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Pique Dame mit Assen

PIQUE DAME
(Peter Iljitsch Tschaikowski)

Besuch am
17. August 2018
(Premiere am 5. August 2018)

 

Salzburger Festspiele, Festspielhaus

Gustav Mahler nannte das Werk das „reifste und artis­tisch gedie­genste Musikwerk Tschai­kowskis“. Pique Dame gilt in der Musik­wis­sen­schaft unstreitig als der Höhepunkt im Opern­schaffen des russi­schen Kompo­nisten und stellt seinen Sieg im Kampf um den eigenen Opernstil dar. Tschai­kowski gelang es meisterlich, jenen gespens­ti­schen, fantas­ti­schen Hinter­grund der Geschichte und die psycho­lo­gische Entwicklung des Offiziers Hermann in Musik zu verpacken. Zentrale Rolle spielen hier drei magische Karten, die der Gräfin und auch ihm Glück bringen sollten. Jetzt wird das Meisterwerk, dessen Libretto von Tschai­kowskis Bruder Modest nach einer Erzählung des russi­schen Dichters Alexander Puschkin stammt, bei den Salzburger Festspielen sehr erfolg­reich gezeigt.

Es war 2001, da wurde bei den Salzburger Festspielen die Johann-Strauß-Operette Die Fledermaus in der Regie von Hans Neuenfels mit seiner Frau Elisabeth Trisenaar als Gefäng­nis­wärter Frosch zum Skandal.  Das empörte Publikum reagierte nicht nur mit massivem Buh-Gebrüll bei jeder Aufführung, sondern gar mit Gerichts­klagen, um das Eintrittsgeld für eine Produktion, die nie und nimmer die Fledermaus wäre, wieder zurück­zu­be­kommen. Deswegen und auch wegen seines mehrjährig gezeigten Ratten-Lohengrin in Bayreuth, der aller­dings bald in den Kultstatus erhoben wurde, war nicht nur das Publikum ob der bevor­ste­henden Inter­pre­tation des Regis­seurs für die Tschai­kowski-Oper doch einiger­maßen verun­si­chert. Aber mitnichten: Der erwartete Skandal findet nicht statt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zu sehen sind zwar einige absurde Kostü­mie­rungen, die wieder von seinem Mitstreiter Reinhard von Tannen stammen: So ist der Chor einmal in absurde Badeanzüge mit verord­neten Schwimm­be­we­gungen gesteckt oder die Damen einmal mit überdi­men­sio­nalen Riesen­brüsten oder ein anderes Mal mit skurrilen, alten Kostümen und ebensolchen Kopfbe­de­ckungen ausstaf­fiert. Zu sehen sind auch einige provo­kante Ideen. So wird der uniform grau kostü­mierte Kinderchor in fahrbaren Gefäng­nissen herein­ge­führt und die Kinder dann von Erzie­he­rinnen an Leinen gehalten. Die Zarin Katharina erscheint als riesiges Skelett, offenbar eine Art Ansatz von Gesell­schafts­kritik. Insgesamt ist Neuenfels‘ Insze­nierung, in der er die Personen hochpro­fes­sionell und mit vielen Details führt, entgegen allen Erwar­tungen fast enttäu­schend unpro­vokant und normal. Neuenfels zeigt in einem dunkel gehal­tenen, gesichts­losen Kunstraum von Christian Schmidt, den er hochpro­fes­sionell nützt und der manchmal mit Projek­tionen angestrahlt wird, und fahrenden Bändern, die die Versatz­stücke und den Chor herein- und hinaus­be­fördern, eine morbide Gesell­schaft und Atmosphäre. Wenn es intimer werden soll, wird die riesige Bühne des Festspiel­hauses auch zu einem Guckkasten verkleinert. Hier landet der zwischen Spiel­sucht und Liebe zu Lisa gebeu­telte Hermann in einem grell­erleuch­teten, weißen Schlaf­zimmer, das eher wie ein Kranken­zimmer aussieht, und will der, nun ohne Perücke glatz­köp­figen Gräfin das Geheimnis der drei Karten entlocken. Die Szene, die mit ihrem Tod endet, hätte jedoch gespens­ti­scher und viel spannender gestaltet werden können.

Foto © Ruth Walz

Sehr gut besetzt und enorm spiel­freudig sind alle Sänge­rinnen und Sänger: Brandon Jovanovich hat den Hermann, in einer knall­roten, lächer­lichen Nussknacker-Uniform, sorgsam erarbeitet und formt sowohl darstel­le­risch als auch sänge­risch einen zwischen Spiel­sucht und Liebe Zerris­senen voll packender Leiden­schaft und Saft und Kraft. Seine extrem naiv gezeichnete Geliebte Lisa wird von Evgenia Muraveva mit dunkel timbriertem Sopran, aber mit schön entwi­ckelten Höhen verkörpert. Hanna Schwarz singt und spielt die geheim­nis­volle Gräfin großartig, sehr ausdrucks­stark und bleibt ihrer Partie nichts schuldig. Mit üppigem Vokal­glanz ist Vladislav Sulimsky ein kraft­voller Graf Tomski mit nobler Phrasierung. Igor Golova­tenko verleiht der eher blassen Gestalt des Fürsten Jeletzki starke Bühnen­präsenz und sehr edle und warme, baritonale Töne. Oskana Volkova singt die Polina ideal.

Motor und Herz der Aufführung ist wie schon im Vorjahr bei Dimitri Schost­a­ko­witschs Lady Macbeth von Mzensk einmal mehr Mariss Jansons: Der Dirigent lässt die Musik stets atmen und sorgt eindringlich mit den einfach herrlich aufspie­lenden Wiener Philhar­mo­nikern mit vollem Engagement und inten­siver, nie versie­gender Energie für eine spannende und packende Wiedergabe bis zur letzten Note. Er vermag zu fordern und mit sugges­tiven Gesten das Orchester, das mit heraus­ra­genden Strei­chern und präzisem Blech brilliert, zu Höchst­leis­tungen zu animieren. Er bekommt auch jedes Mal vom Publikum für seine Leistung den größten Applaus.

Am Schluss will der Jubel kein Ende nehmen. Es ist wahrlich ein glanz­voller und quali­tativ hochwer­tiger Opern­abend, absolut nach dem Geschmack des Publikums.

Helmut Christian Mayer

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