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Foto © Oliver Berg

Kloß im Hals

MADAMA BUTTERFLY
(Giacomo Puccini)

Besuch am
15. September 2018
(Premiere)

 

Theater Münster

Für den Saison­beginn hat sich das Theater Münster einen schweren Stoff ausge­sucht. Puccinis Madama Butterfly ist eine Oper, die den Zuschauern mit dem letzten Ton betroffen zurück­lässt. Sicher, da kann sowohl musika­lisch als auch szenisch zuvor noch eine Menge schiefgehen.

In Münster haben Regisseur Hans Walter Richter und Dramaturg Ronny Schulz insofern alles richtig gemacht, weil sie falschen japani­schen Kitsch ausblenden und sich auf die Tragödie der Cio-Cio-San konzen­trieren. Eine junge Frau, die als kleines Mädchen den Selbstmord ihres Vaters beobachten musste, zerbricht nach und nach an diesem Trauma. Richter hat für seine ausge­feilte Perso­nen­führung genau hingehört und hinge­schaut. Ein 15-jähriges Mädchen kann die Sängerin Kristi Anna Isene bei allem Einsatz nicht mehr verkörpern, wohl aber die Naivität einer Jugend­lichen. Nachdem der Offizier Pinkerton, dem sie zwangs­ver­hei­ratet wurde, nicht mehr zurück nach Japan kommt, bleibt ihr nur noch der Wunsch­ge­danke, dass dieser zweite bedeu­tende Mann in ihrem Leben wieder heimkehrt. Doch dessen Rückkehr – mit einer neuen Frau an seiner Seite – ist für sie der endgültige Zusam­men­bruch, als sie ihren gemein­samen Sohn ihrem Mann mitgeben muss.

Auf der einen Seite erzählt Richter die Geschichte sehr gradlinig und mit Blick auf die Gesell­schaft, in der Cio-Cio-San lebt. Korrupt und verdorben sind die Menschen um sie herum, angeführt vom schmie­rigen Heirats­ver­mittler Goro. Man kassiert gerne den ameri­ka­ni­schen Dollar­segen, den der angewi­derte Pinkerton mitbringt. Gleich­zeitig wendet man sich empört ab, wenn der buddhis­tische Onkel es verlangt. Das alles passiert in einem sehr hektisch erzählten ersten Akt, in dem nicht ein Hauch von Wärme über die Bühne von Bernhardt Niechotz huscht. Der hat eine Art Seelenraum entworfen, angelehnt an einen japani­schen Pavillon. Der schmucklose Container, der sich als zukünf­tiges Heim der Butterfly herab­senkt, macht das Elend erst recht perfekt.

Auf der anderen Seite bringt Richter auch eine psycho­lo­gische Ebene in die Handlung ein, indem er den Sohn der Butterfly gegen­wärtig und zukünftig auftreten lässt. Respekt für Vico Große-Onnebrink, der den dreijäh­rigen Sohn spielt und den psycho­ti­schen Schwan­kungen seiner Mutter ausge­setzt ist. Jörg Dufhues kehrt als erwach­sener Rucksack­tourist an den Ort des Geschehens zurück und versucht, sein Trauma aufzu­ar­beiten. Bis auf wenige Ausnahmen fügen sich die Erzähl­stränge sehr sauber und vor allem auch sehr nüchtern und nicht zu psycho­lo­gisch und theatra­lisch überfrachtet zusammen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Golo Berg, General­mu­sik­di­rektor am Theater Münster in seiner zweiten Saison, setzt da mit dem Sinfo­nie­or­chester deutlich mehr Pathos ein, ohne je eine Schmerz­grenze zu überschreiten. Außerdem hat er auch ein Händchen für die schönen, leisen Momente des zweiten und dritten Aktes. Hier scheinen die Instru­men­ta­listen auch die Partitur erobert zu haben. Im ersten Akt klingt vieles spröde und ungenau. Die Balance mit der Bühne will nicht so recht passen. Vor allem nicht bei Garrie Davislim, der womöglich zu wenig Substanz für den Pinkerton mitbringt. Auch wünscht man sich etwas mehr tenoralen Schmelz. So richtig springt bei ihm der Funke nicht über. Dagegen weiß Pascal Herington aus seiner unsym­pa­thi­schen Rolle des Goro richtig viel heraus­zu­holen, auch wenn nicht alles schön klingt. Die vielen Neben­rollen sind aus den Reihen des Opern­chors besetzt. Der unter der Leitung von Inna Batyuk stehende Opernchor ist wie immer sehr engagiert, wirkte aber in der Vergan­genheit schon souve­räner. Seinen besten Moment, den so schwe­relos angesetzten Summchor, kann er nicht bis zum Ende durchziehen.

Foto © Oliver Berg

Filippo Bettoschi trägt die Mahnungen und die Entrüstung des Konsul Sharpless mit viel Nachdruck vor. Als Dienerin Suzuki gibt es ein Wieder­sehen und ‑hören mit Judith Gennrich, die bis 2012 geschätztes Ensem­ble­mit­glied war und auch bei ihrer Rückkehr als Gast wieder vorbe­haltlos überzeugt. Wenngleich die drama­tische Höhe nicht das Aushän­ge­schild von Kristi Anna Isenes Sopran ist, wird sie der großen Verant­wortung in der Rolle der Madama Butterfly mehr als nur gerecht. Ihre Stimme liegt über dem Orchester und weiß jede Phrase inhaltlich auszu­drücken und dazu auch noch sehr intensiv und vielschichtig zu spielen. Das ist eine Meister­leistung, die am Ende von einem premie­ren­wür­digen Publikum gefeiert wird. Konzen­triert und ruhig wird zugehört, am Ende wird lange und diffe­ren­ziert geklatscht, die standing ovations gehören ja mittler­weile in Münster dazu. Das größte Kompliment machen die Zuschauer den Akteuren mit den wenigen Sekunden Stille nach dem letzten drama­ti­schen Ton. Zuerst muss der Kloß runter­ge­schluckt werden, dann wird applau­diert. Die Oper hat Wirkung hinter­lassen – das zählt!

Christoph Broermann

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