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DIE ITALIENERIN IN LONDON
(Domenico Cimarosa)
Besuch am
10. August 2018
(Premiere)
Die liebevoll restaurierte Anlage Schloss und Gutshof Britz im Berliner Stadtbezirk Neukölln ist das ganze Jahr über eine Besichtigung wert. In zwei Wochenenden im August aber gibt es seit über zehn Jahren eine zusätzliche Attraktion, die ein Publikum von nah und fern anlockt. Dann nämlich zieht die Sommeroper Festival Schloss Britz in den ehemaligen Kuhstall ein und bietet unterhaltsames Musiktheater auf hohem Niveau. Dabei setzt man nicht aufs Bewährte und Bekannte, sondern spielt Salieri, Paisiello oder Dittersdorf statt Mozart oder Rossini. Das Budget ist schmal, das Engagement des Teams aus professionellen Künstlern, Förderern und Mitarbeitern der bezirklichen Musikschule Paul Hindemith groß. Wofür beispielsweise spricht, dass die Instrumentallehrkräfte, die das Orchester bilden, trotz Urlaubs dem Projekt zur Verfügung stehen.
2018 sind die Britzer bei Domenico Cimarosa fündig geworden. Der 1749 geborene Italiener war im ausgehenden 18. Jahrhundert einer der führenden Opernkomponisten und ein Vielschreiber dazu. Bis heute hat sich aber nur Die heimliche Ehe im Repertoire gehalten. Selten gezeigt wird indes die 1778 uraufgeführte Buffo-Oper Die Italienerin in London, die Cimarosa europaweit bekannt machte und die in der behutsam aktualisierten deutschen Fassung von Bettina Barz und Jürgen Hinz ihre Berliner Premiere erlebt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Worum geht es? Die junge Italienerin Livia hat es bei der Suche nach ihrem verschollenen Bräutigam nach London verschlagen. Dort trifft sie auf die Kioskbesitzerin Miss Brillant und auch auf ihren Geliebten, der von seinem Vater wegen der nicht standesgemäßen Beziehung nach Jamaika geschickt wurde. Zwei weitere Verehrer mischen sich ein, von denen einer plötzlich glaubt, durch einen Zauberstein unsichtbar zu werden. Mit Hilfe von Miss Brillant findet sich das Paar, und auch sie selbst kommt unter die Haube. Die Story strotzt nur so vor Unwahrscheinlichkeiten, und genau die betont Regisseur Oliver Trautwein. Er macht aus der Oper eine absurde Nonsens-Komödie mit Slapstick-Einlagen, viel Situationskomik und Fantasie, ohne dabei in aufdringlichen Klamauk zu verfallen. Alexander Martynow hat die kleine Bühne geschickt in einen Londoner Bahnhof verwandelt. Die Gebäudeelemente sind aus Backstein, vorne links steht eine rote Telefonzelle, rechts die grün gestrichene, mit britischer Werbung beklebte Imbissbude, von oben herab hängt eine Uhr nebst Taube und bei der Einfahrt eines Zuges wechselt das Licht.

Das Ensemble muss sich erst warmsingen, ist aber szenisch vom ersten Moment putzmunter da und macht jeden Spaß und jede Aktion mit. Andrea Chudak, seit Beginn Stütze beim Britzer Opernsommer, steht, auch wenn sie nichts zu singen hat, im Mittelpunkt des Geschehens, ist als resolute Kioskbesitzerin und Strippenzieherin immer präsent und von überbordender Spiellust. Katharina Ajyba hat als Italienerin den sensibleren Part und füllt ihn gekonnt aus. Andreas Elias Post als Lord, Julian Rohde als holländischer Geschäftsmann und Tobias Hagge als kolumbianischer Obdachloser stellen jeder für sich eine individuelle Type dar und bilden zusammen ein witziges Männertrio. Urkomisches Talent zeigt Björn Wunsch in verschiedenen stummen Rollen. Mit stoischer Miene verkörpert er nacheinander Straßenfeger, Polizist, Hamlet, Amor und als Clou die Queen, die huldvoll über die Bühne schreitet.
Dirigent Stefan R. Kelber, der als südamerikanischer Straßenmusiker auch in die Szene integriert ist, sorgt mit dem bestens aufgelegten Orchester des Festivals Schloss Britz dafür, dass die Musik angesichts des szenischen Trubels nicht völlig in den Hintergrund gedrängt wird.
Das Publikum ist spürbar animiert und feiert bei der Premiere alle Mitwirkenden mit vielen Bravos. Vielleicht findet nächstes Jahr auch der neue Bezirksbürgermeister Martin Hikel den Weg zur Sommeroper, so wie bislang seine Vorgängerin, die zur Ministerin aufgestiegene Franziska Giffey.
Karin Coper