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Auf der Müllhalde der Zivilisation

MARE NOSTRUM
(Mauricio Kagel)

Besuch am
26. September 2018
(Premiere am 23. September 2018)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Es ist erstaunlich, dass Mauricio Kagels Musik­theater Mare Nostrum seit seiner Berliner Urauf­führung 1975 nicht ein einziges Mal in Köln zu sehen war. Schließlich hat Kagel als Komponist und Dozent das Kölner Musik­leben über Jahrzehnte mitge­prägt. Immerhin gedachte die Kölner Oper jetzt seines zehnten Todestags und eröffnete ihre Saison mit einer ehrgei­zigen Produktion des verges­senen Stücks, die freilich erkennen lässt, warum es in der Schublade verwunden ist.

Die Story ist noch recht pfiffig angelegt: Kagel stellt die Geschichte der Eroberung Amerikas auf den Kopf und lässt „Amazonier“ in Europa einfallen, um die hiesigen unzivi­li­sierten Völker zu missio­nieren. Mit den gleichen Methoden samt Zuckerbrot und Peitsche wie seinerzeit die Konquis­ta­doren. Ein Unter­fangen, das freilich schief geht.

Und schief geht auch die Umsetzung, an der auch die hyper­aktive Insze­nierung von Valentin Schwarz nichts ändern kann. Zu sehr ist das Stück den 1970-er Jahren verbunden, in denen neben den dogma­ti­schen Diktaten strenger Reihen­tech­niker wie Stock­hausen und Boulez Kompo­nisten wie Mauricio Kagel mit den Tradi­tionen des Musik­theaters spielten. Und das teilweise auf dem Niveau übermü­tiger Kinder­ge­burtstage. Ungeachtet der hohen musika­li­schen Anfor­de­rungen an die beiden Sänger und das sechs­köpfige Instru­men­tal­ensemble driftet Kagels Humor immer wieder in Bereiche ab, die das Thema auf die allzu leichte Schulter nehmen. Es hat zwar seine Reize, wenn der Amazonier und der ungezähmte Europäer in einer Video-Sequenz zu einem verball­hornten Arran­gement von Mozarts Türki­schem Marsch die Story der Entführung aus dem Serail nachspielen. Tragfähig sind solche Einfälle ebenso wenig wie die gesamte musika­lische Anlage des Stücks, die zwar mit vielen Effekten für die viel beschäf­tigte Schlag­wer­kerin aufwartet, aber mit wenig Substanz und noch weniger Hintergründigkeit.

Arnaud Arbet, geschminkt wie ein Indianer, leitet das mit Flöte, Oboe, Gitarre, Harfe, Violon­cello und Schlagzeug besetzte Ensemble sicher durch den 75-minütigen Abend. Und mit dem Counter­tenor Kai Wessel und dem Bariton Miljenko Turk sind der Europäer und Amazonier glänzend besetzt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Valentin Schwarz, der neben der Regie auch gleich die Ausstattung und die Video-Sequenzen besorgte, siedelt das Stück auf einem Müllhaufen der europäi­schen Geschichte an, wobei die Spiel­fläche weit in den Zuschau­erraum gezogen wird, so dass das Publikum dem Treiben von zwei Seiten folgen kann. Schwarz hält das Stück in rastloser Bewegung und unter­füttert es mit etlichen optischen Effekten von Blitz­salven bis zu Video-Projek­tionen. Retten kann der Einsatz die verlorene Liebensmüh nicht. Der Zahn der Zeit macht auch vor Mauricio Kagel nicht halt. Insgesamt eine eher halbherzige Referenz vor dem Kompo­nisten, von dem es lohnendere Stücke wie das Staats­theater, Aus Deutschland oder Die Erschöpfung der Welt zu retten gäbe, die aber einen erheblich größeren Aufwand erforderten.

Das Publikum reagiert mit freund­lichem Beifall auf die Kuriosität.

Pedro Obiera

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