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DON CARLOS
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
7. Oktober 2018
(Premiere am 31. September 2018)
Die Jüngsten sind gerade einmal 14, die Ältesten 19, die meisten 15 bis 17 Jahre jung. Vier Wochen der Sommerferien verbrachten die 72 Musikerinnen und Musiker des Landesjugendorchesters NRW im westfälischen Nottuln, um sich erstmals auf eine große Opernproduktion vorzubereiten. Der Griff zu Giuseppe Verdis Don Carlos mutet dabei verwegen an. Doch was Talent, Fleiß und unbändige Spielfreude bewirken können, zeigte sich in den vier rundum gelungenen Aufführungen in Lüdenscheid, Gent und zuletzt im rheinischen Düren.
Eine gewaltige Herausforderung stellt dabei nicht nur die extrem filigrane und fein gestrickte Musik Verdis dar, sondern auch die Koordination mit den Sängern und dem szenischen Team. Eine Herausforderung, die den Ehrgeiz der jungen Musiker offenbar noch zusätzlich anzustacheln scheint. Denn orchestral lässt die Aufführung kaum einen Wunsch offen. Dirigent Sebastian Trewinkel gelingt es, den dunkel timbrierten Klang des Orchesters, zu dem sich Verdi von den gedeckten Farben des Escorials inspirieren ließ, in goldbraunem Schimmer aufleuchten zu lassen. Nicht nur die spieltechnischen Anforderungen an jeden einzelnen Musiker wurden souverän erfüllt, auch das Zusammenspiel mit den Sängern bereitet keine nennenswerten Probleme. Hier zahlt sich die Kooperation des Orchesters mit dem WDR-Sinfonieorchester Köln aus, das eine Patenschaft übernommen hat und die Probenarbeit mit Musikern aus seinen Reihen unterstützt. Voraussetzungen, unter denen Trewinkel sowohl dem lyrischen Gusto als auch den verhalten dramatischen Attacken der Partitur vollauf gerecht werden kann.
Angesichts des Fassungs-Salats, den Verdi mit seinen sechs Versionen des Stücks hinterlassen hat, ist eine weitere Variante, die das Team der Kulturplattfom Zukunft Kultur erarbeitet hat, durchaus legitim. Man singt in der französischen Sprache der Pariser Uraufführung, greift aber auf eine vieraktige Version zurück, die auf zweieinhalb Stunden gekürzt wurde. Zum Opfer fällt unter anderem die große Autodafé-Szene. Ansonsten brauchte man kaum eine Perle der kostbaren Partitur zu vermissen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Zumindest ist alles enthalten, um die Konzeption der Inszenierung deutlich machen zu können. Don Carlos – Corridors of Power. Regisseur Bernd Schmitt geht es darum, Strukturen der Macht bloßzulegen. Eine schwierige Aufgabe, denn gerade im Don Carlos erweisen sich die Machtverhältnisse als überaus brüchig. Spielt Philipp II. seine Macht als kompromisslos handelnder König gegen die flandrischen Aufständischen selbstbewusst aus, zappelt er gleichzeitig hilflos im Spinnennetz der noch mächtigeren Inquisition. Und selbst ein Vasall wie der liberale Marquis Posa weist dem König moralische Grenzen. Der große Verlierer ist der Infant Don Carlos, der sich weder privat noch politisch gegen den Einfluss des königlichen Vaters durchsetzen kann. Schmitt und seine Ausstatterin Birgit Angele stecken ihn deshalb in ein Clownskostüm, und auch wenn er überlebt, strampelt er am Ende auf einem Standfahrrad einer ungewissen Zukunft entgegen, ohne einen Meter voranzukommen. Eine problematische, wenig optimistische Lösung. Umso schärfer wird in der Inszenierung die Position von Philipp als eiskaltem Machtmenschen und hilflosem Opfer zum Ausdruck gebracht. Dass die Partie des Großinquisitors von sechs Sängern chorisch gesungen wird, gehört zu den stärksten Momenten des Abends.

Dass Frieden und Terror in unmittelbarer Nachbarschaft existieren können, der Frieden jedoch ständig bedroht ist, drückt Birgit Angele mit ihrem zweigeteilten Bühnenbild aus, das zur Hälfte ein niedliches, aber aufmerksam mit den Augen zwinkerndes Rehkitz zeigt, dem zur anderen Hälfte ein Panzer zur Seite gestellt wird. Bisweilen wird auch in dem Kriegsgerät gesungen, wobei die Innenszenen auf das Rehkitz projiziert werden.
Wenn schon von Verwegenheit angesichts des orchestralen Parts gesprochen werden kann, schießen die vokalen Anforderungen geradezu in den Himmel. Zukunft Kultur kommt das Verdienst zu, nicht nur junge Sängerinnen und Sänger aus aller Herren Länder an große Aufgaben heranzuführen, sondern auch bevorzugt begabte Sänger aus Fluchtländern wie Syrien zu engagieren. Unter diesem Aspekt verdient auch die Solisten-Crew ein dickes Kompliment, obwohl hier naturgemäß einige Abstriche gemacht werden müssen. Alle Solisten erweisen sich als glänzend vorbereitet und werden den Aufgaben weitgehend gerecht. Dass die von Raymond Sepe angesichts der auch von etablierten Stars gefürchteten Partie des Don Carlos nicht ohne Anstrengung geleistet werden können, ist klar und verständlich. Das gilt auch für Cornelia Lanz in der halsbrecherischen Partie der Eboli, die selbst einer Christa Ludwig Probleme bereitete. Simon Stricker als Philipp II., Vladislav Pavliuk als Marquis Posa und Kirstin Ebner als Elisabeth können ihre von Verdi stimmenfreundlicher eingerichteten Partien stressfreier angehen.
Ein kühnes Experiment des Landesjugendorchesters, das zeigt, dass mit jugendlicher Begeisterung, beachtlichem Talent und zähem Fleiß fast jede Hürde zu überwinden ist. Gute Voraussetzungen, um sich im kommenden Jahr einem Projekt im Rahmen des 200. Geburtstags von Jacques Offenbach widmen zu können.
Pedro Obiera