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Foto © Kerstin Behrendt

Vom Streetdance zum Tanztheater

TANZ IM AUGUST
(Festival)

Besuch im
August 2018

 

Sophiensäle, Hebbel am Ufer, Festspielhaus, Berlin

Neun Vorstel­lungen alleine am Samstag, weiter die tradi­tio­nelle, viertägige Tanznacht in den Uferstudios, in denen Berliner Choreo­gra­finnen und Choreo­graphen Werke vorstellen und zum Austausch einladen und am Ende die Feier des 40-jährigen Bestehens der Tanzfabrik: Am dritten Wochenende von Tanz im August haben Tanzbe­geis­terte die Qual der Wahl.

Drei Produk­tionen zeigen auf sehr unter­schied­liche Art, dass sich die Street-Dance-Szene mittler­weile einen Platz im bürger­lichen Kultur­be­trieb erobert hat. Mit dem positiven Ergebnis, dass sich neue Besucher­schichten angesprochen fühlen. Den Auftakt macht in den Sophien­sälen die Deutsch­land­pre­miere des austra­li­schen Duos Between Tiny Cities von Nick Power. Inmitten der Besucher, die sich um eine kreis­runde Spiel­fläche verteilen, taxieren und belauern sich die beiden Tänzern Aaron Lim und Erak Mith. Mit immer waghal­si­geren Break-Dance-Varianten, durch­setzt mit asiati­schen Kampf­sport­ele­menten, fordern sie sich gegen­seitig heraus, bis es zum wilden tänze­ri­schen Zweikampf kommt, der kongenial durch den pulsie­renden Sound von Jack Prester unter­strichen wird. Nach einem kurzen Innehalten ändert sich die Stimmung. Mith singt ein Kinderlied aus Kambo­dscha, die Musik wird sanfter und auch die Gesten der beiden immer zärtlicher, bis sie sich umschlingen und umarmen. Between Tiny Cities ist ein wunder­schönes, bravourös darge­bo­tenes Duett, das davon erzählt, wie zwei Konkur­renten aus unter­schied­lichen Milieus durch den Tanz Gemein­sam­keiten entdecken.

Größer dimen­sio­niert geht es im Haus der Festspiele zu. Hier stellt die Compagnie Käfig aus Frank­reich ihre Kreation Pixel vor und beschert Tanz im August einen überwäl­ti­genden Erfolg. Der Choreograf Mourad Merzouki lotet in seinem Stück die Verbindung zwischen realem Theater und digitalen Projek­tionen mit einen Feuerwerk an Einfällen aus. Compu­ter­pixel simulieren Sterne, Flocken oder Wellen und bilden einen magischen Kosmos. Die elf Performer – zehn Tänzer und eine Akrobatin – verschmelzen mit den virtu­ellen Anima­tionen, spielen mit ihnen oder reagieren auf sie. Ihre Inter­ak­tionen gehen nahtlos in virtuose Tanz-Sequenzen und Zirkus­nummern über, begleitet von Armand Amars spiri­tuell-soghafter Musik. Zu einem der schönsten Momente gerät der sinnlich-poetische Pas de deux zwischen der Schlan­genfrau-Artistin Elodie Chan und dem Break­dancer Kader Belmoktar. Zwei Stile, die unter­schied­licher nicht sein könnten, gehen in Merzoukis Choreo­grafie eine magische Verbindung ein. Die Show, in der Traum und Wirklichkeit verschwimmen, verzaubert das hinge­rissene Publikum und löst standing ovations aus.

Foto © Julian Mommert

Zum Abschluss der Street-Dance-Trilogie zeigen der brasi­lia­nische Choreograf Bruno Beltrão und seine Kompanie Grupo de Rua im Haus der Festspiele ihr aktuelles Stück INOAH, das auf die korrupten Verhält­nisse in ihrer Heimat anspielt. Dieser gesell­schaft­liche Hinter­grund wird zwar nicht konkret abgebildet, doch sprechen die dunkle Bühne und die wummernde Klang­un­ter­malung für sich. In diesem gefäng­nis­ar­tigen Raum, in dem nur ein oberhalb verlau­fendes Band mit Himmel- und Wolken­mo­tiven die Außenwelt imagi­niert, herrscht eine aufge­ladene Spannung. Zehn Tänzer, mal zu zweit, mal zu mehreren, vollführen Kampf­ri­tuale, in denen Hip-Hop- und Break­dance-Merkmale erkennbar sind. Manchmal erstarren sie in Posen und bewegen sich mit zuckenden Gliedern nur noch roboterhaft, als ob sie ständig unter Hochdruck stünden. Beein­dru­ckend ist die Körper­präsenz der Truppe, ihre physische, nicht nachlas­sende Energie und die virtuosen Drehungen und Überschläge. INOAH ist ein finsteres Stück in finsteren Zeiten, das wenig Hoffnung für die Zukunft verspricht.

Mit Tanz im herkömm­lichen Sinne hat das Zweiper­so­nen­stück Titans von Euripides Laska­ridis, das im HAU 2 gezeigt wird, wenig zu tun, mehr dafür mit absurdem Theater. Die mytho­lo­gi­schen Titanen sind bei Laska­ridis zwei bizarre Kreaturen, die sich als letzte Überle­bende in einer düsteren Mondland­schaft, in der nur noch Reste von ehema­liger Zivili­sation zeugen, einge­richtet haben. Die erste – von Laska­ridis selbst verkörpert – trägt aufge­setzte Brüste und einen schwan­geren Bauch, ist aufge­takelt, aber unbestimmten Geschlechts. Sie umwirbt die andere – Dimitris Matsoukas – ein in durch­sichtige Gaze einge­hülltes, gesichts­loses Wesen. Man sieht den beiden bei Alltags­ver­rich­tungen zu, beim Fegen, Blumen gießen oder bei handwerk­lichen Arbeiten mit Styro­por­platten und schmunzelt beim Slapstick mit Leucht­röhren. Die anein­an­der­ge­reihten Aktionen fügen sich zu einer irritie­renden Groteske zusammen, die manchmal witzig, manchmal aber auch schwer fassbar ist. Was den Gesamt­ein­druck jedoch erheblich beein­trächtigt, ist der aus verfrem­deten, überschrillen Wortcol­lagen bestehende Dauersound.

Pure Lebens- und Sinnes­freude strahlt das im HAU 1 urauf­ge­führte Stück Chats­worth von Constanza Macras aus. Es spielt im titel­ge­benden Township nahe der südafri­ka­ni­schen Stadt Durban, wo sich indische Einwan­derer während der Apartheid ansiedeln mussten, und handelt vom Leben in der Diaspora. Fragen, wie weit Anpassung gehen soll oder die eigene Kultur bewahrt werden kann, präsen­tiert Macras als flotte Ethno-Revue mit leichter Hand und ohne jegliche Tristesse, wenn auch mit kriti­schen Unter­tönen. Zur Akzen­tu­ierung sind kurze biogra­fische Erzäh­lungen und Videos über Townships einge­woben. Szenen wie im Bollywood-Film, von Shampa Gopikrishna choreo­gra­fiert, spielen eine wichtige Rolle, aber auch Musicals wie Anatevka oder West Side Story werden zitiert. Chats­worth ist stilis­tisch so vielfarbig wie ein Kalei­doskop. Dass die Aufführung so umwerfend gelingt, ist nicht zuletzt Macras‘ fabel­hafter Gruppe Dorkypark zu verdanken. Die zwölf Mitwir­kenden strotzen nur so vor Vitalität, stürmen singend und tanzend durch das Stück und werden dafür zu Recht heftig umjubelt.

Am kommenden Wochenende ist Endspurt beim Tanz im August: Zum Finale  kommt das Tanztheater Wuppertal erstmals mit einem Stück nach Berlin, das nicht von Pina Bausch stammt, und zur Abschluss­ver­an­staltung begibt sich die katalo­nische Gruppe Cia Vero Cendoya auf einen Sport­platz, wo fünf Tänze­rinnen mit fünf Fußball­spielern zu einem Match zusammentreffen.

Karin Coper

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