O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Iko Freese

Totenkult und Realitätsverlust

DIE TOTE STADT
(Erich Wolfgang Korngold)

Besuch am
30. September 2018
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Mit Die Tote Stadt, 1923 gleich­zeitig in Hamburg und Köln urauf­ge­führt, gelang dem erst 23-jährigen Kompo­nisten Erich Wolfgang Korngold eine der größten Opern­er­folge der Goldenen Zwanziger. Das Stück wurde bis Anfang der 30-er Jahre auf fast alllen Bühnen vorwiegend im deutsch­spra­chigen Raum gespielt, mit damals berühmten Darstellern wie Maria Jeritza, Lotte Lehmann und Richard Tauber. Erst das Aufkommen des Natio­nal­so­zia­lismus stoppte seinen Siegeszug, der jüdisch­stämmige Korngold ging ins ameri­ka­nische Exil und baute sich beim Film in Hollywood eine zweite Karriere auf. Nach dem Krieg setzte erst zögerlich eine Renais­sance der Oper ein, doch mittler­weile ist sie im Spielplan keine Seltenheit mehr. 1983 insze­nierte sie Götz Friedrich an der Deutschen Oper Berlin und schon 2004 gab es am gleichen Ort unter Christian Thielemann eine weitere Produktion. Nun ist Die Tote Stadt auch in der Komischen Oper angekommen, wo das Oeuvre von im Dritten Reich verfolgten Kompo­nisten besonders gepflegt wird.

Die Tote Stadt ist die Geschichte einer Obsession und gleich­zeitig eine Elegie auf die belgische Stadt Brügge. Der Witwer Paul verwindet den Tod seiner Frau Marie nicht und verehrt sie wie eine Heilige. Die Ähnlichkeit der ihn aufsu­chenden Tänzerin Marietta mit der Verstor­benen bringt ihn dazu, ein Verhältnis mit ihr einzu­gehen. Als die lebens­lustige Frau ihn scheinbar betrügt, erwürgt er sie. Ob real oder im Traum, bleibt offen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Oper bezieht ihren Reiz aus der schil­lernden Klangwelt Korngolds und dem myste­riösen Geschehen, das zwischen Traum und Wirklichkeit oszil­liert und für viele Deutungen offen ist. Anders als Götz Friedrich, der die morbide Stimmung Brügges suggestiv in seine Insze­nierung einbezog, verzichtet Robert Carsen an der Komischen Oper auf alles Atmosphä­rische. Man sieht in ein von Michael Levine nüchtern ausge­stat­tetes Wohnschlaf­zimmer, in dem sich wie in einem Reliqui­en­schrein überall Erinne­rungs­stücke an Marie befinden. Im zweiten Akt öffnen sich die Wände, in der Mitte bleibt das gleiche Mobiliar, jetzt von Glitzer überzogen.

Der Regisseur konzen­triert sich ganz auf Pauls gestörte Innenwelt und seine patho­lo­gische Beziehung zu Marie bezie­hungs­weise Marietta. Er ist psychisch krank und beherrscht von Wahnvor­stel­lungen. Das wird erstmals deutlich beim Besuch des Freundes Frank, der Pauls Verhalten beobachtet und notiert. Der Trauerzug, die religiösen Visionen, das Treiben der Künst­ler­gruppe wie in einer Operet­ten­revue – in der die Tänzer der Komischen Oper einmal mehr ihre Klasse demons­trieren  – es sind verzerrte Wahrneh­mungen. Nach dem Mord wird Paul von einem Arzt und einer Kranken­schwester – es sind Frank und Brigitta – wegge­führt, vermutlich in eine Klinik.

Foto © Iko Freese

Die Tote Stadt ist für Carsens psycho­lo­gische Heran­ge­hens­weise eigentlich präde­sti­niert. Dennoch bleibt die Aufführung seltsam spannungslos. Zu kühl wirkt sie, zu routi­niert die Perso­nen­führung. Dabei sind Sara Jakubiak und Aleš Briscein Ideal­be­set­zungen für die Haupt­partien und vokal ganz vorzüglich. Die Sopra­nistin, die gerade erst in der Titel­partie von Korngolds Wunder der Heliane an der Deutschen Oper gefeiert wurde, ist auch für die Marietta mit ihrer strahlend biegsamen Stimme, der vibrie­renden Körper­lichkeit und sinnlichen Ausstrahlung die richtige Wahl. Großes leistet auch Aleš Briscein. Der Tenor bewältigt die kräfte­zeh­rende Partie des Paul bis zum Ende ohne Ermüdungs­er­schei­nungen, singt mit schönem Fluss und ungefähr­deten Höhen, dabei mitunter geschickt ins Falsett wechselnd. Günter Papendell verkörpert sowohl den Frank, als auch den Harlekin mit gewohnter Präsenz. Maria Fiselier wertet die Partie der Haushäl­terin Brigitta mit höhen­starkem Mezzo­sopran auf.

Der neue GMD Ainārs Rubiķis betont mit dem Orchester der Komischen Oper  den sinfo­ni­schen Rausch der üppigen Partitur. Er arbeitet dabei etliche instru­mentale Details heraus, erzeugt aber auch einen phonstarken Klang. Sänger­freundlich ist das nicht, zu häufig werden die Solisten überdeckt. Allein die beiden Schlager der Oper, Glück das mir verblieb und Mein Sehnen, mein Wähnen werden zu schwel­ge­ri­schen Ruhepolen.

Der Schluss­ap­plaus ist heftig, aber kurz.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: