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Foto © Mischa Jackl

Briten im Volksbad

DIDO AND AENEAS
THE RAPE OF LUCRETIA

(Henry Purcell, Benjamin Britten)

Besuch am
6. September 2018
(Premiere am 31. August 2018)

 

Opera Incognita, Müllersches Volksbad, München

Wieder einmal kehrt Opera Incognita an das Müllersche Volksbad mit einer neuen Produktion zurück. Der verträumte Jugend­stilbau, ein archi­tek­to­ni­sches Juwel, entspricht dem Anspruch des künst­le­ri­schen Teams, außer­ge­wöhn­liche Opern in außer­ge­wöhn­lichem Ambiente in außer­ge­wöhn­lichen Insze­nie­rungen aufzuführen.

Die gespielten Werke sollen eine szenische und musika­lische Heraus­for­derung an das etablierte, aber auch junge Publikum sein. Durch die enge, langjährige Zusam­men­arbeit des Regis­seurs Andreas Wiedemann und des Dirigenten, Kompo­nisten und Kirchen­mu­sikers Ernst Bartmann entstehen immer wieder höchst kreative, eindrucks­volle Schöp­fungen, die mit und von einem engagierten, talen­tierten Team aus jungen Musikern und Sängern ausdrucks­stark und überzeugend umgesetzt werden. Dabei verstärken die Auffüh­rungsorte die stimmungs­volle Wirkung. Das hat sich in den letzten Jahren herum­ge­sprochen, und die Veran­stal­tungen berei­chern das Kultur­leben und genießen Kultstatus. Die Karten sind hochbe­gehrt und zumeist durch die Größe des Veran­stal­tungs­ortes stark beschränkt. So auch für die aktuelle Produktion. Das Jugend­stilbad wird zur antiken Therme und Event­lo­cation des hedonis­ti­schen alten Roms. Zwei britische Opern aus unter­schied­lichen Epochen, aber mit histo­ri­schem Bezug werden zu einem integrierten Kunstwerk. Dido und Aeneas von Henry Purcell beschreibt die Liebes­tra­gödie der griechi­schen Mytho­logie zwischen der unseligen Dido, Königin von Karthago, und Aeneas, dem gestran­deten troja­ni­schen Helden, der einen Auftrag der Götter erfüllen muss und dafür seine Liebe zu Dido opfert, die sich im Schmerz in Tränen verzehrt. Benjamin Brittens The rape of Lucretia widmet sich der Geschichte der tugend­haften, keuschen Lucretia, die vom eifer­süch­tigen Tarquinius, dem Prinzen von Rom, verge­waltigt wird und letztlich von der Schande gebrochen Selbstmord begeht. Zwei Frauen­schicksale, die Stoff für eine Oper bieten und von der Regie kunstvoll inein­ander verwoben wurden, dass es optisch harmo­nisch stimmig und musika­lisch berührend wirkt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Am Beginn steht Brittens The Rape of Lucretia, und die beiden Erzähler führen das Publikum ein. Die Etrusker beherr­schen Rom unter der Führung Tarquinius Superbus. Colla­tinus, einer seiner Generäle, und seine Geliebte Lucretia veran­stalten ein Gelage für dessen Sohn Tarquinius Sextus, Prinz von Rom. Zu seinen Ehren wird ein Singspiel über Aeneas, dem Gründer Roms und seiner Liebe zu Dido aufge­führt. Hier folgt die Handlung nun der Oper Purcells. Dido, Königin von Karthago, bespricht mit ihren Freun­dinnen auf der kunst­vollen Becken­brüstung ihre Liebe zu Aeneas, der auf der Flucht an Land gespült wurde und obwohl er ihre Liebe erwidert, von den Göttern zum Aufbruch gerufen wird. Wasser spielt in der Geschichte eine Rolle, und das gibt es im vollen Becken des Volksbads genug. Hoch steigen die Wände zur kunst­vollen Kuppel hinan, die kleinen Wellen­be­we­gungen spielen mit ihrem Spiegelbild an den Wänden im Licht­schatten. Auf der Galerie, um das Becken und im Becken wird gespielt, geschwommen, gesprungen und vor allem gesungen. Die jungen Sänger werden in dieser Produktion gefordert, aber das Außer­ge­wöhn­liche scheint sie zu beflügeln. Es ist auch die Nähe zum Publikum, das dicht­ge­drängt auf zwei engen Stuhl­reihen bis nah ans Wasser postiert ist. Für beide ein ungewohntes Gefühl mit dem beson­deren Etwas, wie zumeist bei den Produk­tionen von Opera Incognita.

Foto © Mischa Jackl

Nachdem Dido die letzte Träne das Abschieds vergossen hat, kehren wir an den römischen Hof und zu Britten zurück. Die Musik der beiden briti­schen Musik­gi­ganten verzahnt sich ohne große Brüche. Wie Rezitative wirkt der Sprech­gesang der Erzähler und reiht sich in die barocke Tradition ein. Polyphonie und Disso­nanzen verpackt er geschickt in schlichte melodiöse Umman­te­lungen. Keine Wucht liegt in der Musik, sondern subtile, themen­artige Andeu­tungen bilden facet­ten­reich die musika­lische Schil­derung des furcht­baren Verbre­chens, das geistvoll herauf­be­schworen wird. Wild und bewegungs­reich gestaltet sich der aussichtslose Kampf und die Verge­wal­tigung im Wasser. Und noch einmal kehrt Purcell zurück und Lucretia und Dido sind vereint im Selbstmord.

Das junge Sänger­ensemble und der kleine, aber stimm­starke Chor verein­nahmen in den nahezu drei Stunden das Publikum. Frauke Mayer hat bereits in anderen Produk­tionen von Opera Incognita mitge­wirkt. Hier schenkt sie den beiden Heldinnen Leben mit ihrem hellen, reinen Mezzo, der auch Kanten und Kraft zeigt, aber auch weiche, sichere Kolora­turen. Vanessa Fasoli und Franziska Zwink beein­drucken mit jungen, nuancen­reichen, technisch bestens ausge­bil­deten Stimmen in jeweils verschie­denen Rollen. Herfinnur Arnjabal gestaltet Aeneas und Junius mit warmem Bariton.

Ernst Bartmann hat am Pult alles fest im Griff. Das kleine Orchester nähert sich der Barock–   als auch der zeitge­nös­si­schen Musik selbst­be­wusst und den akusti­schen Verhält­nissen geboten. Auf der Empore sitzend, erfüllt der Klang das Gebäude ohne missge­lei­teten Widerhall oder Überfluss. Das Tempo ist hierfür bewusst langsam gewählt. Der Spannung tut das keinen Abbruch, und das begeis­terte Publikum überschwemmt die Künstler mit klatschendem Lob. Eine Bestä­tigung und Auffor­derung, das intel­li­gente Konzept in außer­ge­wöhn­lichen Insze­nie­rungen fortzusetzen.

Helmut Pitsch

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