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Die Eröffnungspremiere der Aachener Opern-Saison steht ganz im Zeichen des neuen Generalmusikdirektors, der sich mit Giuseppe Verdis La Forza del destino einer besonders heiklen Aufgabe stellt. Ein Stück mit einer schwierigen Entstehungsgeschichte und etlichen formalen und musikalischen Brüchen. Am Pult des Aachener Sinfonieorchesters steht ab jetzt Christopher Ward. Geboren 1980 in London, wechselte er nach Studien und ersten praktischen Gehversuchen in Oxford und Glasgow mit 25 Jahren als Kapellmeister an das Staatstheater Kassel. Es folgten Assistenzen bei Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern sowie bei Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper. Zuletzt wirkte er als Erster Kapellmeister am Staatstheater Saarbrücken.
Die unwürdigen Umstände, unter denen Wards Vorgänger Kazem Abdullah überraschend seinen Hut nehmen musste, sind am Premierenabend im ausverkauften Aachener Theater vergessen. Bereits in der Ouvertüre zeigt Ward eine ausgeprägt eigenwillige Handschrift, die nicht frei von effektbetonten Extremen ist. In den dynamischen Höhepunkten öffnet er alle Schleusen des Orchesters, so dass die Blechbläser ungefiltert jede klangliche Balance außer Kraft setzen. Ein Problem, mit dem auch Wards Vorgänger inklusive des immer noch in bester Erinnerung gehaltenen Marcus Bosch zu kämpfen hatten, die allerdings nicht so unbekümmert damit umgingen wie Ward. Nicht minder extrem setzt er lyrische, ans Süßliche grenzende Akzente und in den Tempi lässt er es lieber betont langsam und schnell angehen als moderat.
Das wirkt insgesamt noch unausgeglichen, wobei ihm der stilistische Mix, den Verdi gerade in dieser Oper anrichtet, die Aufgabe nicht erleichtert. Wie etliche seiner Schmerzenskinder hat Verdi auch Die Macht des Schicksals verschiedenen Bearbeitungen unterworfen, die aber die dramaturgischen und musikalischen Brüche nicht kitten konnten. Wobei man die seltsame Verquickung von tragischer Oper und ironisch burlesken Elementen auch als Zeichen eines entfernt modernen Opern-Modells sehen kann.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Regisseur Jarg Pataki lässt in seinen theoretischen Erläuterungen diese Ansicht anklingen, lässt den Gedanken freilich keine Taten folgen und inszeniert das Werk statisch und brav.
Dabei bietet die gewählte Erstfassung der Uraufführung von St. Petersburg aus dem Jahre 1862 besonders dankbare Chancen, die irritierenden Risse des Stücks herauszuarbeiten. Denn der in dieser Version geradezu brutal düstere Schluss, in dem sich Don Alvaro über den Leichen seiner Geliebten Leonora und deren Bruder Don Carlo die Kehle durchschneidet und Verdi ohne jede tröstende Verklärung mit ein paar derben Akkorden den Vorhang fallen lässt, kontrastiert besonders scharf zu den bissigen Auftritten des Frau Melitone und der zynischen Idealisierung des Soldatenlebens durch Preziosilla mit dem originellen Rataplan-Chor. Doch diese Chance lässt Pataki ungenutzt, wobei der Ansatz, zu den Rataplan-Hymnen ein wenig Kriegsschauder zu verbreiten, wie vieles andere zu harmlos bleibt.
In den düsteren, sperrigen und gewölbeartigen Kulissen von Mathias Baudry führt Pataki die Figuren gediegen durch den langen Abend. Die Drehbühne rotiert fleißig und Dirk Sarach-Craig bringt mit seiner virtuosen Lichtregie mehr Bewegung auf die Bühne als der Regisseur. So wird viel gestanden und gesessen, wobei das komplexe Bühnenbild die Protagonisten immer wieder in Nischen zwängt, was die Bewegungsmöglichkeiten zusätzlich einschränkt.

Arturo Martin, als gebürtiger Mexikaner ein Seelenverwandter des Mestizen Don Alvaro, verfügt über eine ausreichend große Stimme, um die dramatische Partie durchzustehen. Auch wenn er gesundheitlich nicht topfit ist und sich nach der Pause Konditionsschwächen einstellen, bietet er die beste Leistung des Abends, wenn man von Woong-jo Choi als Padre Guardiano absieht, der sich mit seinem tiefschwarzen und makellos geführten Bass als Sänger von internationalem Format präsentiert.
Julia Mintzer als Preziosilla überzeugt mit ihrer Bühnenpräsenz und sauber geführten Stimme, die sich allerdings nicht immer gegen das Orchester durchsetzen kann. Und Martijn Sanders drückt als Frau Melitone an Boshaftigkeit und schillernder Hintergründigkeit vieles von dem stimmlich aus, was ihm szenisch versagt bleibt. Hrólfur Saemundsson bringt für den Don Carlo eine kräftige Bariton-Stimme mit, die freilich zu eindimensional und statisch geführt wird. Und die verdienstvolle und vom Publikum stets überschwänglich gefeierte Irina Popova singt die Leonora mit einer Hingabe, als ginge es auch real um Leben und Tod. Allerdings hat ihr selbstloser und nicht immer schonender Umgang mit ihrer Stimme, mit der sie in den letzten Jahren eine Riesenpartie nach anderen stemmte, Verschleißerscheinungen hinterlassen. Neben Tönen von inniger Zart- und Schönheit schleichen sich vermehrt Klänge von unschöner Härte ein.
Der aufgestockte Opernchor gehört zu den verlässlichen Kräften der Produktion, auch wenn die eigenwilligen Tempi des Dirigenten am Premierenabend noch zu kleineren Wackelkontakten mit dem Orchester führen.
Das Aachener Premierenpublikum überschüttet Christopher Ward, Irina Popova und Woong-jo Choi mit Begeisterungsstürmen und applaudiert dem szenischen Team mit wohlwollender Zurückhaltung.
Pedro Obiera