O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DONAUESCHINGER MUSIKTAGE
(Diverse Komponisten)
Besuch vom
19. bis zum 21. Oktober 2018
(Einmalige Veranstaltung)
1921 gegründet, gehören die die Donaueschinger Musiktage für neue Musik zu den ältesten und immer noch renommiertesten Plattformen der musikalischen Avantgarde. Spektakuläre Auseinandersetzungen und Saalschlachten um und mit Paul Hindemith, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und John Cage gehören allerdings der Vergangenheit an. Heute geht es erheblich ruhiger zu. Und auch wenn die ganz großen Namen wie Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm durch Abwesenheit glänzten: Das von Björn Gottstein zusammengestellte Programm für die drei Festivaltage zog immerhin noch über 10.000 Besucher aus nah und ganz fern an und war mit 22 Uraufführungen reich bestückt.
Gesteht man der Werkwahl eine gewisse repräsentative Relevanz zu, scheinen sich die Neutöner verstärkt aus ihren isolierten, volksfernen Elfenbeintürmen zu entfernen und sich verbindlicheren Ausdrucksformen und Kompositionstechniken zu widmen. Und zwar mit einem wachen Blick auf aktuelle Probleme und Phänomene, die uns alle angehen. So begleiteten gleich drei Leitthemen das Festival: „Mensch und Maschine“, „Historische Instrumente in der Neuen Musik“ und „Macht und Manipulation“. Das letzte Thema griff besonders eindringlich die Komponistin Isabel Mundry auf, die exemplarisch für den Sinneswandel vieler Komponisten stehen kann. Gehörte sie lange Zeit zu den Verfechtern streng strukturell orientierter Musik von großer Komplexität, bedient sie sich mittlerweile erheblich schlichterer Kompositionstechniken. Ihre beiden aufgeführten Vokalkompositionen Mouhanad und Hey! – Transformationen eines Augenblicks wirken wie dokumentarische Reflexe von Ereignissen im Umfeld der Flüchtlingsproblematik. Hey für Stimmen und Ensemble kreist um den authentischen Dialog eines 18-jährigen deutsch-iranischen Schülers, der 2016 in München in einem Amoklauf neun Menschen tötete, mit einem aufgebrachten Anwohner, das Chorstück Mouhanad um ein Gespräch der Komponistin mit einem Flüchtling. Mundry bedient sich neben den gesprochenen Passagen zwar aller Techniken der vokalen Tonerzeugung, die dem modernen Chorwesen zur Verfügung stehen, geht allerdings sehr sparsam und fast still mit ihnen um.
Für ihr Orchesterstück plinters of ebullient rebellion wurde die schwedische Komponistin Malin Bång zum Thema „Mensch und Maschine“ mit dem Preis des SWR-Sinfonieorchesters ausgezeichnet. Ein virtuoses Stück mit drei Klangebenen, die den Einfluss von Maschinen auf den Menschen aus drei Perspektiven beleuchtet: Mit einem extrem schroffen Orchesterpart in voller Brutalität, mit zart-süßlichen Spieluhren von fast idyllischer Anmut und mit zwei alten Schreibmaschinen von nostalgischem Reiz.

Aufwändiger, kompositorisch nicht unbedingt ergiebiger, ließen Georges Aperghis und Koka Nikoladze gleich Roboter in den Kompositionsprozess eingreifen. Die Entdeckung historischer Instrumente für die Neue Musik war freilich von begrenztem Neuigkeitswert. Ivan Fedels Konzert für Bassetthorn und Orchester ließ zwar einen reizvoll vibrierenden Klangteppich entstehen. Der Mehrgewinn durch das Bassetthorn gegenüber modernen Klarinetteninstrumenten hielt sich allerdings in Grenzen.
In der Gesamtsicht scheint die Neue Musik aus der Sicht der diesjährigen Donaueschinger Musiktage wieder ästhetisch versöhnlichere Töne anzustimmen, wobei man nicht so weit gehen muss wie der Gitarrist und Komponist Alessandra Novaga, der zum Auftakt als Hommage an Rainer Werner Fassbinder eine endlose Klangcollage von Melodien ausbereitete, die auch einem Schlagerfestival zur Ehre gereichen könnten.
Da die künstlerische Ausführung in den Händen des Südwestrundfunks liegt, hat man bei den Interpreten nicht am falschen Ende gespart. Das SWR-Sinfonierochester und das SWR-Vokalensemble, das unter anderem Isabel Mundrys Chorstück unter Leitung von Florian Helgath, dem Leiter des ChorWerks Ruhr, aus der Taufe hob, bildeten das Rückgrat, das von hoch spezialisierten Ensembles wie dem Ensemble Modern, dem ensemble mosaic und dem Klangforum Wien unterstützt wurden.
Die nächsten Donaueschinger Musiktage finden vom 17. bis 20 Oktober 2019 statt.
Pedro Obiera