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Foto © Moritz Schnell

Der beinah gelungene Apfelschuss

WILHELM TELL
(Gioac­chino Rossini)

Besuch am
23. Oktober 2018
(Premiere am 13. Oktober 2018)

 

Theater an der Wien

Verächtlich dreht er den toten Körper von Gesler um, zerrt ihm die Uniform­jacke vom Leib und zieht sie sich selbst an. Der alte Diktator ist tot, ein neuer kündigt sich an: In der Insze­nierung von Thorsten Fischer von Gioac­chino Rossinis letzter Oper Wilhelm Tell am Theater an der Wien wird die Figur des zwielich­tigen Walter Fürst, eigentlich ein Mitstreiter des Titel­helden, stark aufge­wertet. So ist er als der eigent­liche Draht­zieher des Geschehens fast immer omnipräsent. Schon zu Beginn in der durch­in­sze­nierten Ouvertüre, in der die Tötung Geslers vorweg­ge­nommen wird, hilft er Tell, dessen Leiche wegzu­ziehen. Er ersticht den alten Melcthal. Er beäugt fast ständig das Geschehen, auch das Liebespaar Arnold und Mathilde und zeigt diese Begegnung sowohl Gesler wie auch Tell. Und er stachelt das Volk gegen die Besatzer auf, indem er Flugblätter mit der Aufschrift Liberté unter sie wirft. Er wird von Edwin Crossley-Mercer aalglatt und zynisch gespielt und ideal gesungen.

Auch sonst hat der Regisseur auf der kalten, fast leeren Bühne mit den metal­li­schen Wänden und einer Brücke als zweiter Spiel­ebene in heutigen Gewändern und Uniformen – die Ausstattung stammt von Herbert Schäfer und Vasilis Trian­ta­fil­lo­poulos – viele Ideen. Einige wirken gut, manche weniger. Beein­dru­ckend ist die Eisen­decke, eine Art Tritt­gitter, auf der Gesler immer wieder steht, und die sich immer wieder bedrohlich auf das darunter befind­liche Volk senkt. Packend ist teilweise auch die eigent­liche Perso­nen­führung, insbe­sondere in der Apfelschussszene.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Ansonsten sieht man vielfach gezeigte Dikta­tur­kli­schees in Uniformen, die an totalitäre Regimes erinnern. Eigen­ar­tig­keiten durch­ziehen auch immer wieder die Insze­nierung, wenn etwa während der Ouvertüre, die im Schnee spielt, aus den Schnee­haufen Untote auftauchen. Störend und teils lächerlich wirkt auch die teils unsinnige, choreo­gra­fierte Bewegungs­regie bei den Chorszenen. Schon während der Ouvertüre muss der Chor mit Schnee­schubern den Schnee wegräumen, um dann die Geräte an der Rampe im Rhythmus der Musik auf und ab zu bewegen. Ebenso seltsam erscheint das Rotieren von gefüllten Weingläsern über dem Kopf oder das choreo­gra­fierte Hemdan­ziehen und Krawat­ten­schwingen. Entbehrlich erscheint auch die schmale, stark blendende Videowand mit den ewig herum­flie­genden Kriegsflugzeugen.

Die Oper ist der in Musik gewordene Beweis, dass Rossini nicht nur Komödien, sondern auch eine Grand opéra schreiben konnte. Das Stück ist ihm 1829 gattungs­mäßig mit vier Stunden recht weitschweifig geraten. Es hält sich jedoch dank seiner großar­tigen Musik bis heute auf den Spielplänen.

Foto © Moritz Schnell

Bereits die ersten, wunderbar weichen Töne der Solo-Celli lassen aufhorchen. Dann wird vom populären Marsch-Galopp bis hin zum grandiosen Schluss­choral, dem Dankgebet, tempe­ra­mentvoll musiziert. Diego Matheuz aus Venezuela hätte als Dirigent bei den Wiener Sympho­nikern aller­dings mehr Nuancen und Diffe­ren­ziertheit erklingen lassen sollen. Trotzdem ist die Melodik blühend, wie auch die drama­ti­schen Steige­rungen gewaltig erklingen.

Eindeutig auf der Haben­seite sind auch die Sänger, gewählt wurde die franzö­sische Fassung: Allen voran singt John Osborn die schwierige Partie des Arnold mit den unzäh­ligen Spitzen­tönen ohne Mühe und großer Sicherheit, ein tenorales Kraft­paket. Er ist aber auch zu vielen Schat­tie­rungen und feinen Tönen fähig. Jane Archibald mit ihrem schlanken, kolora­turen- und höhen­si­cheren Sopran kommt ihm als Habsburger Prinzessin Mathilde am nächsten. Christoph Pohl gibt einen drauf­gän­ge­ri­schen Schweizer Volks­helden und singt ihn mit schlanker Stimme, kernig, stimm­kräftig und fasset­ten­reich. Sein Sohn Gemmy ist bei Anita Rosati mit ihrem hellen Sopran in den besten Händen. Seine Mutter Hedwig wird von Marie-Claude Chappuis glasklar gesungen. Ante Jerkunica ist ein zynischer, böser Gesler mit bärbei­ßigem Bass. Jerome Varnier als Melctal verfügt über einen dunklen, tragenden Bass. Gut besetzt sind die vielen kleineren Rollen, bei denen der fabel­hafte Anton Rositskiy als Fischer heraus­sticht. Der in dieser Oper viel beanspruchte Arnold-Schönberg-Chor singt wunderbar und ausgewogen.

Großer Jubel im Publikum ohne jegliche Missfallensäußerung.

Helmut Christian Mayer

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