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LES TROYENS
(Hector Berlioz)
Besuch am
21. Oktober 2018
(Premiere am 14. Oktober 2018)
Les Troyens von Hector Berlioz, ein Schlüsselwerk der französischen Oper des 19. Jahrhunderts, ist eine gewaltige Herausforderung für jedes Opernhaus. Denn die fünfaktige, trotz einiger Kürzungen immer noch mehr als vierstündige Grand opéra, die von der den Untergang Trojas erlebende Kassandra, aber auch von der unglücklichen Liebe Didos zu Aeneas in Karthago handelt – der zweite Teil wurde 1863 in Paris und beide Teile auf zwei Abende verteilt erstmalig 1890 in Karlsruhe uraufgeführt – bedarf eines immensen Aufwands sowohl was Sängerbesetzung, 22 Rollen sind zu besetzen, Orchester wie auch szenische Realisierung betrifft. Nun stemmt die Wiener Staatsoper – die letzten Aufführungen einer Produktion aus 1976, allerdings nur der Akte 3 bis 5, waren im Haus am Ring in der Saison 1980⁄81 zu erleben – als erste heurige Opernpremiere – aus Kostengründen in Koproduktion mit dem Royal Opera House London Covent Garden, wo diese Produktion erstmalig 2012 herauskam, sowie mit der Mailänder Scala und der San Francisco Opera – dieses Mammutprojekt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Zugegeben, das trojanische Pferd ist schon beeindruckend, die Bühne wurde von Es Devlin kreiert. Es ist riesig und besteht aus Metall, ist aus den Resten der griechischen Waffen geformt, kann den Kopf bewegen und von innen her glühen. Auch die kalten Mauern von Troja wie auch die aus rotem Lehm und Sand geformte, mehrstöckige Häuserfront und das kleine Relief der Stadt Karthago, das in der Liebesszene blau angestrahlt, verkehrt über den Köpfen schwebt, fasziniert. Ebenso die historisch stilisierten Kostüme, die Moritz Junge erdacht hat, man lässt das Werk zur Entstehungszeit der Oper im 19. Jahrhundert spielen, strahlen eine gewisse Ästhetik aus. Aber wie so oft auch schon in anderen Produktionen erlebt, gelingt es David McVicar nur eingeschränkt, dieses opulente Ausstattungsspektakel mit großen Showeffekten wirkungsvoll mit Leben zu erfüllen. Es wirkt, als verließe sich die Regie auf Bebilderung und Ausstattung. Denn zu träge und konventionell werden Massen und Protagonisten geführt. Die Chorszenen sind vor allem statisch, die Ballette, die Choreografie stammt von Lynne Page, herzig bis altmodisch.

Aber man kann mit einer illustren Sängerschar punkten: Allen voran ist die Königin von Karthago zu nennen. Joyce DiDonato, bisher viel zu selten am Haus am Ring zu erleben, singt die Didon – Dido mit unglaublich vielen Fassetten ihres schlanken, hellen, einfach herrlichen Mezzos. Mit kostbarer Lyrik, besonders im Liebesduett, singt sie mit wunderbarer Phrasierung. Und es ist großartig, welche Wandlung sie durchmacht: Von der liebenden Frau driftet sie gekonnt immer mehr Richtung Fassungslosigkeit und Wahnsinn ab und kann im Finale, das zum Ereignis wird, mit Emotionalität, Expressivität und bühnenpräsenter Darstellung faszinieren. Brandon Jovanovic ist ein viriler Énée – Aeneas, vielleicht nicht mit dem schönsten Timbre, der mühelos alle Höhen erklingen lässt und mit prachtvoller Vitalität singt. Erstmalig singt jetzt Anna Caterina Antonacci, sie war bei der Premiere und der zweiten Aufführung erkrankt, die Cassandre – Kassandra, anfänglich etwas zu zurückhaltend aber dann bald ungemein intensiv und auch im Spiel immer expressiver. Adam Plachetka ist ein etwas rau klingender Chorèbe. Szilvia Vörös ist die dunkel timbrierte Anna mit vitalem Spiel. Von den vielen übrigen Rollen stechen besonders Rachel Frenkel als Sohn des Äneas Ascanius, Paolo Fanale mit schön geführtem Tenor bei einer Arie als Iopas, Jongmin Park singt mit dunklem Bass den Narbal und Benjamin Bruns gefällt als feiner Hylas. Der Chor der Wiener Staatsoper, verstärkt durch den Slowakischen Philharmonischen Chor, die Chorleitung hat Thomas Lang inne, ein Hauptträger des Geschehens, ist imposant und stimmgewaltig zu vernehmen.
Alain Altinoglu weiß das Orchester der Wiener Staatsoper zu Höchstleistungen aufzustacheln. Er hat Bühne und Graben immer souverän im Griff, spürt den Schönheiten der Partitur mit satten, atmosphärischen Klängen intensiv nach. Warmsamtig spielen die Streicher, klar und präzise die Bläser.
Großer Jubel, der sich bei Joyce diDonato noch beträchtlich steigert.
Helmut Christian Mayer