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SCHWANENGESANG
(Franz Schubert)
Besuch am
11. September 2018
(Premiere)
Versteckt im Münchner Großstadttrubel bietet das Einstein-Kultur-Zentrum außergewöhnliche Räume für außergewöhnliche Veranstaltungen. In einem Innenhof mit einem schlichten, modernen Eingang gelangt der Besucher durch einen langen Kellergang zu großen Gewölben, die einen besonderen Reiz ausstrahlen. Eine Location für das neue Klassikfestival Hidalgo, das sich Außergewöhnlichem verschrieben hat.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Unter dem Titel Schwanengesang widmet sich der vierte Festivalabend junger Künstler für junges Publikum wiederum dem klassischen Liedgesang und packt ihn in neue Kleider. Mit Schwanengesang wird meist das letzte Werk eines Musikers oder Dichters bezeichnet, aber auch die letzten Handlungen von Personen allgemein. Der Begriff ist in der griechischen Mythologie begründet, die besagt, dass Schwäne vor ihrem Tod nochmals, von Todesahnung beseelt, zu einen letzten traurigen, aber umso berührenderen Gesang ansetzen. So beschreibt auch Ovid in seinen Metamorphosen das Schicksal von Cyknos, der den Tod seines treuen Freundes Phaeton im Hain besingt und von den Göttern in einen Schwan verwandelt wird. Eine andere antike Fabel beschreibt das Treffen des Schwans mit dem Raben, der das weiße prächtige Federkleid des Schwanes besitzen möchte.
Diese Begegnung ist Ausgangspunkt des Konzeptes der jungen Regisseurin Giulia Giammona und gestalterischer Handlungsrahmen des Abends. Dramaturgische Mittel sind neben dem letzten Gesangswerk Franz Schuberts gesprochene Texte verschiedener moderner und klassischer Dichter wie Ovid oder Aesop. Dazu schafft die Bühnenbildnerin Anna Schöttl eine luftige Raumgestaltung aus herunterhängenden weißen, transparenten Tüchern, die sich bei Berührung mit Wasser zersetzen.

Endlich werden die Besucher in den lang gestreckten Raum mit rundem Tonnengewölbe, alles in naturbelassenen Ziegel eingelassen. Wer Lust hat, setzt sich auf den Boden oder flaniert durch den Raum, wandelt auch mal durch das kleine Labyrinth aus den hängenden Tüchern. An einem Saalende sitzt Edgar Wiersocki am Flügel und unterhält mit klassischen Transpositionen aus Franz Schuberts Schwanengesang, bis langsam David Ristau als Schwan, in dicke weiße Daunen gesteckt, bildhaft an der Wand herantreibt. Sein eher kläglicher Gesang mit Vibrato und wenig Nuance wird mit technischen Mitteln zwischendurch verfremdet, die Klavierbegleitung auch durch elektronische Musik ergänzt. Gina Lisa Maiwald übernimmt als Schauspielerin den Part des Raben. Der Sinn und Inhalt des Gespräches ist für den Betrachter nicht wirklich nachvollziehbar oder logisch im Bezug zu den Liedtexten. Aber das ist beabsichtigt. Das Zusammenspiel der beiden ist eindrucksvoll und gestenreich. Es werden auch bewusst keine Antworten gegeben, sondern Rabe und Schwan verlassen den Raum getrennt durch die zwei Türen, die offen stehen bleiben. Eine Aufforderung, den Gedanken freien Lauf zu geben oder einfach nur den Raum zu verlassen.
Wieder ist ein Versuch der Neugestaltung klassischer Aufführungspraxis zu Ende gegangen. Diesmal inhaltsreich und in der Darstellung breit angelegt mit Text, elektronischer Musik und Handlung. Zahlreich ist das durchgängig junge Publikum erschienen und folgt dem Projekt still und aufmerksam. Es zeigt sich ebenso ergriffen von der Wort- und Tongewalt der Liedkunst Franz Schuberts wie das traditionelle Publikum im Konzertsaal, aber nimmt auch die moderne Werkgestaltung mit viel Sympathie und Beifall auf.
Die inhaltliche Auseinandersetzung und das daraus abgeleitete Konzept dokumentieren die profunde Auseinandersetzung des Teams mit dem Werk, und die mutige Umsetzung mit ein paar Mängeln muss anerkannt werden.
Helmut Pitsch