O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Barocke Hits

RINALDO
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
13. Oktober 2018
(Premiere)

Hochschule für Musik und Theater Rostock, Foyer

Wenn Sie meinen, diese Oper noch nie gehört zu haben, dann irren Sie: Die Arie Lascia ch’io pianga ist eine der Top-10-Hits für Sopran im gängigen Opern­re­per­toire. Aber die gesamte Oper steht selten auf den Spiel­plänen. Warum eigentlich? 1711 als erste auf Italie­nisch geschriebene Oper für das englische Publikum von Händel kompo­niert, hat er viele seiner eigenen anderen Werke darin zitiert. Rinaldo wurde dann auch die populärste seiner Opern, während er noch lebte. Nach seinem Tod 1731 wurde sie über 200 Jahre vergessen.

Nun wird gerade Rinaldo an der Hochschule für Musik in Rostock ausge­wählt, um den Studie­renden der Gesangs- und Instru­men­tal­klassen die Möglichkeit zu geben, praktische Erfah­rungen zu sammeln, was alles dazugehört, eine Produktion von der Pike auf zur Bühne zu bringen. Praxis pur. Um allen Studie­renden eine Auftritts­mög­lichkeit zu geben, sind sechs Auffüh­rungen mit zwei Beset­zungen angesetzt – ein ambitio­niertes Projekt für die Hochschule.

Die Handlung von Rinaldo basiert lose auf Torquato Tassos Gerusa­lemme Liberata in der Zeit des Ersten Kreuz­zuges. Der adelige Ritter Rinaldo will seine geliebte Almirena, Tochter des Feldherren Goffredo, heiraten. Zuvor muss er sich aber beweisen, indem er an der Belagerung von Jerusalem teilnimmt, die von seinem Schwie­ger­vater in spe geleitet wird. Armida, Königin von Damaskus, will aber verhindern, dass die Bewohner der Stadt sich zum Chris­tentum von Goffredo bekehren lassen. Es finden allerlei Zaube­reien, Entfüh­rungen, Verwir­rungen und Verwechs­lungen statt, bevor es zum Happy End kommt und die Paare sich finden. In der Rostocker Fassung ist das Ende an unsere heutigen Tage angelehnt – alle Integra­ti­ons­maß­nahmen sind erfolgreich.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Jasmin Solfaghari, die auch für die Ausstattung und Licht­regie verant­wortlich zeichnet, macht das Beste aus einem Mini-Budget in einer sehr anspre­chenden Kulisse: Das Foyer des ehema­ligen Katha­ri­nen­klosters ist mit seinen hohen Decken und dem offenen Ziegelwerk der ideale Raum für ein Stück, das in der frühen christ­lichen Zeit statt­finden soll. Da braucht es nur noch gute Einfälle, die Solfaghari auch zuhauf hat: Kleine Orient­tep­piche und einige Stühle, um die Atmosphäre des Orients zu zaubern, lange Seiden­bahnen, die die lieblichen Winde darstellen und anschließend Räume trennen. Ihre ausge­prägte atmosphä­rische Licht­regie geht Hand in Hand mit den Emotionen, die besungen werden.

Foto © Mirco Dalchow

Auch wenn sie „nur“ Studie­rende der Gesangs- und Instru­men­tal­klassen der Hochschule für Musik Rostock sind, werden sie so sorgfältig musika­lisch von Christian Hammer und szenisch von Jasmin Solfa­raghi geführt, dass sie hier genannt werden sollen:  Yumi Tatsumiya ist eine Rinaldo, die keine Scheue hat, ihre Ergrif­fenheit als junger Ritter zu zeigen – zerrissen zwischen seiner Pflicht als Ritter und seiner Liebe zu Almirena, hier von Sopran Friederike Kühl grazil verkörpert. Ihr Vater, der Feldherr Goffredo, wird von Mezzo Alina Behning und ihr Bruder Eustazio von Annika Sofia Westlund darge­stellt – beide Hosen­rollen vielleicht noch etwas ungewohnt für die jungen Sänger. Händel wusste schon vor 300 Jahren, dass das Anderssein das „Salz in der Suppe“ ergibt – auch gesell­schafts­po­li­tisch. In diesem Werk sind es der Bariton Jaehwan Shim als König Argante von Jerusalem und Armida, Zauberin und Königin von Damaskus, die von Jinjoo Kwak inter­pre­tiert wird. Beide Sänger verstehen ihre Rollen und kosten die vielen Regie­de­tails voll aus, zur großen Freude des Publikums. Dritter in diesem Bund ist der christ­liche Zauberer, hier von Shinhyung Kim mit großer Bühnen­präsenz verkörpert.

Selbst Neben­rollen wie die Damen, Sirenen und Gefolge sind als bewusste Persön­lich­keiten gezeichnet und unter­streichen die perso­nen­be­zogene Arbeit der Regis­seurin an allen Rollen.

Dirigent Christian Hammer trägt seinen Teil zum Erfolg der Produktion bei, indem er das Kammer­or­chester präzise und trans­parent führt, allen voran soll Minsang Cho am Cembalo erwähnt werden. Durchaus auch witzig die vielen Spezi­al­ton­ef­fekte, die mit einfachen Mitteln – wie beispiels­weise das Donner­blech – kunstvoll einge­setzt werden.

Es lohnt also der Besuch der Produk­tionen an Musik­hoch­schulen, wo Enthu­si­asmus, Neugier und Hingabe von den Mitwir­kenden noch sehr authen­tisch und noch nicht von der Routine und Ausstattung eines Theater­alltags überdeckt sind.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: