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Ein Hauch von Comedian Harmonists

MY FAIR LADY
(Frederick Loewe)

Besuch am
21. September 2018
(Premiere)

 

Theater Bielefeld

Für den Saison­auftakt hat sich das Theater Bielefeld einen Evergreen der Musical­ge­schichte ausge­sucht und hat quasi noch vor der Premiere das berühmte kleene Stückchen Glück. Für alle Vorstel­lungen von My Fair Lady in diesem Jahr gibt es – wenn überhaupt – nur noch verein­zelte Karten. Unter das Premie­ren­pu­blikum haben sich auch jüngere Mädchen gemischt, die ihren Eltern doch manch überraschten Blick zuwerfen, wie sich der Phone­tiker Professor Henry Higgins über das Blumen­mädchen Eliza, über ihre Sprache und über Frauen im Allge­meinen äußert. Ja, im 21. Jahrhundert schaut man noch mal anders auf den Stoff und entdeckt aktuelle Diskus­sionen, die man im Jahr der New Yorker Urauf­führung, 1956, höchstens hinter vorge­hal­tener Hand geführt hat. Im zweiten Teil gibt es dann die Genug­tuung, wenn immer mehr deutlich wird, dass sich Higgins in sein einstiges Versuchs­objekt verliebt hat.

In Bielefeld geht man das Musical ganz tradi­tionell an und hat das Glück, dass Ulv Jakobsen mit einem optischen Augen­schmaus aufwartet. Eine Kulisse auf der Drehbühne, die auf der einen Seite das Wohnzimmer von Higgins zeigt und auf der anderen Seite eine flexible Außen­fassade für die Straßen­szenen. Das Ganze kann auch noch schnell abgebaut und in den Bühnen­hin­ter­grund gezogen werden. Mit einem präzisen Timing, das wichtig ist für den flüssigen Ablauf eines Musicals, laufen die Umbauten ab und auch die Choreo­grafien von Thomas Klotz werden auf den Punkt serviert, ohne dass der Abend zu einer albernen Tanzver­an­staltung verkommt. Regisseur Thomas Winter geht die Handlung in einer Rückblende an, einsetzend am Ende, wenn Higgins über den ersten Besuch von Eliza in seinem Haus sinniert. Von dort an wird flüssig durch­er­zählt, die musika­li­schen Einlagen geschickt mit den Dialogen verbunden. Gesprochen bezie­hungs­weise gesungen wird in der deutschen Übersetzung von Robert Gilbert, in dem der wunderbare Berliner Dialekt auf Hochdeutsch trifft.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das Aller­wich­tigste ist aber, dass man einfach sieht und hört, dass die Akteure ihr Publikum unter­halten wollen. Sie scheinen sich in den Kostümen von Jakobsen auch richtig wohl zu fühlen. Er kann sich auch auf diesem Sektor stilvoll austoben. Die dreckige Straßen­kleidung im Kontrast zum eleganten Abend­outfit, die extra­va­gante Garderobe für das Escort-Rennen samt der herrlichen Hüte, dazwi­schen Higgins die meiste Zeit in seinem Tweed-Anzug. Kleider machen eben Leute, und der von Hagen Enke einstu­dierte Biele­felder Opernchor absol­viert seine Rollen­wechsel mit Hingabe, zumal sich auch viele Chormit­glieder mit kleinen solis­ti­schen Einlagen einbringen können.

Die Inter­aktion mit den Haupt­rollen funktio­niert bestens, zumal die sehr passend besetzt sind. Theresa Christahl vollzieht die Entwicklung der Eliza mit Bravour, anfangs herrlich jammernd und gleich­zeitig mit der richtigen Straßen­schläue. Dazu eine sehr schöne Stimme, mit der sie die Linien von Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht ausfüllen kann. Alexander Franzen kehrt als Higgins den unsym­pa­thi­schen Kotzbrocken raus und lässt gleich­zeitig immer wieder durch­blicken, wie sehr das sein Schutz­schild vor echten Gefühlen ist. Kai Hufnagel darf sich als sein Wettpartner Oberst Hugh Pickering verständ­nis­voller und empathi­scher zeigen. Wunderbar mit engli­scher Ausstrahlung besetzt sind die Haushäl­terin Ms Pearce und Higgins‘ Mutter mit Melanie Kreuter und Monika Mayer.

Foto © Bettina Stöß

Zwei der großen Hits des Musicals – Mit ’nem kleenen Stückchen Glück und Bringt mich pünktlich zum Altar – gehören Elizas Vater Alfred P. Doolittle, und das Bühnentier Dirk Audehm nutzt seine Chance, die mit dem richtigen Händchen für Text, Musik und Komik zu servieren. Und wenn Lorin Wey wunder­schön schmierend und schmachtend In der Straße, mein Schatz, wo du lebst vorträgt, dann weht ein Hauch der Comedian Harmo­nists durch das Stadt­theater. Ein ganz schlimmer Ohrwurm …

Unter der Leitung von William Ward Murta, der die Tempi für eine hohe Textver­ständ­lichkeit bewusst breit wählt, präsen­tieren sich die Biele­felder Philhar­mo­niker mit dem Klang eines versierten Tanzor­chesters. Stellen­weise hapert es noch ein wenig im Rhyth­mus­wechsel, aber das wird sich über die kommenden Vorstel­lungen einspielen. Etwas nachbessern sollte das Theater noch in der Tonab­mi­schung. Auch wenn die elektro­nische Verstärkung an sich recht gut klingt, kommt es häufig vor, dass letzt­endlich der Ton des Orchesters über dem der Sänger liegt und die in den Hinter­grund drückt.

Murta und der für das Licht zuständige Johann Kaiser nutzen die Vorspiele zum ersten und zweiten Teil, um das Publikum langsam an den Musical­abend heran­zu­führen. Die Zuschauer empfinden diese Teile als U‑Musik und inter­pre­tieren den Begriff so, dass man sich noch laut unter­halten darf, während die Instru­mente schon die ersten Schlager vorweg­nehmen. Wenn dann auf der Bühne gesprochen wird, ist zum Glück Ruhe. Der Applaus ist schließlich voller Begeis­terung und bestätigt das, was der Karten­vor­verkauf schon voraus­geahnt hat: My Fair Lady ist ein Saisonerfolg.

Christoph Broermann

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