O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
SOLOS
(Adrienn Hód)
Besuch am
29. August 2018
(Einmalige Aufführung)
Die Internationale Tanzmesse NRW hat ihre Pforten geöffnet. Für die zahlreichen Gäste steht als erster Punkt gleich ein Knüller auf dem Plan. Das neue Balletthaus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg interessiert sie alle. Und so ist es, hört man, am Nachmittag hoffnungslos überlaufen.
Neben den Messeständen im Ehrenhof, die tagsüber dem Fachpublikum zur Verfügung stehen, ist in diesem Jahr das Tanzhaus NRW zum Zentrum der Tanzmesse erkoren, dass außerdem um das angrenzende Capitol-Theater erweitert wird. Eine kluge Entscheidung. Am Abend summt es dort wie im Bienenstock. Eine herrliche Atmosphäre. Demgegenüber steht ein eher niedriger Organisationsgrad. Eine zentrale Anlaufstelle, geschweige denn Ansprechpartner sind nicht auszumachen. Der Zeitplan läuft vollkommen aus dem Ruder – und fast muss man schon glücklich darüber sein, denn Pausen zwischen den Aufführungen sind plangemäß nicht vorgesehen. Dass sich bei der Fülle des Angebots parallel laufende Veranstaltungen kaum vermeiden lassen, ist schon ärgerlich genug, aber wohl unvermeidlich.
Am späteren Abend tritt im Studio 6 des Tanzhauses die ungarische Compagnie Hodworks auf. Ungarn gehört nicht zu den Ländern, die man gleich auf dem Zettel hat, wenn man über zeitgenössischen Tanz spricht. Umso interessanter, was Choreografin Adrienn Hód mit ihrer Compagnie präsentieren will. Solos nennt sie ihr Werk. Das Studio 6 ist mächtig aufgeputzt. Die Tribüne ist verschwunden, stattdessen sind Stühle um eine Tanzfläche aufgereiht. Die an den Traversen aufgehängten Scheinwerfer vermitteln Putzlicht-Stimmung. Und daran wird Miklós Mervel, der für das Lichtdesign verantwortlich zeichnet, im Laufe der Vorstellung auch nicht viel ändern. Die Grundidee ist so schlicht wie überzeugend. Die Soli verschiedener Tänzer sollen aneinandergereiht ein neues Ganzes ergeben – und bestenfalls in der Summe mehr erreichen als die einzelnen Teile zusammengenommen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Csaba Molnár eröffnet den Reigen mehr oder minder kurzer Auftritte im Leibchen mit schwarzer, kurzer Trikothose. Er macht die Spannung des tänzerischen Körpers zum Thema. In der Überanstrengung schon fast beängstigend. Im anschließenden Auftritt als Kopie von Borat zeigt er im Badeanzug ebenso viel Haut. Wer aber mit dem Slapstick-Türken nicht so viel anfangen kann, der bleibt auch hier mit seiner Begeisterung etwas zurück. Molnár liebt Zitate. In einem späteren Solo hat er einen Auftritt als schwuler Afficionado, der eine Tänzerin anhimmelt, ehe er, in alle möglichen Felle verpackt, Musical-Themen singt. Bei Tänzern ist das mit dem Gesang so eine Sache, aber das Publikum nimmt die Versuche mit Humor.
Mit einem Fell-Imitat – so ist zu hoffen – beginnt auch Marcio Kerber Canabarro seine kleine Serie. In Unterwäsche kämpft er gegen dieses Fell, tauscht es tänzerisch gegen die Bekleidung. Später vertieft er sich mit einer Besucherin in einer meditativen Begegnung. Ein Spannungsbruch, der noch stärker wirkt als bei dem Redeschwall von Molnár. Die dramaturgischen Einbrüche heben die Soli von Emese Cuhorka umso stärker hervor. Umrahmen, betonen sie gleichsam.

Cuhorka arbeitet als Tänzerin, Choreografin und Schauspielerin – und am liebsten in allen drei Berufen gleichzeitig. Im ersten Auftritt rezitiert sie im Trikot offenbar aus einem Tagebuch oder Poesiealbum, im darauffolgenden und stärksten Solo hat der schwarze, enganliegende Anzug nur ein Schulterteil, so dass die Brüste nach den ersten zwei Bewegungen entblößt werden. Martialisch wirkt die Gaze-Maske, die den Kopf umhüllt. Die Texte werden zweitrangig, weil der Auftritt als solcher eine unglaubliche Intensität ausstrahlt. Dass sie sich im dritten Solo als Eva im Paradies vollständig nackt präsentiert, entbehrt angesichts eines attraktiven Körpers, der im vorderen und hinteren Lendenbereich jeweils mit einem Tattoo verziert ist, nicht einer gewissen Erotik, vielleicht auch, weil ein Körper in tänzerischer Grundspannung immer faszinierend wirkt, lässt aber die Nacktheit natürlich erscheinen.
Ábris Gryllus ist für eine Musik zuständig, die vom entspannten Bar-Song bis zu rhythmischer Computermusik reicht. Die Konserve bietet aber wenig Eigenständiges, sondern dient der Untermalung. Was ja durchaus legitim ist und sich auch mal wohltuend vom üblichen ätherischen Rauschen abhebt.
Was sich hier, ein wenig abseits vom Hauptgeschehen, abspielt, macht sehr neugierig auf die Entwicklungen der Tanzszene in Europa. Auch und vielleicht sogar vor allem in den Ländern, die weniger präsent im üblichen Tagesgeschehen sind. Ist nicht ganz so aufregend wie Gruppen aus dem asiatischen Raum einzuladen, könnte aber zum europäischen Verständnis weitaus mehr beitragen. Das internationale Publikum dieses Abends jedenfalls applaudiert herzlich und angetan.
Michael S. Zerban