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Foto © Will van Iersel

Die Macht der Drehbühne

LA FORZA DEL DESTINO
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
10. September 2018
(Premiere)

 

Theater Aachen

Die Eröff­nungs­pre­miere der Aachener Opern-Saison steht ganz im Zeichen des neuen General­mu­sik­di­rektors, der sich mit Giuseppe Verdis La Forza del destino einer besonders heiklen Aufgabe stellt. Ein Stück mit einer schwie­rigen Entste­hungs­ge­schichte und etlichen formalen und musika­li­schen Brüchen. Am Pult des Aachener Sinfo­nie­or­chesters steht ab jetzt Chris­topher Ward. Geboren 1980 in London, wechselte er nach Studien und ersten prakti­schen Gehver­suchen in Oxford und Glasgow mit 25 Jahren als Kapell­meister an das Staats­theater Kassel. Es folgten Assis­tenzen bei Simon Rattle und den Berliner Philhar­mo­nikern sowie bei Kent Nagano an der Bayeri­schen Staatsoper. Zuletzt wirkte er als Erster Kapell­meister am Staats­theater Saarbrücken.

Die unwür­digen Umstände, unter denen Wards Vorgänger Kazem Abdullah überra­schend seinen Hut nehmen musste, sind am Premie­ren­abend im ausver­kauften Aachener Theater vergessen. Bereits in der Ouvertüre zeigt Ward eine ausge­prägt eigen­willige Handschrift, die nicht frei von effekt­be­tonten Extremen ist. In den dynami­schen Höhepunkten öffnet er alle Schleusen des Orchesters, so dass die Blech­bläser ungefiltert jede klang­liche Balance außer Kraft setzen. Ein Problem, mit dem auch Wards Vorgänger inklusive des immer noch in bester Erinnerung gehal­tenen Marcus Bosch zu kämpfen hatten, die aller­dings nicht so unbekümmert damit umgingen wie Ward. Nicht minder extrem setzt er lyrische, ans Süßliche grenzende Akzente und in den Tempi lässt er es lieber betont langsam und schnell angehen als moderat.

Das wirkt insgesamt noch unaus­ge­glichen, wobei ihm der stilis­tische Mix, den Verdi gerade in dieser Oper anrichtet, die Aufgabe nicht erleichtert. Wie etliche seiner Schmer­zens­kinder hat Verdi auch Die Macht des Schicksals verschie­denen Bearbei­tungen unter­worfen, die aber die drama­tur­gi­schen und musika­li­schen Brüche nicht kitten konnten. Wobei man die seltsame Verqui­ckung von tragi­scher Oper und ironisch burlesken Elementen auch als Zeichen eines entfernt modernen Opern-Modells sehen kann.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Regisseur Jarg Pataki lässt in seinen theore­ti­schen Erläu­te­rungen diese Ansicht anklingen, lässt den Gedanken freilich keine Taten folgen und insze­niert das Werk statisch und brav.

Dabei bietet die gewählte Erstfassung der Urauf­führung von St. Petersburg aus dem Jahre 1862 besonders dankbare Chancen, die irritie­renden Risse des Stücks heraus­zu­ar­beiten. Denn der in dieser Version geradezu brutal düstere Schluss, in dem sich Don Alvaro über den Leichen seiner Geliebten Leonora und deren Bruder Don Carlo die Kehle durch­schneidet und Verdi ohne jede tröstende Verklärung mit ein paar derben Akkorden den Vorhang fallen lässt, kontras­tiert besonders scharf zu den bissigen Auftritten des Frau Melitone und der zynischen Ideali­sierung des Solda­ten­lebens durch Preziosilla mit dem origi­nellen Rataplan-Chor. Doch diese Chance lässt Pataki ungenutzt, wobei der Ansatz, zu den Rataplan-Hymnen ein wenig Kriegs­schauder zu verbreiten, wie vieles andere zu harmlos bleibt.

In den düsteren, sperrigen und gewöl­be­ar­tigen Kulissen von Mathias Baudry führt Pataki die Figuren gediegen durch den langen Abend. Die Drehbühne rotiert fleißig und Dirk Sarach-Craig bringt mit seiner virtuosen Licht­regie mehr Bewegung auf die Bühne als der Regisseur. So wird viel gestanden und gesessen, wobei das komplexe Bühnenbild die Protago­nisten immer wieder in Nischen zwängt, was die Bewegungs­mög­lich­keiten zusätzlich einschränkt.

Foto © Will van Iersel

Arturo Martin, als gebür­tiger Mexikaner ein Seelen­ver­wandter des Mestizen Don Alvaro, verfügt über eine ausrei­chend große Stimme, um die drama­tische Partie durch­zu­stehen. Auch wenn er gesund­heitlich nicht topfit ist und sich nach der Pause Kondi­ti­ons­schwächen einstellen, bietet er die beste Leistung des Abends, wenn man von Woong-jo Choi als Padre Guardiano absieht, der sich mit seinem tiefschwarzen und makellos geführten Bass als Sänger von inter­na­tio­nalem Format präsentiert.

Julia Mintzer als Preziosilla überzeugt mit ihrer Bühnen­präsenz und sauber geführten Stimme, die sich aller­dings nicht immer gegen das Orchester durch­setzen kann. Und Martijn Sanders drückt als Frau Melitone an Boshaf­tigkeit und schil­lernder Hinter­grün­digkeit vieles von dem stimmlich aus, was ihm szenisch versagt bleibt. Hrólfur Saemundsson bringt für den Don Carlo eine kräftige Bariton-Stimme mit, die freilich zu eindi­men­sional und statisch geführt wird. Und die verdienst­volle und vom Publikum stets überschwänglich gefeierte Irina Popova singt die Leonora mit einer Hingabe, als ginge es auch real um Leben und Tod. Aller­dings hat ihr selbst­loser und nicht immer schonender Umgang mit ihrer Stimme, mit der sie in den letzten Jahren eine Riesen­partie nach anderen stemmte, Verschleiß­erschei­nungen hinter­lassen. Neben Tönen von inniger Zart- und Schönheit schleichen sich vermehrt Klänge von unschöner Härte ein.

Der aufge­stockte Opernchor gehört zu den verläss­lichen Kräften der Produktion, auch wenn die eigen­wil­ligen Tempi des Dirigenten am Premie­ren­abend noch zu kleineren Wackel­kon­takten mit dem Orchester führen.

Das Aachener Premie­ren­pu­blikum überschüttet Chris­topher Ward, Irina Popova und Woong-jo Choi mit Begeis­te­rungs­stürmen und applau­diert dem szeni­schen Team mit wohlwol­lender Zurückhaltung.

Pedro Obiera

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