden geradezu neutra­li­siert. Sie spielen in der Insze­nierung eine blasse Rolle. Nur dem Einsatz von Christa Mayer ist es zu verdanken, dass sich die Brangäne immerhin noch ansatz­weise profi­lieren kann, wenn auch mit stark forcierten stimm­lichen Mitteln. Und das Liebespaar selbst braucht sich die Liebe natürlich nicht durch einen myste­riösen Liebes­trank „anzusaufen“. Demons­trativ gießt Isolde das Fläschchen aus. Trotz der stati­schen Perso­nen­führung gehen die beiden Protago­nisten mittler­weile intuitiv erheblich flexibler aufein­ander ein, so dass der blutleere Eindruck, den noch die Premiere prägte, gemildert wird.

Die Perso­nen­führung wird freilich durch das Bühnenbild deutlich einge­schränkt. Denn das undurch­dring­liche Labyrinth an Treppen, Aufgängen, Podesten und Aufzügen im ersten Akt engt den Bewegungs­freiraum der Figuren nahezu vollständig ein. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann erinnert entfernt an eine Schiffs­ta­kelage, in der die Figuren wie in einem streng konstru­ierten Spinnennetz zappeln. Und das in einer matt ausge­leuch­teten Dunkel­kammer in Kostümen, die sich farblich nur wenig vom düsteren Hinter­grund abheben.

Foto © Enrico Nawrath

Was den Verlust an Freiheit unter­streichen soll, schlägt sich optisch in einer kontra­pro­duk­tiven Bewegungs­lo­sigkeit nieder. Dass die gleiche Intention auch mit großen, freien, genial ausge­leuch­teten Räumen erreicht werden kann, hat seinerzeit Erich Wonder in Heiner Müllers Tristan-Insze­nierung bewiesen.

Das große Liebes­duett im zweiten Akt findet unter der Beobachtung der Schergen König Markes statt, die von einer hohen Balus­trade das Paar mit Schein­wer­fer­kegeln in die Enge treiben. Rätsel­hafte Stahl­ringe entpuppen sich als Gitter, an denen sich die Liebenden absichtlich verletzen. Warum, wird auch im vierten Jahr nicht deutlich. In totaler Finsternis durch­leidet Tristan im dritten Akt seine Fieber- und Liebes­qualen. Die Statik der Regie wird durch acht Erschei­nungen Isoldes aufge­lo­ckert, die in diversen Posen in dreieckigen Schau­kästen aufleuchten. Den Liebestod singt Isolde an der Toten­bahre Tristans, bevor Marke sie zurückzerrt.

Es sind ohnehin die musika­li­schen Meriten, die der Produktion einen gewissen Festspiel-Glanz verleihen. Und daran trägt Musik­di­rektor Christian Thielemann einen beträcht­lichen Anteil. Was bereits bei der Erst-Premiere für Aufsehen sorgte, scheint sich von Jahr zu Jahr zu stabi­li­sieren. Zu erleben ist ein glühender, perfekt ausge­leuch­teter Klang und ein immer strin­gen­terer Vorwärts­drang, wie wir ihn seit den Zeiten Karl Böhms kaum mehr gehört haben dürften. Die perfekte orches­trale Vorlage befeuern Stephen Gould und Petra Lang in den Titel­partien erneut zu Höchst­leis­tungen in idealer musika­li­scher Partner­schaft. Nimmt man die expressive, wenn auch stark forcie­rende Darstellung der Brangäne von Christa Mayer und den überragend präzis artiku­lie­renden Marke von René Pape hinzu, gehört der Tristan musika­lisch zu den Highlights der letzten Jahre.

Pedro Obiera

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