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Foto © Michael Pöhn

Opulenz und Schönheit

LES TROYENS
(Hector Berlioz)

Besuch am
21. Oktober 2018
(Premiere am 14. Oktober 2018)

 

Wiener Staatsoper

Les Troyens von Hector Berlioz, ein Schlüs­selwerk der franzö­si­schen Oper des 19. Jahrhun­derts, ist eine gewaltige Heraus­for­derung für jedes Opernhaus. Denn die  fünfaktige, trotz einiger Kürzungen immer noch mehr als vierstündige Grand opéra, die von der den Untergang Trojas erlebende Kassandra, aber auch von der unglück­lichen Liebe Didos zu Aeneas in Karthago handelt – der zweite Teil wurde 1863 in Paris und beide Teile auf zwei Abende verteilt erstmalig 1890 in Karlsruhe urauf­ge­führt – bedarf eines immensen Aufwands sowohl was Sänger­be­setzung, 22 Rollen sind zu besetzen, Orchester wie auch szenische Reali­sierung betrifft. Nun stemmt die Wiener Staatsoper – die letzten Auffüh­rungen einer Produktion aus 1976, aller­dings nur der Akte 3 bis 5, waren im Haus am Ring in der Saison 198081 zu erleben – als erste heurige Opern­pre­miere – aus Kosten­gründen in Kopro­duktion mit dem Royal Opera House London Covent Garden, wo diese Produktion erstmalig 2012 herauskam, sowie mit der Mailänder Scala und der San Francisco Opera – dieses Mammutprojekt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zugegeben, das troja­nische Pferd ist schon beein­dru­ckend, die Bühne wurde von Es Devlin kreiert. Es ist riesig und besteht aus Metall, ist aus den Resten der griechi­schen Waffen geformt, kann den Kopf bewegen und von innen her glühen. Auch die kalten Mauern von Troja wie auch die aus rotem Lehm und Sand geformte, mehrstö­ckige Häuser­front und das kleine Relief der Stadt Karthago, das in der Liebes­szene blau angestrahlt, verkehrt über den Köpfen schwebt, faszi­niert. Ebenso die histo­risch stili­sierten Kostüme, die Moritz Junge erdacht hat, man lässt das Werk zur Entste­hungszeit der Oper im 19. Jahrhundert spielen, strahlen eine gewisse Ästhetik aus. Aber wie so oft auch schon in anderen Produk­tionen erlebt, gelingt es David McVicar nur einge­schränkt, dieses opulente Ausstat­tungs­spek­takel mit großen Showef­fekten wirkungsvoll mit Leben zu erfüllen.  Es wirkt, als verließe sich die Regie auf Bebil­derung und Ausstattung. Denn zu träge und konven­tionell werden Massen und Protago­nisten geführt. Die Chorszenen sind vor allem statisch, die Ballette, die Choreo­grafie stammt von Lynne Page, herzig bis altmodisch.

Foto © Michael Pöhn

Aber man kann mit einer illustren Sänger­schar punkten: Allen voran ist die Königin von Karthago zu nennen. Joyce DiDonato, bisher viel zu selten am Haus am Ring zu erleben, singt die Didon – Dido mit unglaublich vielen Fassetten ihres schlanken, hellen, einfach herrlichen Mezzos. Mit kostbarer Lyrik, besonders im Liebes­duett, singt sie mit wunder­barer Phrasierung. Und es ist großartig, welche Wandlung sie durch­macht: Von der liebenden Frau driftet sie gekonnt immer mehr Richtung Fassungs­lo­sigkeit und Wahnsinn ab und kann im Finale, das zum Ereignis wird, mit Emotio­na­lität, Expres­si­vität und bühnen­prä­senter Darstellung faszi­nieren. Brandon Jovanovic ist ein viriler Énée – Aeneas, vielleicht nicht mit dem schönsten Timbre, der mühelos alle Höhen erklingen lässt und mit pracht­voller Vitalität singt. Erstmalig singt jetzt Anna Caterina Antonacci, sie war bei der Premiere und der zweiten Aufführung erkrankt, die Cassandre – Kassandra, anfänglich etwas zu zurück­haltend aber dann bald ungemein intensiv und auch im Spiel immer expres­siver. Adam Plachetka ist ein etwas rau klingender Chorèbe. Szilvia Vörös ist die dunkel timbrierte Anna mit vitalem Spiel. Von den vielen übrigen Rollen stechen besonders Rachel Frenkel als Sohn des Äneas Ascanius, Paolo Fanale mit schön geführtem Tenor bei einer Arie als Iopas, Jongmin Park singt mit dunklem Bass den Narbal und Benjamin Bruns gefällt als feiner Hylas. Der Chor der Wiener Staatsoper, verstärkt durch den Slowa­ki­schen Philhar­mo­ni­schen Chor, die Chorleitung hat Thomas Lang inne, ein Haupt­träger des Geschehens, ist imposant und stimm­ge­waltig zu vernehmen.

Alain Altinoglu weiß das Orchester der Wiener Staatsoper zu Höchst­leis­tungen aufzu­sta­cheln. Er hat Bühne und Graben immer souverän im Griff, spürt den Schön­heiten der Partitur mit satten, atmosphä­ri­schen Klängen intensiv nach. Warms­amtig spielen die Streicher, klar und präzise die Bläser.

Großer Jubel, der sich bei Joyce diDonato noch beträchtlich steigert.

Helmut Christian Mayer

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