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Foto © Claudia Scheer van Erp

Stillstand unter dem Weidegrund

WERTHER
(Jules Massenet)

Besuch am
8. September 2018
(Premiere)

 

Oper Wuppertal, Histo­rische Stadthalle

Es ist gewiss reizvoll, wenn sich die im Aufwind befind­liche Wupper­taler Oper neuen medialen Techniken, speziell der Video­kunst, öffnet. In der letzten Saison ergaben sich so inter­es­sante Resultate im Umgang mit einer Barock-Oper von Caccini und einem Cage-Projekt. Was freilich zum Auftakt der Saison zu Jules Massenets Goethe-Oper Werther gezeigt wird, kann den rundum konzer­tanten Rahmen der Produktion nicht aufwerten. Das Video-Kollektiv fettFilm belässt es bei der Projektion eines idylli­schen Wiesen-Bildes, das sich im Laufe der Jahres­zeiten verändert und gelegentlich durch einige Einblen­dungen von Tanz- und anderen Genre-Szenen ergänzt wird. Brav einge­rahmt wie der „Röhrende Hirsch“ prangt es wie ein bieder­mei­er­liches Acces­soire über der Bühne. Eine statische Illus­tration, die durch die offenbar nicht vorhandene Perso­nen­regie in der Histo­ri­schen Stadt­halle in keiner Weise belebt wird. Die Solisten in konven­tio­neller Abend­gar­derobe postieren sich vor dem Orchester und deuten ein paar Gesten an. Und zwar so verlegen, dass man auch auf sie verzichten könnte. Worin der Beitrag von Karin Kotzbauer-Bode zur „szeni­schen Konzeption“ bestehen soll, bleibt ein Geheimnis.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Musika­lisch sorgt John Nelson am Pult des Wupper­taler Sinfo­niero­chesters vor allem für kräftige Töne, die die Sänger nicht immer schonen. Immerhin gelingt dadurch eine spürbare Steigerung der drama­ti­schen Entwicklung bis zum Freitod Werthers. Dem orches­tralen Druck halten die nahezu ausschließlich aus eigenen Reihen besetzten Solisten vorbildlich stand. Sangmin Jeon setzt als Werther mit seinem mühelos anspre­chenden, flexiblen und dennoch durch­set­zungs­starken Tenor der Produktion ein Glanz­licht auf. Dem steht Catriona Morison als Charlotte kaum nach. Und da auch Simon Stricker als Albert und Ralitsa Ralinova als Sophie keine Wünsche offen­lassen, kann man sich angesichts der dürftigen szeni­schen Umsetzung wenigstens an gesang­lichen Bestleis­tungen erfreuen.

Das Publikum in der nicht ausver­kauften Stadt­halle reagiert entspre­chend begeistert auf die musika­li­schen Meriten. Insgesamt ein weiteres Beispiel dafür, dass konzer­tanten Produk­tionen auch mit techni­schen Mätzchen nicht zu helfen ist und im Grunde in einem gut funktio­nie­renden Opern­be­trieb auch nichts zu suchen haben.

Pedro Obiera

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